Pieter Maritz schwieg. Er war voll Vertrauen zu dem alten Mann. Aber doch blutete sein Herz, als er am Nachmittage der Abreise des Engländers zusah. Humbati hatte zwanzig Krieger mit Schild und Speer um sich versammelt und außerdem zehn Diener, welche Körbe mit Lebensmitteln trugen. Diese sollten die Reisebegleitung sein. Der Rappe scharrte mit dem Hufe, als wüßte er, wohin er seinen Herrn tragen sollte, und wäre darüber erfreut. Lord Fitzherbert drückte dem Missionar und dem Buernsohn zum Abschied herzlich die Hand.

»Kommt ihr jemals in die Lage, auf englischem Gebiete meiner Hilfe zu bedürfen, so rechnet auf mich,« sagte er.

Dann schwang er sich in den Sattel, winkte noch einmal mit der Hand zurück und ritt davon. Neben ihm ging mit elastischem Schritte die dunkle Gestalt Humbatis, und der Zug der Krieger und Träger folgte dem Pferde. Die Sonne strahlte auf dem Pallasch des Engländers, auf dem goldenen Kopfring des Häuptlings und den Speerspitzen der Krieger, nach und nach ward der Zug in der Entfernung kleiner und verschwand dann gänzlich hinter einem Hügel.

Seufzend kehrte Pieter Maritz zu seiner Hütte in Mainze-kanze zurück.

[Fünfzehntes Kapitel]
Der Regenmacher

Pieter Maritz war traurig. Er fühlte sich einsam, nachdem der Engländer fort war. Wohl hatte er in dem Missionar nicht nur Gesellschaft, sondern auch eine zuverlässige Stütze in seinem Leben unter dem fremden, schwarzen und ihm unheimlichem Volke; aber dieser war doch ein alter Mann und stand in seinen Ansichten und in seiner Lebensanschauung, in seinen Interessen und Beschäftigungen dem Knaben zu fern. Mit dem Lord hatte er sich so gut unterhalten, daß er die Verbannung von der Heimat weniger gefühlt hatte. Er hatte von dem jungen vornehmen Manne viel gelernt und dessen Erzählungen von England, von dem Leben der reichen Leute, vom Kriege und von der Schiffahrt immer mit der größten Andacht gelauscht. Da der Lord getrennt von seinesgleichen gewesen war, hatte er das äußerliche Glänzen und alle störenden Eigenschaften abgestreift, welche ein Hindernis im Umgange zwischen dem reichen, verwöhnten, stolzen Jüngling und dem armen, einfachen, hart erzogenen Buernknaben hätten sein können. Er war einfach und natürlich geworden und so hatte sich zwischen beiden, die an Alter nicht so sehr verschieden waren, ein wahres Freundschaftsverhältnis gebildet. Sie hatten zusammen im Schatten der Bäume geplaudert, waren zusammen spazieren geritten, vereinigt auf die Jagd gegangen. Pieter Maritz hatte englisch gelernt, so daß er es nun sehr gut verstand und fertig sprechen konnte mit dem Accent eines vornehmen Mannes, während er es vorher nur notdürftig hatte lesen und nur wie ein Bauer sprechen können.

Nun war das alles vorbei: die schönen Geschichten von den Kriegen der Engländer, von den stolzen Kriegsschiffen, von den Schlössern und Parks, von dem Leben in London, hatten aufgehört und Pieter Maritz war betrübt. Oft sah er sehnsüchtig den Weg entlang, der von Mainze-kanze nach Natal führte, und er seufzte bei dem Gedanken, nun gleichsam auf einer wüsten Insel zu leben. Oft dachte er, indem er Jagers glänzenden Hals streichelte und dessen Schnelligkeit erwog, darüber nach, ob es nicht möglich sei, auf dem Rücken des treuen Tieres zu fliehen. Aber er gab die Gedanken an Flucht immer wieder auf, wenn er bedachte, daß der Weg bis zur Grenze so weit sei und durch Landstriche führe, die von wilden Tieren nicht nur, sondern von grausamen Menschen bewohnt seien, an den Kraals der Zuluarmee vorbei und zuletzt nahe der Grenze durch die Truppen des Prinzen Sirajo, die an dem Buffalofluß entlang auf der Wacht standen. Am schwersten empfand der Knabe sein Los an seinem Geburtstage, welcher in diese Zeit fiel. Er ward fünfzehn Jahr, und an dem Tage, wo er dies Alter erreichte und nun seine Mutter und seine Geschwister in weiter Ferne sich vorstellte, wo er der Zärtlichkeit gedachte, die ihn sonst an diesem Feste umgeben hatte, war er sehr traurig.