Die Doktoren fingen laut an zu lachen, und die Häuptlinge stimmten mit ein. Alle verhöhnten den Missionar und riefen dem Regenmacher Beifall zu.

»So sage mir doch,« entgegnete der Missionar, als es wieder ruhig geworden war, »woher kommen denn die Menschen nach deiner Meinung, und wovon sind sie deiner Ansicht nach so verschieden?«

»Ich weiß es nicht,« sagte der Regenmacher. »Die Doktoren haben es noch nicht ergründet. Aber es ist wahrscheinlich, daß die Menschen aus dem Wasser gestiegen sind. Alles, was lebt, ist wahrscheinlich aus dem Wasser gekommen, und weil die Gewässer sehr verschieden sind, müssen auch wohl die Menschen verschieden sein. Deshalb ist auch die Wissenschaft des Regenmachers die höchste. Sie beschäftigt sich mit dem Wasser, aus welchem alles Lebendige kommt, nicht allein die Menschen, sondern auch die Tiere.«

»Du weißt es also nicht,« versetzte der Missionar, »sondern du vermutest es nur. Aber wie können die Menschen aus dem Wasser gekommen sein, da sie doch im Wasser ertrinken?«

Der Regenmacher versuchte, seine Ansicht zu verteidigen, und die Gründe, welche er vorbrachte, genügten zwar nicht, den Missionar zu überzeugen, riefen aber den wiederholten Beifall der Doktoren hervor. Zuletzt, als der Missionar ernstlich und eindringlich hervorhob, daß der Mensch eine Seele habe und unsterblich sei, zeigte der Regenmacher auf seinen Hund, der neben ihm am Boden lag, und sagte: »Welcher Unterschied besteht zwischen mir und diesem Tiere? Du sagst, ich sei unsterblich. Warum ist dann nicht mein Hund oder mein Ochse unsterblich? Sie sterben, wie wir sterben. Siehst du unsere Seelen oder die Seelen der Tiere? Wenn du aber unsere Seele ebensowenig sehen kannst, wie die Seele der Tiere, wie kannst du denn darüber sprechen? Weißt du, was du nicht siehst? Welcher Unterschied ist zwischen den Menschen und den Tieren? Keiner, ausgenommen, daß der Mensch der größere Schuft von den beiden ist.«

Der Missionar gab es auf, angesichts der höhnisch lachenden Versammlung seinen Wortkampf mit dem Regenmacher fortzusetzen, und hoffte darauf, daß die Ereignisse mit der Zeit das Ansehen des schlauen und redegewandten Mannes verringern würden. Und in der That gewann es im Laufe der nächsten Zeit ganz den Anschein, als ob die Hoffnung des Missionars in Erfüllung gehen sollte. Es kam kein Regen, der Himmel strahlte fast immer in wolkenloser Klarheit, und die Fluren versengten.

Der Regenmacher stellte mannigfache Versuche an. Sobald sich irgendwo eine kleine Wolke am Himmel zeigte, mußten Boten durch die Straßen von Ulundi laufen, welche den Weibern untersagten, zu pflanzen oder zu säen, damit die Wolken nicht verscheucht würden. Dann schickte er wieder Hunderte von Leuten aus, um bestimmte Wurzeln und Kräuter zu sammeln. Mit diesen wollte er ein Feuer anzünden, welches von den Zulus das »Feuer des Geheimnisses« genannt wurde. Weiber und Männer schwärmten dann in freudiger Hoffnung aus und durchstrichen tagelang Hügel und Thäler, um die bezeichneten Gewächse zusammenzubringen. Mit frohen Gesängen kehrten sie heim und legten ihren Fund vor des Regenmachers Hütte nieder. Er aber ließ die Gewächse auf bestimmte Hügel bringen und zu großen Haufen auftürmen, welche er anzündete. Er hätte gern viel Wind durch seine Feuer erregt, da er wohl wußte, daß oft der Wind der Vorläufer des Regens ist. Auch zündete er diese Feuer beim Mondwechsel an, da er wußte, daß sich oft bei Neumond und Vollmond das Wetter ändert.

Als aber alle seine Feuer vergeblich blieben, fing er an, von geheimen Schurken zu sprechen, welche in der Zauberei wohlerfahren seien und seine Künste vereitelten. Er merkte, daß der Missionar ihn beim Könige nicht unterstützte, ja sogar dem König Mißtrauen gegen ihn einzuflößen suchte, und er hätte gern den Weißen als die Ursache der langen Dürre hingestellt.

Da ereignete es sich eines Tages, daß plötzlich ein starker Regenschauer fiel, der jedoch nur eine halbe Stunde anhielt. Nun liefen mehrere Doktoren und Häuptlinge in des Regenmachers Wohnung, um ihm Glück zu wünschen; als sie aber eintraten, fanden sie ihn zu ihrer Verwunderung schlafend, und als sie ihn weckten, da merkten sie, daß er gar nicht wußte, daß es regnete.

»Hallo!« riefen sie, »wir dachten, du hättest den Regen gemacht!«