Aber der kluge Mann faßte sich rasch. Er deutete mit dem Finger auf eine seiner Sklavinnen, welche auf dem Flur saß und einen Milchsack schüttelte, einen jener ledernen Säcke, in welchen die Schwarzen ihre Milch aufbewahren und welche sie schütteln, um Butter zu machen. »Seht ihr denn nicht,« rief der Schlaue, »daß dort mein Weib sitzt und, so stark sie kann, den Regen schürt?«

Die Antwort befriedigte sie vollständig und sie liefen fort, um der ganzen Stadt zu erzählen, des Regenmachers Weib habe den Regen aus ihrem Milchsack geschüttelt. Als aber der Regen so bald aufhörte, kamen sie wieder und baten, das Weib möge noch länger schütteln. Da wies der Regenmacher sie fort, indem er sagte: »Ihr habt mir nur Schafe und Ziegen gegeben, dafür mache ich nur Ziegenregen; gebt mir fette Schlachtochsen, dann sollt ihr Ochsenregen sehen.«

Aber die Verhältnisse gestalteten sich immer ungünstiger für den Regenmacher. Zuweilen stiegen Gewitter auf und man sah schwere Regen niedergehen, aber mehrere Meilen weit entfernt, was dann für die Regenmacher der schlimmste Ärger war. Einmal verfinsterte sich der Himmel über Ulundi, aber bei vielem Blitzen und Donnern fiel nicht ein einziger Tropfen. Der Boden war völlig ausgedörrt, der Samen lag in den bestellten Feldern, als sei er soeben erst aus der Hand geworfen, das Vieh starb scharenweise auf den verbrannten Wiesen, die armen Leute liefen mager wie Skelette herum, um die Zauberkräuter zu beschaffen, welche der Regenmacher verlangte, und manche Menschen auf dem Lande starben Hungers. Der Regenmacher geriet in die größte Verlegenheit und zerbrach sich den Kopf, um Gründe zu finden, denen er seinen Mißerfolg zuschreiben könnte.

Eines Nachts zog eine Wolke über Ulundi hin, und ein einziger Donnerschlag ertönte. Der Blitz hatte in einen Baum am Rande des großen freien Platzes geschlagen. Nun versammelte der Regenmacher am folgenden Morgen viel Volk um den zerschmetterten Baum, von dem noch ein starker Stumpf aufrecht stand, und ließ ihn mit verzauberten Kräutern einwickeln und mit Wasser reichlich begießen. Hierauf ließ er ihn umhauen und zu Asche verbrennen. Die Asche schüttete er in große Kübel voll Wasser und ließ dann die Einwohnerschaft an sich vorüberziehen, wobei er alle Leute mittels eines Zebraschweifes bespritzte.

Aber es half nichts.

Eines Tages versammelte er eine große Volksmenge und sprach über die geheimnisvolle Natur der Paviane. »Wenn ich einen lebendigen Pavian hätte, in dessen Fell kein Haar fehlte,« sagte er, »dann könnte ich Regen mit ihm machen. Aber ohne einen solchen Pavian kann ich es nicht.« Er mochte wohl darauf rechnen, daß man ihm keinen lebenden Pavian bringen könnte, denn die klugen und behenden Tiere, welche in felsigen Bergen unweit Ulundis lebten, lassen sich nicht leicht fangen. Aber er kannte die Zulus schlecht, wenn er so rechnete. Augenblicklich machten sich vierhundert Krieger auf und zogen in die Felsengebirge. Die Paviane, welche gewohnt waren, von ihren hohen Sitzen behaglich zuzusehen, wie die Zulus das Quagga und die Antilope jagten, waren sehr erstaunt, als sie plötzlich selbst gejagt wurden, und als Hunderte von ausgesuchten Schnellläufern hinter ihnen waren. Mit Geschnatter und Geheul rannten sie davon, flüchteten in die steilsten Felsen und sprangen von Baum zu Baum, von Stein zu Stein. Aber es half ihnen nichts. Zwei Zulus stürzten sich zu Tode, drei brachen ein Bein, viele quetschten sich und stießen sich blutig, aber am Abend zog die Jägerschar triumphierend heim: sie brachten einen lebenden Pavian.

Der Regenmacher konnte sich einer Miene größter Bestürzung beim Anblick des Tieres nicht enthalten. Erst schwieg er, dann aber fing er an, das Fell des Pavians zu untersuchen. »O, o!« rief er, »mein Herz ist in Stücken zerrissen, ich bin stumm vor Gram! Seht ihr denn nicht, daß der Pavian hier gekratzt worden ist und mehrere Haare verloren hat? Sagte ich euch denn nicht, daß ich nur mit einem solchen Pavian Regen machen könnte, dem kein Haar fehlt?«

Nach dieser Scene ging der Missionar zum König und stellte ihm vor, wie unsinnig es sei, einem offenbaren Betrüger noch länger zu erlauben, das Volk zu täuschen und in Schaden zu bringen. Aber der König hörte ihn mit einer geheimen Furcht vor dem Regenmacher an.

»Wir können das nicht beurteilen,« sagte er zögernd. »Es muß doch irgend ein Grund dafür sein, daß der Himmel so hart bleibt. Nur kann der Regenmacher den Grund noch nicht finden. Hat er ihn erst gefunden, so wird er ihn schon zu entfernen wissen. Geh, das sind Dinge, welche nur die Männer der Wissenschaft verstehen.«

Es kam dem Missionar so vor, als sei der König durch den Regenmacher beeinflußt, denn dieser hatte mehrfach Andeutungen gemacht, es sei wohl möglich, daß der weiße Mann durch Zauberei ihm entgegenwirke.