Pieter Maritz sah im Geiste noch den Marsch der Zulutruppen vor sich, und so erschien ihm das kleine englische Heer, welches kaum dreitausend Mann stark war, ganz fremdartig. Wie schwer, breitschulterig, wuchtig und stampfend waren diese Soldaten der Königin von England im Vergleich mit den langen schmalen leichten Zulus, die gleichsam über den Boden hinschwebten. Und welch ein Gepäck! Welche Masse von Fleisch, welche Tonnen voll Branntwein! Welche Menge von Uniformstücken, von Mänteln und Stiefeln! Die Zulus aßen im Manöver nur einmal in vierundzwanzig Stunden oder auch wohl gar nicht und schnürten dafür ihren Gürtel etwas fester. Für jeden Wagen der Engländer ein behender nackter Träger mit einem Korbe auf dem Kopfe, und zehntausend Zulus waren für mehrere Tage mit Kafferkorn versehen. Ihr Getränk aber lieferten die Bäche und Flüsse.

Pieter Maritz hatte dem langen Zuge fast atemlos in höchster Spannung zugeschaut, denn das kriegerische Schauspiel nahm seine Sinne ganz gefangen. Als aber der letzte Wagen im gewaltigen Staube der Straße verschwand, da seufzte er tief.

Sollte er nun allein zurückbleiben und für immer im Gefängnis sitzen? Er besann sich darauf, daß er ja nichts mit dem Kriege der Engländer zu schaffen habe, gleichwohl hatte er ein Gefühl, als sei sein halbes Herz mit fortgenommen. Er hätte es natürlich gefunden, mitzureiten. Der Anblick der vielen Buern bei der Kolonne des Obersten Wood bewegte ihm das Gemüt. Zwar waren unter den Kämpfern keine von den Transvaalbuern, sondern nur unter den Wagenführern, wie ihm der alte Gefangenwärter erzählt hatte, aber die Buern aus Natal waren doch auch Landsleute, wenigstens von verwandtem Blute, wenn auch nicht freie Bürger. Tief betrübt und mit seltsam geteilter Empfindung saß Pieter Maritz auf seiner Matratze.

Doch jetzt rasselte das Schlüsselbund. Der alte Gefangenwärter trat herein.

»Du kommst los, Neffe,« sagte er. »Oberst Wood hat befohlen, daß du zum Oberbefehlshaber, General Lord Chelmsford, gebracht werden sollst. Eine Patrouille geht zum General nach Helpmakaar, um ihm zu melden, daß der Oberst nach Lüneburg abmarschiert ist; und diese Patrouille soll dich mitnehmen. Mach rasch, dein Pferd wird gesattelt, deine Büchse kannst du auch mitnehmen. Hier hast du noch ein gut Stuck Brot und Fleisch für den Weg.«

Pieter Maritz sprang voll Entzücken auf. War er auch seines Schicksals nicht gewiß, so kam er doch wenigstens aus dem engen Gefängnis heraus. Kräftig schüttelte er dem Alten die Hand.

»Ich danke auch, Oheim,« sagte er, »und ich wünsche Euch gute Gesundheit.«