»Es ist besser, du redest die Wahrheit, als du lügst,« entgegnete der Missionar. »Was daraus entstehen wird, mußt du Gott überlassen.«
Der Regenmacher ging, aber war nicht getröstet. Der Missionar überlegte indessen, wie er dem Manne helfen könne, denn dieser that ihm leid, weil er klüger war als das gewöhnliche Volk.
[Sechzehntes Kapitel]
Der Abschied vom Zululand
Während der Missionar noch überlegte, unter welchem Vorwande er sich dem König nähern könnte, um in erfolgreicher Weise für den Regenmacher ein gutes Wort einzulegen, kam ein Adjutant vom König zu ihm und forderte ihn auf, sogleich zu erscheinen. Es war am Tage nach dem abendlichen und geheimen Besuch des geängstigten Zauberers. Der Missionar machte sich auf und folgte dem Adjutanten. Die Hofleute, welche den Platz vor den königlichen Gebäuden und die inneren Räume erfüllten, waren schweigsam und unruhig. Sie flüsterten nur untereinander und grüßten den weißen Mann mit ehrfurchtsvollen Verbeugungen, als er durch ihre Reihen hindurchschritt. Der König war auf der Veranda seines Palastes allein mit dem Prinzen Sirajo. Er saß auf einem Stuhle von Elfenbein im Schatten des Daches, während Sirajo neben ihm stand. Auf einem Tischchen vor dem Könige stand ein flaches Kästchen von Holz, dessen Deckel aufgeschlagen war.
»Mein Vater möge näher treten,« sagte Tschetschwajo, als der Missionar ihn begrüßte. »Ich bedarf der Wissenschaft meines Vaters. Die Engländer lieben es nicht, durch den Mund der Indunas zu reden, sondern sie senden ein Papier, welches dem Könige ihre Meinung ausdrücken soll.«
Seine Stirn war finster, als er so sprach, und seine Augen funkelten düster. Der Missionar sah, daß die seit sechs Wochen erwartete Antwort der Engländer auf den Vorschlag Tschetschwajos eingetroffen war, daß aber schon die Art der Überbringung den König zum Zorn gereizt hatte.
»Ich stehe dem Könige zu Diensten,« antwortete er. »Hat Humbati diesen Brief gebracht?«