Es war ihm daher eine sehr unerfreuliche Störung, als sich plötzlich eine schwere Hand auf seine Schulter legte, und er den Feldkorporal Joubert neben sich stehen sah, der ihm sagte, er möge ihm in ein anderes Zimmer folgen, da er ihm etwas zu sagen habe. Ungern ging er mit dem gebieterischen Manne davon.

Sie gingen in ein kleineres Zimmer, wo ein großer Schreibtisch stand und wohin der Klang des Flügels nur verschwommen drang. Hier setzte sich der Feldkorporal auf das Sofa, ließ Pieter Maritz ebenfalls Platz nehmen und sagte:

»Junger Mann, Sie verstehen, wie ich glaube, vollständig englisch?«

»Jawohl, Mynheer,« sagte Pieter Maritz.

»Nun denn,« sagte Joubert, »Sie können der Republik einen Dienst erweisen. Sie wissen, daß die englische Regierung entgegen allem Recht und allen Verträgen das Gebiet der Republik besetzt und für britischen Kolonialbesitz erklärt hat, obwohl die Regierung von Transvaal energisch dagegen protestierte. Unter diesen Umständen kann es möglicherweise mit der Zeit einmal zu blutigen Zwistigkeiten zwischen uns und den Engländern kommen. Dem patriotischen Sinne des Sohnes von Andries Buurman ist dies doch einleuchtend?«

»Als mein Vater starb, sagte er mir, England sei unser einziger Feind, dies möge ich nie vergessen; und ich werde es nie vergessen,« erwiderte Pieter Maritz.

»Das war gesprochen, wie es sich für einen echten Buern geziemt,« sagte der Feldkorporal. »Nun hören Sie weiter, junger Mann. Es liegt mir daran, eine möglichst genaue Kenntnis der englischen Armee zu haben, welche jetzt in Südafrika steht. Ich möchte wissen, wo die einzelnen Abteilungen liegen, wie stark sie sind, wie viele Offiziere bei der Truppe sind, wie viele Pferde die Kavallerie und Artillerie haben, und noch viele andere Umstände möchte ich kennen, welche auf die Kriegstüchtigkeit von Einfluß sind. So möchte ich auch wissen, wie alt die englischen Mannschaften sind, ob sie stark oder schwach sind, wie sie schießen, welche Fechtart sie haben und ob die Leute den Offizieren gut gehorchen. Jetzt führen die Engländer Krieg gegen die Zulus, und da müssen sie zeigen, was sie können. Nun denke ich, daß Sie die geeignete Persönlichkeit sind, mir diese Nachrichten zu verschaffen. Machen Sie den Feldzug im Zululande mit, aber hüten Sie sich, daß Sie nicht im Kampfe getötet werden. Es kommt für Sie nicht aufs Fechten, sondern aufs Sehen an. Auf Ihre Klugheit kommt es an, den passenden Weg dazu zu finden. Schließen Sie sich den Freiwilligen aus Natal an, oder gehen Sie mit einem englischen Regimente. Das muß Ihrer Findigkeit überlassen bleiben. Geld und Empfehlungsbriefe für den Aufenthalt in Natal und bei den Buern der englischen Armee kann ich Ihnen geben, die Schlauheit müssen Sie selber hinzuthun. Über alles, was Sie sehen, erstatten Sie mir ausführlichen Bericht, aber nicht schriftlich, denn das werden Sie nicht können und wäre auch gefährlich, sondern mündlich. Wie ist es? Wollen Sie diesen Auftrag übernehmen?«

Pieter Maritz besann sich nicht lange. Dieser Auftrag des ersten Heerführers seines Volkes erschien ihm nur ehrenvoll.

»Ich werde es sehr gern thun,« sagte er, »und ich werde mich bemühen, alles gut zu machen. Aber zunächst muß ich meine Gemeinde aufsuchen, denn meine Mutter weiß nicht, ob ich noch lebe.«

»Gut,« sagte der Feldkorporal. »Suchen Sie Ihre Familie auf. Dazu ist Zeit. Dann aber kommen Sie wieder hierher und empfangen meine ferneren Weisungen. Es kommt mir darauf an, daß ... — aber was ist das für ein Lärm?« fragte er, sich unterbrechend.