Dann winkte er unwillig mit der Hand, und die Garde mußte sich zerstreuen, ohne daß ihre Bitte erfüllt worden war.
Aber der Missionar merkte wohl, daß nur Politik den König bewog, so zu sprechen und zu handeln, denn nun ließ Tschetschwajo den Lord herbeikommen und setzte sich mit ihm zusammen nieder. Der Missionar mußte den Dolmetscher spielen, und nur Dabulamanzi war außerdem noch zugegen.
Er sei den Engländern sehr befreundet, sagte Tschetschwajo. Böswillige Leute hätten wohl über ihn gelogen und gesagt, er liebe den Krieg und mache Einfälle in das Buernland und in die englischen Besitzungen. Aber in Wahrheit gingen solche Grenzverletzungen von unbotmäßigen Stämmen aus, welche sich gegen seinen Willen vergingen, mit der Zeit aber völlig zum Gehorsam gebracht werden würden. Das möge der englische Induna dem Gouverneur von Natal sagen. Tschetschwajo sei Englands Freund, er habe den Engländern schon früher gegen die Buern geholfen und werde es jetzt wieder thun. Die Buern seien Englands schlimmster Feind; wenn sie niedergeworfen seien, würde England das ganze Afrika beherrschen, mit Ausnahme des Zululandes, dessen König der treueste Freund Englands sei. Seine Armee sei groß und stark, und er werde dreißigtausend Mann der besten Truppen zur Hilfe gegen die Buern bereit halten. Er habe genug Gewehre, um die Hälfte der Regimenter damit zu bewaffnen. Zwar hätten sich die Truppen heute ungeschickt gezeigt, aber das komme davon, daß ihnen das Feuergewehr noch neu sei. Nach einiger Zeit werde das anders sein. Der englische Häuptling möge dies alles dem Gouverneur sagen und Tschetschwajos Bündnis anbieten.
Der Lord erwiderte, daß er dankbar sei für die königliche Aufnahme und Bewirtung und den Auftrag pünktlich ausrichten werde. Doch wisse der König wohl, daß er ein sehr junger Mann und keiner der großen Indunas sei. Deshalb könne er weder eine erfolgreiche Botschaft versprechen noch auch vorher sagen, welche Aufnahme der Gouverneur ihm bereiten werde. Doch sei er überzeugt, daß der Gouverneur die große Macht Tschetschwajos zu würdigen wisse und das Bündnis mit dem mächtigen König seiner Bedeutung nach erkennen werde. Jedenfalls werde er, der Leutnant, den Auftrag nach bestem Gewissen ausrichten.
Als der Lord so geantwortet hatte, bezeigte der König seine Zufriedenheit. Er ließ durch einen seiner Hofbeamten eine Perlenkette von hohem Wert herbeibringen und überreichte sie dem jungen Offizier. »Die englischen Indunas tragen solchen Schmuck nicht selbst,« sagte er dabei gnädig lächelnd, »aber du kannst die Kette deiner Lieblingsfrau zum Andenken an Tschetschwajo umhängen. Reise, wann du willst, das Land liegt vor dir.«
Lord Fitzherbert errötete, indem er an das Mädchen in der Heimat, das Mädchen mit den Rehaugen im alten England dachte, und er lachte vor Freude bei dem Gedanken, daß er sie nun doch wohl wiedersehen könne und daß vielleicht einst das Geschenk des schwarzen Fürsten ihren schlanken Hals zieren werde, wenn er so glücklich sei, sie seine Gattin nennen zu dürfen. Er zog seine kostbare Uhr, die von Edelsteinen funkelte, hervor und überreichte sie nebst der goldenen Kette dem König.
»Ich weiß, daß dies Geschenk des Königs nicht würdig ist,« sagte er, »aber vielleicht giebst du das Spielzeug einer deiner Lieblingsfrauen zum Andenken an den Engländer, der dir für seine Freiheit dankt.«
Tschetschwajo nahm das Geschenk sehr huldvoll auf und überreichte die Uhr einem der Kammerherren. Die Audienz war damit beendigt, und mit einer höflichen Verbeugung verabschiedete der König seinen Gast.
Strahlenden Gesichts blieb der junge Lord zurück und besprach sich mit dem Missionar über den Zeitpunkt seiner Abreise. Der alte Mann riet ihm, ruhig abzuwarten, was geschehen würde, da der König selbst ihm die Zeit und die Art und Weise kundgeben werde. In der That näherte sich bald nachher Humbati den Weißen und wandte sich an den Lord mit der Mitteilung, daß er die Ehre haben werde, ihn auf der Reise zu begleiten.
»Der König hat befohlen, daß ich dich an die Grenze bringe,« sagte Humbati, »und zu unserm Schutze wird uns eine Anzahl von Kriegern folgen. Wir werden gerade nach dem Untergange der Sonne zu reisen und können nach wenig Tagesmärschen die Grenze erreichen. Dort kommen wir an den Buffalofluß, und du kannst bei Rorkes Drift hinübergehen in das englische Land Natal. Ich aber soll am Flusse bleiben und die Antwort erwarten, welche der Gouverneur von Natal an den König senden wird.«