»Du schickst mich und meinen jungen Freund fort,« erwiderte er, »und ich danke dir für deine Güte. Aber denke nicht, daß ich gern von dir gehe, während ich mir doch sagen muß, daß ich dir keinen Vorteil gebracht und deine Freundlichkeit mit nichts vergolten habe. Glaube mir, König Tschetschwajo, ich würde glücklich sein, ferner an deinem Hofe weilen zu können, wenn ich hoffen dürfte, dir dasjenige geben zu dürfen, was meinen ganzen Reichtum ausmacht.«

»Wovon redet mein Vater?« fragte Tschetschwajo.

»Du weißt, daß das Gold sehr kostbar ist,« sagte der Missionar, »aber Gold habe ich nicht zu geben. Du weißt, daß das Vieh kostbarer ist als Gold, aber Tschetschwajo hat selbst unzählige Herden Vieh. Du weißt, daß das Eisen kostbarer ist als Gold und Vieh, denn mit dem Eisen sind Gold und Vieh zu erringen. Von alledem rede ich nicht, denn ich bin in diesen Dingen arm, du aber bist ein reicher und mächtiger König. Aber ich rede von etwas anderm, was noch kostbarer ist als das Eisen: es ist die Weisheit. Sie lenkt das Eisen, und sie lenkt alle Dinge. Denn ohne Weisheit schadet aller Reichtum und alle Macht, die Weisheit aber giebt uns alles.«

»Du redest von dem Christentum,« sagte der König. »Du möchtest, daß ich und mein Volk die Waffen ablegten und den unsichtbaren Gott verehrten?«

»Ich habe kaum noch den Mut, vom Christentum zu reden,« entgegnete der Missionar. »Denn ich weiß ja, daß der König keine Zeit dazu hat, an seine Seele zu denken. Aber ich möchte davon reden, daß du Krieg führen willst, und hinsichtlich dieser Angelegenheit möchte ich dir einen Rat geben.«

»Ich wollte Krieg führen?« rief Tschetschwajo. »Du irrst dich. Die Engländer sind es, welche Krieg führen wollen. Sie haben mich mit Waffen umstellt, wie die Jäger den Elefanten umringen. An allen Punkten meiner Grenze haben sie feste Krale erbaut und große Schießgewehre hineingestellt, welche sie auf Rädern fahren. Sie haben nach dem Untergange der Sonne wie nach Mittag hin bewaffnete Krieger versammelt. Sie haben die Buern, die in ihren Besitzungen wohnen, zu Pferde steigen lassen, und viele Hüte zeigen sich zwischen den weißen Helmen. Sie haben unter meinen Nachbarn, den Swazis, Regimenter gebildet. Ja, sie haben mein eigenes Volk in Natal, das Volk, welches unter meinem Scepter stehen müßte — denn es sind Zulus —, das haben sie gegen mich bewaffnet, und zehntausend Krieger von schwarzer Farbe stehen gegen mich unter dem Gewehre. Sage deshalb nicht, daß ich Krieg führen will, sondern sage, daß ich Krieg führen muß. Oder was soll ich thun?«

»Du weißt,« sagte der Missionar, »daß der König groß ist, welcher es ertragen kann, daß seine Freunde ihm sagen, was er nicht gern hört. Denn ein König ist sehr stark, und er kann, wenn er will, die Männer töten, welche ihm etwas Unangenehmes sagen. Hört er sie deshalb ruhig an, so zeigt er, daß seine Weisheit noch größer ist als seine Kraft.«

»Du hast recht,« sagte der König, »aber mein Vater hat schon erfahren, daß Tschetschwajo es ertragen kann, daß die Füße weiser Männer seinen Nacken treten.«

»Nun denn, so will ich frei reden. Deine Armee ist groß und stark und tapfer, o König, aber ich sage dir, du kannst den Kampf mit den Engländern nicht aufnehmen.«

»Oho!« rief der König und sprang von seinem Sitze auf.