Die Diener nahmen ihm nun Büchse und Hirschfänger, sowie den schweren Patronengurt ab, und der Herr führte ihn am Arme in das Zimmer. Pieter Maritz ging stumm und starr neben seinem Führer. Das Zimmer war blendend hell erleuchtet, und Spiegel von Mannshöhe warfen das Licht zurück. Aber es ging noch weiter, durch das Zimmer hindurch in ein großes Gemach. Pieter Maritz drängte sich hier beim Eintreten ängstlich an seinen Führer an. Er sah vor sich eine Gesellschaft von wohl zwanzig Personen, Männern und Frauen. Die Männer waren alle wie die Kellner im Hotel gekleidet und hatten seltsame schwarze Scheiben in den Händen oder unter dem Arm. Die Frauen aber sahen so aus, daß Pieter Maritz, der gewohnt war, den Löwen und den Zulus unerschrocken ins Antlitz zu sehen, den Boden unter seinen Füßen wanken fühlte. Sie waren in langen, hellen, seidenen Gewändern gleich dem jungen Mädchen aus dem Wagen, und diese Gewänder erschienen ihm wunderbar schön. Sie hatten funkelnde Steine und Ketten gleich den vornehmsten Indunas in Ulundi um den Hals und um die Arme und zum Teil auch Blumen in ihrem Haar, das fast so künstlich frisiert wie bei den Zulus, aber an Farbe viel schöner war. Dazu hatten sie, was Pieter Maritz' Verwirrung vollendete, nackte Schultern und nackten Hals, und der Schimmer der weißen Haut war ihm, der nur glänzende schwarze Haut zu sehen gewohnt war, höchst seltsam und erschreckend. Hätte ihn sein Wirt nicht am Arme gehalten, so wäre er jetzt sachte davongeschlichen.

Aber er war der Mittelpunkt aller Blicke und ward festgehalten.

»Meine Herrschaften,« sagte der Staatssekretär mit lauter Stimme, »ich habe die Ehre, Ihnen hier einen der interessantesten Leute in Südafrika vorzustellen, Herrn Pieter Maritz Buurman, aus unserm nördlichen Gebiet stammend, der ein Jahr lang am Hofe des Zulukönigs gelebt hat und soeben vom Schlachtfelde von Isandula kommt.«

Ein allgemeiner Ruf der Verwunderung ging durch das große schöne Gemach, und Herren und Damen schritten mit freundlichen Grüßen und Worten auf ihn zu. Pieter Maritz wünschte, daß die Erde sich unter ihm öffnen und ihn verschlingen möge. Er biß die Zähne zusammen, ward blutrot und starrte auf den bunten Teppich zu seinen Füßen. Seine Hände zuckten, und er wußte nicht, wo er damit bleiben sollte, weil er die Büchse nicht fühlte. Es fiel ihm ein, als er an aller Händen weiße oder hellfarbige Handschuhe sah, daß seine Hände braun und rauh wie die eines Basuto waren.

»Ein wunderhübscher Junge,« hörte er eine der Damen flüstern.

Jetzt traten auch der Herr und die junge Dame herein, welche er schon vor der Hausthür gesehen hatte. Die junge Dame hatte ihr schwarzes Mäntelchen abgelegt und glich nun im Anzuge völlig den andern. Sie hatte Haar von der Farbe der Kastanien, und es ringelte sich bis zum Halse herab, ein paar rote Rosenknospen steckten über dem linken Ohre, und eine feine goldene Kette mit blauem Herzen schlang sich ihr um den weißen Hals. Die Begrüßung dieser neuen Gäste zerstreute die Menge etwas, und es gelang Pieter Maritz, hinter ein künstliches Gebüsch von blühenden Oleandern zu schlüpfen, von wo aus er die Gesellschaft und das Gemach betrachtete. Von der Mitte der Decke hing ein vergoldetes, kunstvolles Gestell herab, an welchem viele Kerzen steckten, so daß es taghell war. Die Stühle waren mit roter Seide überzogen, die Vorhänge vor den Fenstern waren aus zartem Spitzengewebe.

Doch nicht lange sollte er Ruhe haben. Kaum eine halbe Minute lang blieb er unentdeckt. Eine große Dame, die etwa so alt wie seine Mutter sein konnte und die einen prachtvollen Schmuck von gelben und violetten Steinen trug, kam in Begleitung eines älteren Herrn auf ihn zu, faßte ihn an der Hand und zog ihn wieder vor. Sie schleppte ihn in die Mitte der Gesellschaft unter den Kronleuchter und fragte ihn in einem Atem nach wohl zwanzig Dingen. Vor allem sollte er erzählen, wie viele Frauen der König Tschetschwajo habe.

Pieter Maritz sagte, es möchten alles in allem wohl sechshundert sein.

»Sechshundert Frauen!« rief die Dame laut. »Meine Herren, welch ein Mann!«

Pieter Maritz mußte viel von Tschetschwajo erzählen. Der schwarze König schien durch seinen Sieg über die Engländer eine gefeierte Persönlichkeit in Pretoria geworden zu sein. Pieter Maritz überwand nach und nach seine Schüchternheit, stand inmitten des ganzen Kreises, der sich um ihn drängte und der durch die Ankunft neuer Gäste immer größer wurde, und erzählte, wobei er ganz vergaß, daß er nicht mehr im Felde und im Biwak, sondern in einer ihn ängstigenden Versammlung war. Er hatte dankbare Zuhörer, sie nahmen ihm die Worte vom Munde und unterbrachen ihn oft durch Ausrufe der Verwunderung. Besonderen Eindruck machte Tschetschwajos Ring. Pieter Maritz trug ihn noch an dem Riemen um den Hals, und nun nahm er ihn ab, und der Ring ging von Hand zu Hand.