»Was haben Sie?« fragte der Unteroffizier, als Pieter Maritz sein Pferd anhielt.

»Mynheer, ich sehe Zulus in unserer linken Flanke,« entgegnete er.

»Zulus?« fragte der Unteroffizier. »Sie sehen wohl Gespenster. Ich sehe nichts. Die Zulus werden sich hüten, hier herumzulaufen. Aber Sie fangen wohl an, das Kanonenfieber zu bekommen.«

Pieter Maritz antwortete nicht, obwohl er sich ärgerte, und ritt weiter.

Wieder war eine Viertelstunde verflossen, da entdeckten seine durch die Jagd geübten und des afrikanischen Landes kundigen Augen eine neue Spur der nahen Gefahr. Aus dem Grase, welches ein kleines Thal zur linken Hand mit grünem Teppich überkleidete, sahen mehrere dunkle Punkte empor, und Pieter Maritz erkannte die eigentümliche Form dieser Punkte. Es waren die Mützen, welche vom Regiment des Königs getragen wurden. Dies war nun schon das dritte Regiment, welches zur Armee Dabulamanzis gehörte, und Pieter Maritz war von jetzt an überzeugt, daß eine große Zulumacht in der Nähe sei. Doch sagte er nichts mehr, um nicht von neuem verhöhnt zu werden.

»Gefunden!« rief jetzt der Unteroffizier. Er zeigte nach rechts hin, wo sich in einiger Entfernung eine Menge von hellen Flecken sehen ließen. Die weißen, spitzen Leinwandzelte der englischen Truppen hoben sich von der grünen Fläche eines Thales ab und zeigten den Lagerplatz an. Ein sehr hoher, einzelner, felsenartiger Berg stieg dunkel unweit des englischen Lagers empor. Sein Hang war auf der einen Seite jählings abfallend, und seine schroffe Gestalt mußte ihn auf viele Meilen in der Runde kenntlich machen. Es sah von dem Punkte aus, wo die Patrouille war, ganz so aus, als befinde sich das englische Lager am Fuße dieses Berges, als sie aber nun die bisherige Richtung verließ und nach rechts, nach Osten hin ritt, trennte sich nach und nach der Lagerplatz mit den Zelten von dem Berge ab, und es ward ersichtlich, daß der Berg wohl eine halbe deutsche Meile weit nördlich vom Lager seine hohe Spitze emporstreckte.

Das Land war hügelig, und die Engländer hatten an der tiefsten Stelle ihre Zelte aufgeschlagen, doch nicht etwa in einem engen Thalkessel, sondern inmitten einer Menge von sanften Höhen, welche wohl zu übersehen waren. Das Land glich einer Ebene, in welcher sich viele Bergwellen erhoben. Beim Näherkommen erkannte Pieter Maritz neben den Zeltreihen auch Wagenreihen. Es mochten mehr als hundert Wagen sein, welche in langen Linien aufgestellt waren, während die Zugochsen dicht daneben angebunden waren. Viele kleine Feuer brannten, und die Truppen schienen zu kochen. Der Unteroffizier sah nach seiner Uhr, als die Patrouille das Lager erreichte, und sagte: »Es ist um acht. Wer schon gefrühstückt hat, kann nun annehmen, er käme zum Mittagessen.«

Dann ritt er auf eine Gruppe von Offizieren zu, welche inmitten des Lagers zusammenstanden, und machte seine Meldung.

Pieter Maritz sah sich indessen um. Er bemerkte englische Truppen, Buerntruppen und außerdem viele Schwarze. Diese waren zum Teil Zulus, wie er an der dunklen Hautfarbe und der Haartracht sah. Sie mußten wohl zu den Zulus von Natal gehören, welche unter englischer Herrschaft standen. Sie waren nackt, aber mit Gewehren und Patronengürteln ausgestattet. Die andern Afrikaner waren Basutos, kaffeebraun, und trugen lange Reitstiefel und Blusen mit kreuzweise gehängtem Lederzeug, dazu Hüte wie die Buern. Im ganzen waren nicht viel Truppen zur Stelle, Pieter Maritz schätzte sie auf etwa sechzehnhundert Mann, von denen die Hälfte Afrikaner waren. Mehrere hundert davon waren Reiter, und deren Pferde waren an Kampierleinen seitwärts von den Zelten angebunden. Auch zwei Geschütze sah Pieter Maritz und daneben zwei sonderbare Gestelle, welche ihm fremd waren. Er fragte einen der Leute von der Patrouille, was das für Dinger seien, und erfuhr, es seien Raketengeschütze, aus denen brennende Cylinder abgefeuert würden; in den Cylindern von Eisenblech sei Pulver und eine Kugel.

Jetzt kam der Unteroffizier zurück und befahl Pieter Maritz, zum Kommandanten des Lagers, Oberstleutnant Pulleine, zu kommen. Pieter Maritz stieg vom Pferde, gab Jager einem der Kavalleristen zu halten und ging auf den Kreis der Offiziere zu. Neben zwei älteren Offizieren standen mehrere jüngere, in verschiedenen Uniformen, von der Kavallerie, Infanterie, der Artillerie und den Ingenieuren.