Die junge Dame lachte jetzt laut und herzlich.

»Ich möchte dagegen fragen,« sagte sie, »wer denn außer den weißen Menschen tanzt?«

»Ich habe König Tschetschwajos Frauen tanzen sehen,« entgegnete er, »und auch die Krieger bei den Zulus tanzen einen Kriegstanz.«

»Hier ist das anders,« sagte sie. »Bei uns tanzen nicht die Frauen allein und die Männer allein, sondern sie tanzen paarweise.«

Pieter Maritz schüttelte den Kopf. Das waren sonderbare Dinge, welche er da erfuhr. Doch war er jetzt sehr mutig geworden. Er hatte zwei Gläser von dem roten Wein — seine Nachbarin sagte ihm, es sei Burgunder — und dann noch ein Glas Champagner getrunken. Der Wein lief ihm wie Feuer durch die Adern, denn er war an Wasser gewöhnt und hatte außerdem nur einigemal in seinem Leben etwas leichtes Bier genossen.

»Wenn wir eingeladen werden,« sagte er, »so wollen wir beide zusammen tanzen.«

»Gut, das soll ein Wort sein,« sagte die junge Dame.

Das Abendessen war beendigt, als Pieter Maritz noch nicht halb satt war. Er hatte einen tüchtigen Appetit von seinem viertägigen Reisemarsch mitgebracht und war gar zu sehr beim Essen gestört worden, denn immer wieder fragte man ihn von rechts und von links, und er hatte den Kampf von Isandula wohl schon sechsmal erzählt.

Die Gesellschaft begab sich jetzt wieder in das große Gemach mit dem Kronleuchter, wo alle Fenster offen standen und eine erfrischende Luft vom Nachthimmel hereinwehte. Und jetzt stand Pieter Maritz eine neue Überraschung bevor. Seine Tischnachbarin setzte sich vor einen großen polierten Kasten, der auf drei Beinen ruhte, und machte Musik.

Er stand wie verzaubert. Wohl hatte er auf den Dörfern die Kalabaßviol gehört, auch in seiner Gemeinde gab es einen jungen Menschen, der die Mundharmonika gar lieblich zu blasen verstand, und in Ulundi hatte er den Gesang des Harems und den Schlachtgesang der Krieger oft gehört, aber diese Musik war etwas ganz anderes. Er glaubte, die Engel im Himmel, von denen ihm seine Großmutter erzählt, auf ihren schönsten Harfen und Geigen musizieren zu hören. Die Thränen kamen ihm in die Augen, und er stand in wahrer Verzückung von ferne und sah dem Spiel der zarten weißen Finger zu.