»Die Engländer sind zu stark für dich,« fuhr der Missionar unerschrocken fort. »Du kennst ihre Macht nicht. Sie umspannen die ganze Erde und alle Meere mit ihren Kriegern und Schiffen. Bedenke nur, daß sie jetzt, während sie gegen dich den Krieg rüsten, auch noch in einem andern Lande, viele hundert Meilen von hier, Krieg führen. Man nennt jenes Land Afghanistan, und die Menschen sind dort weder weiß noch schwarz, sondern bräunlich. Der englische Induna hat mir davon erzählt. Vielleicht kannst du sie zu Anfang besiegen, denn du bist ein mächtiger König, aber es wird dir das nichts helfen, denn für jeden Engländer, den du tötest, kommen zwei andere über das Meer. Du wirst zuletzt deine Herrschaft verlieren.«

Der König blickte düster vor sich nieder. »Was soll ich thun nach deinem Rat?« fragte er.

»Der Generalgouverneur hat dir geschrieben ....«

»Ha!« rief der König, »rede mir nicht von jenem Briefe! Wenn ich daran denke, wird mein Herz rot wie Blut.«

»Die Engländer haben zu viel verlangt,« fuhr der Missionar fort. »Du könntest ihnen die Hälfte von dem geben, was sie verlangen, und sie wären zufrieden.«

»Was soll ich ihnen geben?«

»Wenn der König einen seiner Brüder zu den Engländern senden wollte und mich in dessen Begleitung, damit ich die Reden mitteilte, so würde sich vielleicht der Friede aufrecht erhalten lassen. Der König möge versprechen, die Garnisonen von der Grenze zurückzuziehen und die Armee zu vermindern, dann würden die Engländer beruhigt sein. Für das Land aber wäre dies von Vorteil, denn das Waffentragen macht arm, der Ackerbau aber reich.«

Der König lächelte bitter.

»Du hast mir einmal gesagt, der Mensch habe eine Seele in sich, welche nach dem Tode weiterlebte,« sagte er. »Wenn ich nun tot bin und meine Seele lebt und sie begegnet der Seele Pandas, meines Vaters, was soll sie antworten, wenn Panda sie fragt, was aus dem Zulureiche geworden ist? Nein, es gilt jetzt zu kämpfen! Ich werde mit meinen Kriegern den Engländern entgegengehen, und dann will ich siegen und mächtig sein oder untergehen wie ein König. Geh, verlasse mich, nimm deinen Freund, deine Diener und deine Ochsen mit dir und ziehe heim, ehe die Waffen klirren. Versuche nicht länger, das Herz des Königs zu schmelzen.«

»So lebe denn wohl, und der allmächtige Gott möge mit dir sein!« rief der Missionar, indem er feierlich seine Hände erhob. Noch einen Blick warf er auf die mächtige Gestalt des schwarzen Königs, den er im Geiste als dem Verderben geweiht erkannte, dann wandte er sich und ging.