»Was wollen die Leute?« fragte Tschetschwajo mit finsterer Stirn.
»Sie haben zwei Söhne, die von des Königs Truppen geraubt sind. Sie möchten ihre Söhne wiederhaben, denn ihr Herz hängt an den Knaben. Es sind Knaben, die noch nicht die Waffen tragen können.«
»Mein Vater will des Königs Armee ihres jungen Nachwuchses berauben und den König zum Frieden nötigen,« sagte Tschetschwajo mit einem ärgerlichen Lachen. Dann aber sprach er einige Worte zu einem der Heerführer und dieser entfernte sich, während der König sich wieder zu seinem Bruder wandte. Der Missionar ließ die armen Leute beiseite treten, und diese küßten ihm die Füße und die Hände, da sie aus dem Verlauf der Scene schlossen, daß ihre Hoffnung in Erfüllung gehen würde. Sie boten dem Missionar ihre ärmlichen Geschenke an, dieser aber wies sie mit freundlichen Worten zurück und gab ihnen Speise. Die Hofleute aber redeten unter sich und waren voll Verwunderung über den Einfluß des weißen Mannes.
Nicht lange darauf kehrte der Induna zurück, und man sah einen Knaben an seiner Seite gehen. Das Weib stieß einen Ruf aus und rannte so schnell dem Knaben entgegen, daß es aussah, als müßte sie jeden Augenblick stürzen. Sie umarmte das Kind und kam mit ihm herauf, indem sie vor Freude laut weinte. Der Induna berichtete, der andere Knabe sei tot. Der König aber befahl, den Eltern das überlebende Kind wiederzugeben und sie durch einige Stück Vieh für das andere zu entschädigen.
»Ist mein Vater nun zufrieden?« fragte der König den Missionar. »Ist sein Herz nun weiß? Wird er mein guter Vater bleiben?«
»Ja,« entgegnete der alte Mann, »aber unter der Bedingung allein, daß Tschetschwajo mein guter Sohn bleiben wird.«
Das Gefolge erstarrte vor Entsetzen über diese kühne Antwort. Aber da der König in ein herzliches Lachen ausbrach, stimmten alle in das Lachen ein.
Währenddessen sah Pieter Maritz ein neues Schauspiel sich vorbereiten. Er bemerkte, daß das Regiment des Königs sich zusammenzog und, seine Unterbefehlshaber an der Spitze, in langer Linie heranmarschierte. Einige hundert Schritte vom Könige kniete die ganze Masse nieder, und vor der Linie knieten die Indunas. Dabulamanzi machte den König auf die Truppen aufmerksam, und dieser schickte den Prinzen ab, um zu fragen, was das Regiment wolle. Der Prinz kam mit der Nachricht zurück, das Regiment sei traurig über die Ungnade des Königs und bitte um neue Schilde.
Diese Bitte hieß nach der militärischen Sitte der Zulus nichts anderes, als daß die Truppe wünschte, zu einem kriegerischen Zuge gegen einen Nachbarstamm ausgesandt zu werden, um im feindlichen Blute seine Schande abzuwaschen und neuen Ruhm zu erwerben.
Tschetschwajo wandte sich zu dem Missionar. »Du siehst, wie mein Volk ist,« sagte er. »Ich wünsche nicht den Krieg, mein Volk wünscht ihn. Niemals lebte ein König, der friedliebender gewesen wäre als Tschetschwajo.«