»Was fällt dem jungen Menschen ein?« rief der Oberst, indem er die andern Offiziere ansah, als wollte er sie zu Zeugen einer unerhörten Handlung anrufen. »Der Aufenthalt bei den Niggers hat ihm den Kopf verdreht. Aber wir wollen ihn wieder zurechtsetzen. Besinnen Sie sich, vor wem Sie stehen, Sie hartköpfiger Buer. Sie sind ein Unterthan der Königin von England und stehen vor einem ihrer Vertreter.«
»Ich bin nicht der Unterthan der Königin,« entgegnete Pieter Maritz trotzig, »und Sie haben mir nichts zu befehlen. Ich bin kein Einwohner von Natal, sondern aus dem Gebiete der Südafrikanischen Republik gebürtig.«
»Ein toller Bursche!« rief der Oberst. »O über diese Buern! Sie sind so dickköpfig wie ihre Ochsen. Nun, wir wollen euch schon kriegen. Sie sind mir sehr verdächtig, mein Freund. — Mein lieber Thomson,« sagte er dann, zu dem jüngsten der Offiziere gewandt, »seien Sie so gut, diesen Burschen einstecken zu lassen. Er soll hinter Schloß und Riegel sitzen, bis er weiß, wer sein Souverän ist.«
Pieter Maritz stand wie versteinert. So schlecht hatten ihn ja die Zulus und die Räuber in den Drakensbergen nicht behandelt. Er sollte eingesteckt werden? Einen langen vorwurfsvollen Blick heftete er auf den Obersten, der sein Urteil gesprochen hatte, und lähmende Müdigkeit legte sich auf ihn. Jetzt erst fühlte er, wie steif seine Beine und wie zerschlagen sein ganzer Körper von dem langen Ritte waren. Aber der Oberst bekümmerte sich ferner nicht um ihn, sondern sah auf die vor ihm liegende Karte und besprach sich mit den andern Offizieren. Es schien ihm gar nichts auszumachen, daß er einen freien Buernsohn zum Gefängnis verurteilt hatte.
Währenddessen war der Offizier hinausgegangen, und gleich darauf trat er wieder mit einem Unteroffizier herein. »Hier, dieser junge Mensch ist es,« sagte er, auf Pieter Maritz deutend.
Der Unteroffizier faßte Pieter Maritz hart am Arm und griff nach der Büchse, welche dieser auf dem Rücken trug. Diese Berührung erweckte Pieter Maritz aus seinem starren Dastehen. Er wollte sich losmachen und rief laut: »Laßt mich frei! das Gewehr ist mein!«
Der Oberst runzelte die Brauen. »Machen Sie, daß Sie den Burschen hinausbringen,« sagte er zu dem Unteroffizier.
Dieser griff fester zu, und indem er den Knaben mit sich zog, verschob sich der Lederriemen, an welchem der Ring Tschetschwajos hing, und das glänzende Schmuckstück kam aus der Bluse hervor, unter welcher es gesteckt hatte.
»Was ist denn das für ein sonderbares Ding?« fragte Leutnant Thomson, der in der Nähe stand, indem er nach dem Ringe griff. Auch die andern Offiziere wurden aufmerksam, und der Unteroffizier nahm dem Knaben den Riemen ab und zeigte den Ring umher.
»Was bedeutet dieser seltsame Ring?« fragte Oberst Wood.