»Glaubst du denn wirklich, daß ich auch weise wäre?« fragte der Missionar. »Ich denke, du bist es allein.«

Der Regenmacher lächelte. »Du versteckst dich,« sagte er. »Nur weise Männer können Zauberer sein, denn es ist große Weisheit nötig, so viele Menschen zu betrügen.«

»Wenn ich nun dem Könige und dem Volke mitteilte, wie du sprichst?« sagte der Missionar.

»Du kannst sagen, was du willst,« antwortete der Regenmacher, »kein Mensch wird dir glauben. Ich aber sage dir im Vertrauen: wenn du klug bist, so wirst du mein Freund und redest gut von mir. Ich werde dir einen Teil meiner Belohnung geben. Willst du aber mein Feind sein, so hüte dich!«

»Du irrst dich völlig in mir,« versetzte der Missionar. »Ich suche keine Reichtümer. Ich will das Volk belehren. Ich will ihm sagen, daß es sein Herz nicht an Vieh und Korn und Sinnenlust und Eitelkeit hängen darf, sondern daß nur diejenigen Menschen glücklich sind, welche ein gutes Leben führen, einander lieben und Gutes thun und an Gott glauben, der sie nach dem Tode belohnen wird für ihre Tugend.«

Der Regenmacher hörte aufmerksam zu und nickte dann mit dem Kopfe. »Du hast recht,« sagte er. »Ich stimme mit dir überein. Nur gute Menschen sind glücklich. Denn es macht das Herz weiß, Gutes zu thun. Aber welchen Nutzen hast du davon, dem Volke etwas zu sagen, was es nicht versteht?«

»Ich will keinen Nutzen davon haben, sondern ich lehre das Wahre um des Wahren willen. Gott hat mir befohlen, zu lehren und keinen Lohn zu verlangen. Er sagt: ‚Umsonst habt ihr die Wahrheit empfangen und umsonst sollt ihr sie andern geben.‛«

Der Regenmacher sah vor sich nieder und überlegte. Dann blickte er den Missionar mit seinen klugen Augen an und sagte, indem er aufstand: »Du bist so weise, daß ich dich nicht verstehe. Ich verlasse dich. Vielleicht kommt bald die Zeit, wo deine Ohren offen sein werden und wo du meine Freundschaft besser würdigst als heute.«

Damit ging er. Aber die Unterhaltung mit dem Missionar mußte ihn wohl gestachelt haben. Vielleicht war er in seinem Selbstgefühl gekränkt, vielleicht war er wirklich begierig, Dinge zu hören, die ihm neu und unbekannt waren, vielleicht wollte er in den Augen der andern Doktoren das Ansehen des Weißen herabsetzen — genug, er kam schon nach wenig Tagen, als es noch immer nicht geregnet hatte, wieder. Diesmal war er in Gesellschaft von mehreren Doktoren und Häuptlingen.

Der Missionar empfing den Besuch auf dem freien Platze vor seiner Hütte, da die Hütte zu klein war, um alle Gäste aufnehmen zu können. Der Regenmacher fing eine Unterhaltung an, welche er zu einem Wortkampf über die Kunst der Zauberer zu machen strebte.