Währenddessen wurden die Speisen angeboten, und Pieter Maritz wußte nicht, was er aß. Obwohl an die königliche Tafel von Ulundi und an sehr zahlreiche Schüsseln gewöhnt, war er überrascht, hier oft nicht erkennen zu können, was die zierlichen Schalen und Näpfe enthielten. In Ulundi brachte man die Gerichte in Massen und ohne Verkleidung: die Brust eines Ochsen am Spieße, Ziegen und Antilopen in ganzer Gestalt, allerhand Gebäcke, denen anzusehen war, woraus sie bestanden. Aber hier gab es außer den erkennbaren Speisen so viele maskierte.

»Was sind das für Dinger?« fragte er seine Nachbarin, deren Freundlichkeit ihm Zutrauen eingeflößt hatte.

»Hier können Sie alles lesen,« antwortete sie, ihm einen schmalen Zettel reichend, der neben seinem Teller lag.

Der Zettel war mit Gold bedruckt und enthielt die Namen der Speisen.

»Das hier ist Gänseleberpastete,« sagte die junge Dame. »Vorher hatten wir Lammfrikassee; der durchsichtige gelbe Turm dort ist ein Pudding.«

Pieter Maritz aß und überwand bald mit Hilfe seiner freundlichen Nachbarin alle Scheu. Sie that nicht so, als ob seine Fragen den wilden Bewohner des Dorfes verrieten, sondern war ganz natürlich und mitteilsam. Nur machte es ihn noch verlegen, daß er alle Anwesenden zierlich mit Messer und Gabel in beiden Händen essen sah, während er selbst dieser Instrumente nicht Herr werden konnte. Er bemühte sich, den anderen nachzuahmen, aber immer wieder fuhren seine Finger auf den Teller und zweimal ließ er seine Gabel klirrend zu Boden fallen. Auch mußte er mehr sprechen, als ihm bei seinem Hunger lieb war, und mehreremal schluckte er einen Bissen hinab auf die Gefahr hin zu ersticken, um nur antworten zu können.

In dieser Unterhaltung kam es heraus, daß der Oberst Wood ihn vierzehn Tage lang in Utrecht hatte ins Gefängnis sperren lassen, und er mußte dies Erlebnis ausführlich erzählen. Als er nun berichtete, er habe sich einen Bürger der Südafrikanischen Republik genannt, riefen mehrere Herren am Tische laut Beifall, der Herr mit dem Vollbart aber, der ihn auf der Straße zuerst angeredet hatte, klopfte mit dem Messer an sein Glas und hielt eine kleine Rede, welche er damit schloß, daß er auf das Wohl der Südafrikanischen Republik trank. Da riefen alle Herren und Damen, indem sie von ihren Sitzen aufstanden, mit lauter Stimme: Hoch! und tranken ihre Gläser aus.

»Wer ist der Herr, der so schön redete?« fragte Pieter Maritz leise seine Nachbarin.

»Das ist Herr Paul Krüger, der Präsident der Republik,« erwiderte sie, wiederum lächelnd. Und dann setzte sie hinzu: »Sie kennen wohl alle diese Leute nicht; ich will Ihnen einige nennen. Der dort am oberen Ende der Tafel ist Herr Friedrich Jeppe, ein gelehrter Herr, der Astronomie und Geographie und viele andere schwierige Dinge versteht. Der Herr dort weiter nach der Seite hin, neben der Dame im lila Kleide, ist der Doktor Risseck. Er wird in einigen Tagen einen Ball geben und Sie hoffentlich auch einladen. Tanzen Sie denn gern, Herr Buurman?«

Pieter Maritz sah sie erstaunt an. »Tanzen weiße Menschen denn auch?« fragte er.