»Ich bekümmere mich nicht um Krieg und Handel,« sagte der Missionar ausweichend. »Ich bin ein Lehrer der frohen Botschaft, welche allen Menschen Frieden verkündigt.«

Der jüngere der Zulus mischte sich jetzt in das Gespräch, um ihm eine andere Wendung zu geben. »Tschetschwajo ist sehr stark,« sagte er. »Er ist der mächtige Elefant, der König der Könige, der König des Himmels. Er wird unserm Vater sehr dankbar sein, wenn er vernimmt, was er für uns gethan hat. Wird unser Vater uns erlauben, ihn ferner zu begleiten? Humbati und Molihabantschi können nicht sicher sein in diesen Landstrichen. Haben sie heute ihr Leben gerettet, so werden sie es morgen verlieren, denn die Buern streifen überall umher und werden sie sicherlich töten.«

»Es wäre mir lieber, ihr ginget euern eigenen Weg,« erwiderte der Missionar. »Seht zu, daß ihr so bald als möglich nach Hause kommt. Ihr seht, wie gefährlich es für euch ist, mit den Buern zusammenzutreffen, und ich bin nicht gewiß, euch immer beschützen zu können.«

Auf den Gesichtern der Zulus drückte sich Bestürzung aus. Sie sahen einander an und schwiegen eine Weile. Dann wandte sich der ältere von den beiden, Humbati, mit einer tiefen Verbeugung wieder an den Missionar und sagte mit demütigem, aber zugleich hofmännischem Wesen: »Mein Vater ist sehr mächtig und sehr gütig. Er wird seine Wohlthat nicht unvollendet lassen wollen. Die Gesandten des großen Königs werden die Güte des christlichen Lehrers zu preisen wissen, und sie werden des Königs Ohr offen finden. Tschetschwajo wird es den Missionaren in seinem Lande entgelten lassen, was unser Vater Gutes thut. Unser Vater möge uns erlauben, unter seinem Schutze weiterzureisen. Wir werden uns in dem rollenden Hause verborgen halten, wenn wir andern Weißen begegnen, oder wir werden unsers Vaters Sklaven sein auf der Reise.«

Der Missionar war unschlüssig, was er antworten sollte, da er ebensowohl wünschte, den Fremden seinen fernern Schutz zu gewähren, als auch fürchtete, in politische Händel verwickelt zu werden. Da näherten sich Baas van der Goot und Pieter Maritz. Der Knabe war mit Patronengurt und Hirschfänger ausgerüstet, trug die Büchse auf dem Rücken und führte Jager gesattelt neben sich her.

»Mein Freund,« sagte der Baas zu dem Missionar, »Ihr seid ein bejahrter Mann, und die schwarzen Schlingel, die Ihr zu Eurer Bedienung und Gesellschaft habt, werden Euch auf der Reise viel Sorge machen, da Ihr allein seid. Ich gebe Euch deshalb diesen jungen Menschen zur Hilfe mit. Er wird ein Auge auf die Schepsels haben und Euch zur Hand sein, wenn Ihr seiner Hilfe bedürfen solltet.«

Der Missionar sah nachdenklich vor sich hin und betrachtete dann den Knaben. Er fühlte die Bedeutung der Worte des Baas und merkte dessen Mißtrauen. Das entschied ihn, die bedrohten Zulumänner in seiner Begleitung zu behalten. Das Aussehen des Knaben gefiel ihm. Er hatte sich darüber gefreut, daß dieser ihn geweckt und herbeigeholt hatte, und war mit der Wahl dieser Begleitung zufrieden.

»Es ist gut,« sagte er, »ich danke Euch für Euere Sorglichkeit um mein Wohl.«

Der Baas ging und der Missionar reichte dem Knaben die Hand. »Wir wollen gute Freunde sein auf unserm Wege,« sagte er lächelnd. Der Knabe zog den Hut und küßte dem ehrwürdigen Geistlichen, dessen freundliches Antlitz ihm Ehrerbietung und Liebe einflößte, die braune, runzlige Hand. Dann schwang er sich in den Sattel und richtete seinen Blick aufmerksam auf die Vorbereitungen zur Abreise und besonders auf die beiden Zulus, welche in vornehmer Ruhe unbeweglich neben dem Wagen standen.

Die Ochsen waren jetzt sämtlich vorgespannt und bildeten, da ihrer zwölf Paare voreinander standen, eine sehr lange Reihe. Doch sah ihre Anschirrung noch sehr unordentlich aus, denn das Zugseil, an welchem sie alle ziehen sollten, lag manchen Tieren auf dem Rücken, bei manchen aber lag es wiederum zwischen dem Gespann am Boden. Es gab keinen gemeinsamen Zügel, sondern die farbigen Diener mußten neben den Tieren gehen und sie mit Peitschen lenken, einer von ihnen saß auf der Vorderkiste des Wagens, um die Hinterochsen anzutreiben. Diesen Platz hatte Kobus eingenommen, und als er sah, daß alle Tiere am Jochholz fest waren, schrie er mit gellender Stimme: »Treck!« Sämtliche Ochsen verstanden den Ruf und legten sich mit den Stirnen ins Geschirr, das harte Seil streifte über ihre Rücken fort, riß einen und den andern herum, der nicht in der rechten Richtung anzog, und setzte die gewaltige Maschine in Bewegung. Der Wagen war wohl vierzehn Fuß lang, vier Fuß breit, schwer aus mächtigem Holze erbaut, mit riesigen, dicken, eisenbeschlagenen Rädern, und glich mit seinem rund gespannten Leinwandzelt in der That einem rollenden Hause, wie der Zulu ihn genannt hatte.