Pieter Maritz schlief neben seinem Pferde im Biwak bei dem Orte, inmitten von schwarzen Truppen und berittenen Freiwilligen aus der Buernschaft von Natal.
Der folgende Tag, der 22. Januar, war hell und warm, und als die Patrouille früh um fünf Uhr fortritt, war die Sonne schon drückend. Der Unteroffizier ließ Pieter Maritz seine Büchse wiedernehmen, da sie dem Kavalleristen, der sie bis jetzt getragen hatte, lästig war und da Pieter Maritz immerfort so gutwillig mitgeritten war, daß der Patrouillenführer nicht befürchtete, er würde einen Fluchtversuch machen.
Nach zweistündigem Ritt erreichten sie den Buffalofluß und gingen durch die Furt, welche Rorkes Drift genannt wird. Am andern Ufer, auf der Zuluseite, sahen sie, zehn Minuten zu gehen vom Flusse, zwei große, niedrige Häuser, vor welchen mehrere Ochsenwagen standen. Ein englischer Arzt war im Gespräche mit einem Manne in schwarzer Kleidung neben den Wagen, und schwarze Leute luden unter Aufsicht von englischen Lazarettgehilfen die Wagen ab. Auch englische Soldaten, welche die Wache an der Furt haben mochten, waren zu sehen. Die Patrouille näherte sich den Häusern, und der Unteroffizier erkundigte sich nach der Kolonne des Obersten Glyn und nach dem Lord Chelmsford. Es hieß, die Kolonne sei nicht weit, sie habe etwa drei englische Meilen weiter nach Nordwesten ein Lager aufgeschlagen. Der Unteroffizier ließ absteigen, und es wurde ein Frühstück eingenommen, wozu sich hier gute Gelegenheit bot. Hier war ein Kommissariat und ein Lazarett, so daß sie viele Vorräte aller Art fanden. Pieter Maritz hörte, daß der Herr in schwarzer Kleidung der Reverend Witt sei, Vorstand der Missionsstation Oscarsburg. Die Hütten seiner Gemeinde lagen auf der andern Seite des Flusses, auf der Natalseite, hier lagen seine Kirche und sein Wohnhaus; beide Gebäude waren von den Militärbehörden zu kriegerischen Zwecken hergerichtet.
Während Pieter nun ruhig neben seinem Pferde stand, ein Stück Pastete aß und sich über die vorsichtige Verpflegungsart der Engländer freute, welche eingemachte Pasteten in Blechbüchsen mit in den Krieg nahmen, blieb ihm mit einem Male der Bissen im Halse stecken vor Überraschung. Er sah in der Ferne zwischen zwei Kaktusbüschen einen schwarzen Kopf mit einem Haarbusch auftauchen, der ihm bekannt vorkam. Das Ufer war gebirgig, zerklüftet, voller Felsen und Felsschluchten. Leicht konnten findige Späher sich hier verstecken und unbemerkt heranschleichen. Der schwarze Kopf mit dem Haarbusch war gleich darauf wieder verschwunden, aber Pieter Maritz hätte darauf schwören wollen, daß es ein Haarbusch von einem der Regimenter des Prinzen Dabulamanzi gewesen sei. Der Busch war hoch und schwarz, mit einem weißen Stirnbande umwunden, er mußte dem Regiment der schwarzen Schilde angehören.
Pieter Maritz aß sein Frühstück schnell auf und sah nach den Gurten seines Pferdes. Er sattelte nach, prüfte Jagers Hufe und untersuchte seine Büchse.
»Es wird gut sein, sich ordentlich umzuschauen,« sagte er zu dem Unteroffizier. »Die Zulus sind flink auf den Beinen, und wir sind jetzt auf ihrem Boden.«
»Haha!« lachte der Unteroffizier. »Na,« sagte er dann, »ich bin noch da. Nur nicht ängstlich!«
Die Patrouille saß wieder auf, und die sechs Reiter setzten ihren Weg in der ihnen auf der Station bezeichneten Richtung fort. Sie ritten gemütlich in einem Haufen, und die Engländer unterhielten sich, während sie Cigarren rauchten, welche ihnen der Militärarzt gegeben hatte.
Nur Pieter Maritz hatte die Augen offen. Sorgfältig durchspähte er jeden Schlupfwinkel, den das unebene, hügelige Land bot, und das Herz klopfte ihm an die Rippen. Er war voll Spannung, denn er sagte sich, es sei sehr möglich, daß Zulutruppen in der Nähe seien.
Etwa eine Viertelstunde waren sie in langsamem Schritt geritten, da zog Pieter Maritz unwillkürlich die Zügel an. Er hatte drei Gestalten in der Ferne auftauchen sehen. Sie waren einen Gang hinabgelaufen und schnell verschwunden, aber deutlich hatte Pieter Maritz rote Federn auf den Köpfen und rote Schilde gesehen: es waren Krieger aus einem zweiten Regimente Dabulamanzis.