»Humbati!« rief der König. »Wo ist Humbati? Wo ist der Vogel, der über die Ebene hinflog? Humbati ist nicht wiedergekommen, und mit ihm ist die Schar seiner Krieger verschwunden. Er ist ein Verräter, er, der das Ohr des Königs besaß, er, der die Geheimnisse meiner Brust kannte, denn ich trug ihn nahe meinem Herzen als meinen Freund und Bruder — Humbati ist zum Verräter an mir geworden.«
Der Missionar erinnerte sich des Blickes, mit dem Humbati der Verurteilung seines Bruders zugesehen hatte, und er verstand.
»Weiß der König gewiß, daß Humbati ein Verräter ist?« fragte er.
»Wenn er es nicht wäre, so wäre er zurückgekehrt,« entgegnete der König. »Die Engländer haben ihn nicht getötet, wenigstens nicht mit den Waffen, obwohl sie vielleicht sein Herz mit ihrem Golde vergiftet haben. Doch lies mir diesen Brief, den mein Bruder Sirajo mir gebracht hat. Englische Reiter haben ihn im Krale Sirajos abgegeben.«
Er nahm ein großes Schreiben aus dem Kästchen und reichte das Papier dem Missionar. Dieser las laut, indem er das Englische in die Zulusprache übersetzte:
»Im Dienste Ihrer Majestät der Königin. Der Generalgouverneur des Kaplandes und Oberkommissar für die Angelegenheiten der Eingeborenen, Sir Bartle Frere, an den König Tschetschwajo. Die Regierung Ihrer Majestät zeigt dem König Tschetschwajo den Empfang seiner Botschaft an, welche er durch den Leutnant im Dienste Ihrer Majestät, Lord Adolphus Fitzherbert, übersandt hat, und sie dankt dem König für die gute und ehrenvolle Behandlung, welche er dem britischen Offizier hat zu teil werden lassen.«
Die Stirn des Königs heiterte sich bei diesen Worten etwas auf, und er tauschte einen Blick der Befriedigung mit seinem Bruder aus.
»Zugleich dankt Sir Bartle Frere für den Ausdruck der guten und freundschaftlichen Gesinnung des Königs gegenüber den britischen Besitzungen und spricht die Hoffnung aus, daß diese friedliche Gesinnung sich auch in der That bewähren möge, damit immer ein gutes nachbarliches Verhältnis zwischen dem Zululande und Natal bestehen könne. Dieser Beweis durch die That ermangelt bisher noch, denn gerade in der letzten Zeit sind mehrfache Grenzverletzungen von seiten der Unterthanen des Königs vorgekommen.«
»Wie?« rief der König drohend. »Doch lies weiter!«
»Zweimal sind bewaffnete Haufen durch den unteren Tugela und durch den Buffalo geschwommen und haben Vieh, welches diesseits weidete und den unter britischem Schutze stehenden Farmern gehörte, weggetrieben. Außerdem ist aber eine noch schwerere Grenzverletzung vorgekommen. Zwei Frauen aus dem Krale Sirajos .....«