Der Kellner verbeugte sich sehr demütig von neuem und sagte, er wolle zusehen, ob es möglich sei; er hoffe, den General zufrieden stellen zu können.

»Nun,« sagte Herr Joubert, »Sie werden es einrichten, ich verlasse mich darauf. Auf Wiedersehen, Pieter Maritz!«

Er ritt davon, und Pieter Maritz stieg ab. Der Kellner rief einen Knecht herbei und trug diesem auf, das Pferd in den Stall zu führen, während er den Buernsohn bat, ihm in das Haus zu folgen. Aber Pieter Maritz nahm Jager am Zügel und sagte, er pflege das Pferd selbst abzusatteln. In Wahrheit traute er dem schönen Hause nicht recht. Es ging hier so ganz anders zu, als er es kannte, daß er nicht gewiß war, ob hier die Pferde auch wohl einen richtigen Stall und richtigen Hafer bekämen. So sorgte er denn selbst für Jager.

Außerordentlich schön kam ihm seine Kammer mit dem sauberen Bett, dem Teppich, dem Schrank und der übrigen Einrichtung vor. Nur machte ihm jetzt seine Neukleidung Sorge, und er wandte sich deshalb um Rat an den Kellner.

Der Kellner gab ihm Auskunft und machte sich, als er die Unerfahrenheit des jugendlichen Gastes bemerkte, selbst mit auf den Weg. Zunächst führte er Pieter Maritz zu einem Friseur. Dieser beschnitt die langen blonden Locken, so daß sie nur noch bis auf den Kragen fielen, denn vorher waren sie bis auf die Schultern herabgewallt, und kämmte und bürstete sie, so daß sie wie Gold glänzten. Auch wusch er das Haar mit wohlriechendem Wasser so daß Pieter Maritz nicht wußte, ob er über solche Späße lachen oder böse werden sollte. Hier wechselte er eine seiner Banknoten, indem er bezahlte.

Dann führte ihn der Kellner zum Kleidermagazin und riet ihm, sich einen Frack, schwarze Beinkleider, weiße Weste und weißes Halstuch zu kaufen. Aber Pieter Maritz ließ sich, obwohl ihm die Klugheit des Kellners und das städtische Wesen von Pretoria sehr imponierten, doch auf solche Dinge nicht ein. Als echter Buernsohn konnte er sich von dem althergebrachten Kostüm des Buern nicht befreien. Er wählte eine dunkelblaue Bluse mit vielen Taschen, ein schwarzes seidenes Halstuch und ein Beinkleid von Wildleder, welches in die Stiefeln zu stecken war. Dazu kaufte er in einem Wäschegeschäft zwei starke leinene Hemden mit breiten Umklappkragen und mehrere Paar Strümpfe. Hierauf ging es in ein Schuhmagazin, und er suchte sich ein Paar Reiterstiefeln mit weichen Schäften aus, die bis über die Kniee gingen. Endlich kaufte er in einem Hutladen einen braunen Filzhut mit handbreiter Krempe. Alles Gekaufte lud er selber auf den Arm und kehrte damit in das Hotel zurück. Dort spülte er in einem warmen Bade den Staub der Reise ab und kleidete sich dann neu. In seiner Kammer hing ein Spiegel, der wiederum ein für ihn ganz neuer Gegenstand war, und als er sich nun, frisch gewaschen und frisiert, mit dem reinen Hemdkragen im Spiegel sah, errötete er und war verlegen über das Seltsame dieses Anblicks.

Mittlerweile war es gegen acht Uhr geworden, wie sein an den Anblick des Himmels und die Beleuchtung der Erde gewöhnter Blick ihm sagte, er gürtete den Hirschfänger und den Patronengurt um und ergriff die Büchse, um zum Schatzsekretär zu gehen. Der freundliche Kellner, dem er zum Lohne für seine Hilfe zwei Schilling geschenkt hatte, wollte ihn hinführen.

Das Haus des Schatzsekretärs lag nur etwa zehn Minuten zu gehen vom Hotel entfernt, und der Kellner kehrte an der Hausthür um. In demselben Augenblick fuhr ein Wagen vor dem hell erleuchteten Hause vor, einer jener Wagen, wie sie Pieter Maritz nur in diesem südlichen Teile Transvaals in den Städten gesehen hatte: nicht von Ochsen gezogen, sondern von zwei Pferden, nicht mit Leinenverdeck, sondern von lackiertem Leder und mit Glasfenstern, ein zierliches schnelles Gefährt. Aus diesem Wagen stieg, als ein prachtvoll in Braun und Silber gekleideter Mann aus des Schatzsekretärs Hause den Schlag geöffnet hatte, ein Herr, der so gekleidet war wie die Kellner in dem Hotel, und hob ein junges Frauenzimmer heraus, welches ein langes blauseidenes Schleppkleid trug, ein schwarzes Mäntelchen und Blumen in dem braunen Haar.

Erschrocken flüchtete Pieter Maritz in das Haus und ward hier von zwei andern in Braun und Silber gekleideten Männern empfangen, die ihn höflich fragten, was er wünsche. Er sagte, daß er zum Abendessen geladen sei, aber die schön gekleideten Männer sahen ihn zweifelhaft an, schüttelten den Kopf, und einer von ihnen ging davon. Während Pieter Maritz aber nun betroffen auf dem Flur stand und sich in dem glänzenden Raum verlegen umsah, kam der ihm bekannte Herr aus einer Thür und begrüßte ihn lachend.

»Meine Diener fürchten sich vor Ihren Waffen,« sagte er zu Pieter Maritz. »Bitte, legen Sie ab und treten Sie näher.«