Der Missionar beobachtete den Zulu aufmerksam, während dieser sprach, denn ein eigentümlicher Klang war in dessen Stimme, und das sonst so gefaßte Gesicht hatte einen besonderen und ungewöhnlichen Ausdruck. Es schien, als werde der Mann von einem geheimen Gedanken bewegt. Seine Augen funkelten mit düsterem Feuer, und die Ruhe seiner Haltung hatte etwas Gezwungenes.

Der Missionar dachte nach, was wohl den Häuptling bewege. Trauer um den Bruder konnte es wohl nicht allein sein, denn nicht milde Weichheit war in den schwarzen Zügen zu lesen, sondern heimlicher Grimm. War Humbati zornig auf die Weißen als die Ursache des Todes seines Bruders? Aber die Weißen waren doch unschuldig daran, daß der König so grausam war, und im Gegenteil hatte der König dem Häuptling das Leben schenken wollen, um dem Missionar gefällig zu sein. Dennoch hatte der Missionar das Gefühl, die Erregung Humbatis stehe in Verbindung mit der Reise des Lord. Offenbar hatte Humbati selbst veranlaßt, daß er, ein so vornehmer Mann, zur Reisebegleitung bestimmt worden war, denn dies Amt hätte auch wohl einem Geringeren übertragen werden können.

Während der Missionar so dachte und die verschlossene düstere Miene des Häuptlings mißtrauisch beobachtete, während der Lord seine Freude darüber aussprach, von einem so angesehenen und ihm wohlbekannten Mann begleitet zu werden, trat Pieter Maritz heran. Das Herz war ihm schwer geworden, als er von der Abreise des Lord gehört hatte. Das Bild der eigenen Heimat stieg lebhafter als je vorher in seiner Erinnerung auf und ließ ihm den Aufenthalt bei den wilden grausamen Zulus unheimlich und düster erscheinen. Es war ihm, als zöge die Abreise des Lord seine Seele mit. Er wandte sich an Humbati und bat ihn, beim Könige die Erlaubnis zu erwirken, daß auch er mitgehen dürfe.

Humbati zuckte die Achseln. »Wer bin ich,« antwortete er, »daß ich dem großen Könige Rat erteilen sollte, ohne daß er meine Ansicht zu hören verlangt hat? Der weiße Jüngling, der so gut schießt, möge selbst den König bitten.«

Der Lord ergriff des Buernsohnes Hand. »Ich habe schon daran gedacht, für Sie zu bitten, lieber Freund,« sagte er. »Aber die besondere Art des Auftrags, den mir der König gegeben hat, läßt mich zweifeln, ob er die Bitte gut aufnehmen würde. Ja, ich zweifle nicht nur, ich bin ganz gewiß, daß er zornig werden würde, wenn ich ihm den Vorschlag machte, Sie mitnehmen zu dürfen. Es ist klüger, Sie bitten nicht darum, sondern verlassen sich ganz auf unsern alten Freund und Beschützer hier.«

Er wies bei diesen Worten auf den Missionar.

»Wir verdanken ihm unser Leben,« fuhr er dann fort, »ohne ihn hätten uns längst die Geier und Hyänen gefressen. Er ist so gut, daß er selbst die Wilden besänftigt, und so beredt, daß er sie mit seinen Worten bezaubert. Er wird Sie sicherlich nach der Heimat zurückbringen.«

»Die Zukunft steht allein in Gottes Hand,« sagte der Missionar. »Aber gewiß hat Seine Lordschaft damit recht, daß der König nimmermehr erlauben würde, daß du abreisest. Du darfst gar nicht darum bitten, denn der König würde zornig werden und würde selbst Seine Lordschaft mit Mißtrauen ansehen.«

»Dann handelt es sich um einen Plan, der gegen die Buern gerichtet ist!« rief Pieter Maritz erregt.

Der Missionar legte mit bedeutsamem Blick den Finger auf den Mund. »Wer klug ist, der sieht und hört, aber redet nicht,« sagte er in holländischer Sprache. »Glaubst du, daß wir uns zu Werkzeugen eines Planes zwischen Heiden und Christen gegen ein christliches Volk hergeben würden? Laß den König planen, was er will, und aus seiner Verblendung Segen kommen. Sieht er ein, daß seine blutigen und räuberischen Anschläge erfolglos bleiben, so wird er den Friedensworten ein offenes Ohr leihen. Mit Gottes Hilfe werden wir beiden später noch zusammen in deine Heimat zurückkehren.«