»Laß den Regenmacher zu dir kommen, und wir wollen vor Tschetschwajos Angesicht darüber streiten,« sagte der Missionar. »Ich will vor dir beweisen, daß seine Künste nur Betrug sind, denn ich bin auch ein Mann der Wissenschaft.«

Der König stimmte zu, aber tags darauf schickte er zum Missionar und ließ sagen, der Wortstreit solle nicht stattfinden, denn der Gegenstand sei zu hoch für Krieger und könne nur von Regenmachern selbst erörtert werden. Und in der Folge wurden noch viele Dinge versucht, den Regen herbeizuziehen. Einmal verlangte der Regenmacher ein Löwenherz, und er machte daraus ein Getränk, welches die Häuptlinge trinken mußten, dann sagte er, die Begräbnisse wären falsch ausgeführt worden, ließ die Toten der letzten Monate ausgraben und in anderer Weise neu bestatten, aber schließlich, als alles nichts half und die Dürre anhielt, kam er mit niedergeschlagener Miene einmal spät abends heimlich zu dem Missionar und bat diesen um Rat. »Du bist Freund mit dem König,« sagte er, »und du bist gut und weise. Sage ihm, daß er mich retten möge.«

»Wie?« fragte der Missionar, »bist du der Hilfe bedürftig?«

»Es sind die Weiber!« rief der Regenmacher verzweiflungsvoll. »Die Weiber sind zu dumm, sie wiegeln ihre Männer gegen mich auf. Sage mir, mischen sich die Weiber in deiner Heimat auch in die öffentlichen Angelegenheiten?«

Der Missionar konnte nur mit Mühe das Lachen unterdrücken. »Bei mir zu Hause,« sagte er, »sind die Weiber noch viel wichtiger als hier. Sie werden viel höher geachtet, und das Christentum lehrt, daß die Weiber den Männern gleich an Wert sind. Weißt du nicht, daß das große Reich der Engländer von einem Weibe beherrscht wird? In einigen christlichen Ländern sind die Weiber auch Doktoren.«

Der Regenmacher sprang auf. »Das ist ein schrecklicher Gedanke!« rief er. »Möge das Christentum niemals zu uns kommen! Ich wünschte, alle Weiber wären Männer, denn mit Männern kann ich verkehren, aber die Weiber zu lenken, ist mir unmöglich.«

»Ja,« sagte der Missionar, »die Weiber führen den Haushalt und empfinden es am meisten, wenn das Wasser fehlt. Warum hast du ihnen versprochen, was du doch nicht halten kannst?«

»Sie werden mich umbringen,« rief der Regenmacher, »ich bin ein verlorener Mann. Sage mir, was ich thun kann, um sie zu beruhigen!«

»Gestehe die Wahrheit!« riet ihm der Missionar. »Gestehe ein, daß du gar nicht Regen machen kannst! Wenn du das thun willst, so werde ich den König bitten, dich in seinen Schutz zu nehmen.«

»Das ist unmöglich, das kann ich nicht,« sagte der arme Regenmacher. »Dann würden mich schon die andern Doktoren und Regenmacher umbringen.«