[Achtzehntes Kapitel]
Die Schlacht von Isandula

Mit großer Wonne sah Pieter Maritz sein Pferd gesattelt vor der Thür stehen und ergriff er die Büchse. Ein Unteroffizier von der englischen leichten Kavallerie mit vier Mann erschien, und diese Leute nahmen ihn in ihre Mitte. Einer von den Reitern trug eine Ledertasche umgehängt, in welcher sich wohl Briefe und Meldungen aus dem Hauptquartier des Obersten Wood für den Oberbefehlshaber und das Lager von Helpmakaar befinden mochten.

»Das Gewehr wollen wir Ihnen doch lieber abnehmen, es möchte Ihnen bei dem warmen Wetter auf der Schulter drücken,« sagte der Unteroffizier zu Pieter Maritz, als er ihn in Empfang nahm. Er schien eine Neigung für Scherz zu haben, und sein rotes Gesicht hatte viele Runzeln um die Augen, welche aussahen, als kämen sie vom Lachen.

Pieter Maritz gab die Büchse ab, und einer der Kavalleristen hing sie über die Schulter. Dann ging es fort nach Süden, auf der guten Straße, die von Utrecht in das britische Gebiet von Natal führte. Es war für Pieter Maritz ein vergnügter Ritt, denn obwohl er Arrestant war und sich einige Sorgen machte, sobald er sich überlegte, daß der Oberbefehlshaber ihn wohl auch wieder ausfragen und einstecken würde, so war es doch ein seliges Gefühl, aus dem Gefängnis entlassen zu sein und unter dem blauen Himmel dahinzureiten. Pieter Maritz dachte, daß es in der ganzen weiten Welt nichts Schöneres geben könnte, als das Gefühl, einen Sattel zwischen den Knieen zu haben. Einigemal überlegte er, daß er den englischen Kavalleristen schon einmal einen Streich gespielt habe, und daß es vielleicht nicht unmöglich sei, auch diesen Leuten, welche ihn jetzt bewachten, zu entwischen. Er guckte nach rechts und nach links und berechnete die Breite der Straßengräben und die Länge des Weges über die Grasflächen hin. Unter den englischen Pferden neben Jager war keines, das sich mit ihm messen konnte. Aber er gab den Gedanken an Flucht wieder auf, denn heute lagen die Verhältnisse anders als damals, wo er den Lord hinter sich her lockte. Zunächst hatte er seine Büchse nicht, und ohne Waffe wollte er nicht fort. Dann war rechts ein breiter schneller Fluß mit steilen Ufern, der Buffalo, und er würde schwerlich haben hinüberkommen können. Der Buffalo floß in starken Krümmungen, bald war er wohl eine Stunde weit entfernt, bald kam er der Straße näher, jedenfalls wäre er ein Hindernis auf der rechten Seite geworden, wo die Verfolger ihn vermutlich eingeholt hätten. Auf der linken Seite aber wäre er hinter der Kolonne des Obersten Wood hergeritten. Dort lagen Lüneburg und Potgieters Farm, und das Land ward von Reitern und schwarzen Irregulären durchstreift. Aber selbst wenn er durchschlüpfte, so sagte sich Pieter Maritz, würden die Engländer nach ihm suchen lassen, und er würde sich nirgends, auch nicht in seiner Gemeinde, blicken lassen dürfen. Er beschloß, ruhig seines Weges zu reiten und abzuwarten, was die Zukunft ihm bringen würde.

Inzwischen knüpfte der Unteroffizier, dem die Zeit lang werden mochte, ein Gespräch mit ihm an und fragte ihn, warum er Arrest habe. Pieter Maritz erzählte, daß der Oberst Wood böse auf ihn geworden sei, weil er nichts über die Zulus habe erzählen wollen und von der Südafrikanischen Republik gesprochen habe. Der Unteroffizier lachte laut und bot ihm seine Rumflasche an, die Pieter Maritz jedoch zurückwies. Der Unteroffizier trank darauf selber und sagte: »Nun, junger Herr Buer, da sind Sie ja ganz im Rechte. Ganz Afrika müßte der Südafrikanischen Republik gehören, und die Königin müßte Herrn Krüger, den Buernpräsidenten, heiraten. Dann könnte Tschetschwajo auf der Hochzeit tanzen.«

Über diesen Witz lachte der Unteroffizier selber, aber er lachte auch allein, denn Pieter Maritz war nicht geneigt, über die Südafrikanische Republik zu scherzen und machte sein ernstestes Gesicht.

»Den Buern geht es zu gut, deshalb mucken sie auf,« sagte der Unteroffizier nun, da es ihn verdroß, daß Pieter Maritz nichts antwortete. »Da sollte ich einmal Gouverneur sein, nur vier Wochen lang — dann sollte das Ding anders aussehen. Aber wartet nur, laßt uns erst den Niggerkönig eingefangen haben, dann geht's an die Buern. Tschetschwajo werden wir in einen eisernen Käfig sperren und nach England bringen, wo er zum Besten des Pensionsfonds der Armee für Sixpence Eintrittsgeld gezeigt wird. Nachher spielen wir der republikanischen Regierung in Pretoria ein Tänzchen auf.«

Pieter Maritz ritt schweigend seines Weges und achtete nicht auf solche Reden, die ihn ärgern sollten. Er unterhielt sich mit Betrachtung des Weges, der sehr belebt war. Viele Wagen und Reiter und Fußgänger begegneten der Patrouille, einige wurden auch von ihr überholt. Fast alle Leute zogen nordwärts. Denn dieser Weg war der Grenze des Zululandes sehr nahe und führte durch das Gebiet, welches Tschetschwajo schon mehrmals als ihm gehörig beansprucht hatte. Die Einwohner fürchteten einen Einfall der raschen schwarzen Banden und suchten sich, soweit sie sich von ihren Besitzungen zu trennen vermochten, in dem rückwärts liegenden Gebiet in Sicherheit zu bringen.

Am Abend wurde ein Übergang über den Buffalo erreicht, und hier lag eine Fähre, aber es war schon zu spät, um überzusetzen; etwa vier deutsche Meilen waren zurückgelegt worden, und so bestimmte der Unteroffizier, es sollte Halt gemacht werden. Die Patrouille übernachtete in einem der Häuser, welche nahe der Fährstelle lagen, und brach am andern Morgen wieder auf. Die Reiter führten ihre Pferde am Zügel auf das flache Schiff, welches außerdem noch eine Anzahl Schlachtochsen aufnehmen mußte, die für die Garnison von Helpmakaar bestimmt waren, und dann ging es hinüber auf das rechte Ufer. Immer nach Süden ging es darauf in flottem Gange weiter, mittags ward Fort Agnew erreicht und unter englischen Soldaten, der Besatzung des kleinen Forts, gegessen, und dann traf die Patrouille abends um sechs Uhr in Helpmakaar ein.

Aber der Oberbefehlshaber, General Lord Chelmsford, war nicht dort. Nur eine kleine Besatzung war im Orte geblieben, die Kolonne des Obersten Glyn aber, welche dort gelagert hatte, war nach Nordwesten aufgebrochen, und Lord Chelmsford hatte sie begleitet. Dem Berichte der Garnison nach war die Kolonne bei Rorkes Drift über den Buffalo gegangen und mußte jetzt im Zululande sein. Der Kommandant von Helpmakaar befahl dem Unteroffizier, die Nacht im Orte zu verbringen und am andern Morgen früh mit der Patrouille und dem Arrestanten dem Oberbefehlshaber gemäß dem Befehl des Obersten Wood zu folgen.