»Dieser Mann behauptet, daß es einen Gott gebe,« sagte er laut, indem er auf den Missionar wies. »Was denkt er sich wohl unter einem Gott?«
»Ich will dich zunächst nach etwas anderm fragen,« entgegnete der Missionar. »Was hältst du für das höchste Glück?«
»Das kann dir ein jeder sagen,« antwortete der Regenmacher ausweichend. »Hier, frage diesen tapfern Häuptling.«
Er zeigte bei diesen Worten auf einen der Indunas, einen kräftigen Krieger. Dieser dachte einen Augenblick nach und sagte: »Das größte Glück ist, von dem König gelobt zu werden und einen goldenen Ring von ihm zu erhalten.«
»Nun wollen wir einen von den Doktoren fragen,« sagte der Missionar. »Sage du nur« — er wandte sich an einen dicken Mann mit hohem Kopfputz und Zauberstücken auf der Brust — »was das größte Glück ist.«
»Das größte Glück,« sagte dieser, »ist ein Feld, das, soweit du sehen kannst, mit Feuern bedeckt ist, wenn über jedem Feuer ein Topf mit Fleisch kocht und alles Fleisch dir gehört.«
»Siehst du,« sagte der Missionar zu dem Regenmacher, »nicht jeder weiß, was das Glück ist, denn ein jeder hält es für etwas anderes.«
»Der weiße Zauberer ist sehr schlau,« entgegnete der Regenmacher. »Er gleicht der Antilope, welche Taucher genannt wird, denn er verschwindet, wenn man ihn fassen will, und taucht an einer fernen Stelle wieder auf. Sage mir doch, hast du nicht gelehrt, es gebe einen Gott, der alles geschaffen habe, Erde, Himmel, Menschen, Vieh und alle Dinge?«
»Jawohl, das lehre ich,« entgegnete der Missionar. »Zu Anfang war alles finster und leer, Gott aber setzte Sonne und Mond an den Himmel, daß es hell wurde, und er schuf in sechs Tagen alles, was unsere Augen sehen und unsere Ohren hören. Am letzten Tage aber schuf er den Menschen als den Herrn der Erde und sagte ihm, daß er glücklich sein würde, wenn er Gottes Gebote erfülle. Deshalb ist das höchste Glück des Menschen die Erfüllung der Gebote Gottes. Ich aber bin nicht wie ein Taucher, sondern hier stehe ich und lehre immer dasselbe.«
Der Regenmacher wandte sich an die Zuhörer. »Da seht ihr,« sagte er, »wie dieser weise Mann euch Märchen erzählt. Sage mir doch,« sagte er dann zu dem Missionar, »wie ist es möglich, daß ein Gott die Menschen erschaffen hat, während die Menschen doch so verschieden sind, daß man deutlich sieht, wie er sich bei der Arbeit verbessert haben müßte? Du mußt zugestehen, daß er sein Werk immer besser gemacht hat. Zuerst hat er sich an den Buschmännern versucht, aber sie gefielen ihm nicht, weil sie so häßlich waren und Stimmen hatten wie die Frösche. Dann machte er die Hottentotten, und diese fielen schon besser aus, aber machten ihm auch noch keine Freude. Dann übte er seine Kunst an den Betschuanen, und das war schon eine große Verbesserung. Dann machte er die Swazi und die Zulu, und diese gefielen ihm als schöne, tapfere und kluge Männer. Zuletzt aber,« — hier lächelte der Regenmacher halb spöttisch, halb verbindlich und machte dem Missionar eine Verbeugung — »zuletzt machte er wohl die Weißen. Diese sind so klug, daß sie alle Schwarzen an der Nase führen. Denn du hast doch gelehrt, Gott sei vollkommen, also kann er sich nicht in seiner Arbeit verbessert haben.«