Der Knabe errötete bei diesen Worten des Alten und blickte ihm erwartungsvoll fest ins Auge.
»Diese Zulus gefallen mir nicht,« fuhr der Baas fort. »Ich würde gern jemand mitschicken, der den Wagen des Herrn Missionars und die fremden Teufel begleitete. Denn ich möchte wohl sicher sein, daß sie auf guten Wegen bleiben und sich nicht etwa nach unsern Städten im Süden oder auch nach Osten, nach Lydenburg, hinschleichen und dort spionieren. Aber wir können keinen Mann entbehren. Deshalb habe ich daran gedacht, du solltest mitgehen. Ich werde mit deiner Mutter darüber reden. Du sollst den Herrn Missionar und seine Freunde begleiten und achtgeben. Merkst du, daß die Sache nicht richtig ist und daß die Zulus sich nach Lydenburg hin wenden oder gar in der Richtung auf Pretoria oder daß sie bei andern Gemeinden herumlauern, so schießt du sie nieder. Verstehst du mich?«
»Jawohl, Baas,« antwortete Pieter Maritz, dem das Herz von Stolz schwoll.
»Du wirst gut aufpassen, und du wirst zu Pferde sein,« fuhr der Älteste fort. »Das ist ein wichtiger und schwieriger Auftrag für deine jungen Jahre, also nimm dich zusammen. Wie und wann du zu uns wieder zurückkehrst, das ist deine Sorge. Knöpfe deine Augen und Ohren also hübsch auf, mein Junge. Warst ja soeben auch schnell bei der Hand, als du den Herrn Missionar herbeiholtest.«
Als Baas van der Goot so gesprochen hatte, ging er mit dem Knaben in den Lagerkreis zurück. Hier herrschte jetzt reges Leben, die Männer sahen nach ihren Waffen und Pferden, Frauen und Mädchen beschäftigten sich mit ihren Haushaltungen, saßen bei den Wagen, wuschen, nähten, melkten die Kühe und bereiteten das Frühstück für die Familien vor, die schwarzen Diener hockten um die Feuer und aßen Maisbrei aus dampfenden Töpfen. Über das alles goß eine hellstrahlende Sonne ihren blendenden Schein aus. Besondere Thätigkeit aber herrschte bei dem Wagen des Missionars. Seine drei schwarzen Diener, Jan, Kobus und Christian, banden die Seile los, mit denen die Hinterbeine der Ochsen zusammengebunden waren und trieben unter lautem Rufen die langhörnigen Tiere in eine Reihe zusammen. Sie hatten zolldicke Ochsenziemer von Rhinozeroshaut, die schrecklichen Sjambocks, in ihren schwarzen Fäusten, und laut schallend fielen die Hiebe, lange Streifen ziehend, auf das Fell der Ochsen. Paarweise ordneten sie die Tiere und schrieen dabei ein jedes mit seinem Namen an; denn alle vierundzwanzig Zugochsen, die zu diesem Wagen gehörten, hatten ihren eigenen Namen, den sie gut kannten. Dann schirrten sie sie paarweise an, indem sie sie an das lange, vorn an der Deichsel befestigte Zugseil heranstellten, welches aus vielen Riemen zusammengeflochten und mit den nötigen Jochhölzern versehen war, die den Tieren auf den Nacken gelegt wurden. Jedes Paar hatte sein bestimmtes Jochholz, einen schweren starken Ast, und wurde an demselben befestigt, indem ein viereckiges Gestell den Hals umfaßte und zugleich das Jochholz mit Stricken an den Hörnern festgebunden wurde.
Während dieser Zurüstungen stand der Missionar im Gespräch mit den beiden Zulus in der Nähe des Wagens. Sie unterredeten sich in der Bantusprache, welche sowohl die Schwarzen als der Missionar verstanden. Dieser kannte, seit langen Jahren in seinem schweren Berufe thätig und vielgewandert, viele Sprachen der schwarzen Völker. Bei dieser Unterredung aber fielen einige Bemerkungen, welche zeigten, daß der Argwohn des Baas van der Goot hinsichtlich der beiden Fremden nicht so ganz unbegründet war.
»Die Buern lieben es nicht, den Ton der englischen Sprache zu hören,« sagte der ältere von ihnen. »Die Engländer aber sind die Feinde der Zulus. Warum wollen nun die Buern die Zulus töten? Haben sie nicht dieselben Feinde wie wir?«
Der Missionar ward durch diese Worte unangenehm betroffen und sah dem Schwarzen prüfend ins Gesicht. Diese Leute hatten, seitdem er mit ihnen zusammen war, noch niemals über solche Dinge gesprochen, sondern nur nach den Lehren der christlichen Religion gefragt. Es schien ihm so, als habe die Aufregung der letzten Stunde und die drohende Todesgefahr ihren Mund gegen ihren Willen aufgeschlossen.
»Die Buern sind Christen gleich den Engländern,« entgegnete er, »und beide Völker sind nicht die Feinde der Zulus, sondern möchten sie glücklich machen, indem sie ihnen die Wahrheit über den großen Gott lehren, der alle Dinge erschaffen hat.«
Über das Antlitz des Zulu glitt ein Lächeln, und er verneigte sich höflich. »Mein Vater redet gewiß die Wahrheit,« sagte er, »aber er hat lange Zeit in einsamer Gegend gewohnt und weiß vielleicht nicht, was an den Grenzen vorgeht. So wissen auch diese Buern es vielleicht nicht, denn sonst würden sie ihre Schießgewehre nicht gegen die Gesandten Tschetschwajos erhoben haben.«