Ein Schreien und Tosen drang von der Straße her, und beide erhoben sich, um ans Fenster zu treten. Es war dunkel draußen, denn Pretoria hatte keine nächtliche Beleuchtung außer der, die vom Himmel kam. Eilig liefen Männer durch die Straße, jetzt kamen Reiter daher gesprengt, und viele riefen und schrieen. Englische Soldaten ohne Gewehr rannten vorbei, schwarze Männer und Frauen sprangen umher und schrieen, ein gewaltiger Schrecken schien die Bevölkerung erfaßt zu haben.

»Was giebt es?« rief der Feldkorporal den Leuten zu. Niemand antwortete.

»Feuer kann es nicht sein,« sagte Pieter Maritz, »ich sehe keinen roten Schein.«

Jetzt wurde es im Hause lebendig, das Spiel im Salon hörte auf, und die Gesellschaft lief suchend umher. Joubert und Pieter Maritz kehrten zu den andern zurück und fragten, was es gebe. Da kam einer der Diener schreckensbleich herein und rief: »Die Zulus kommen!«

»Unsinn!« brüllte der Feldkorporal mit donnernder Stimme. »Bleiben Sie ruhig, meine Damen, es ist unmöglich.«

Laute Schreie von weiblichen Stimmen antworteten, und die Männer sahen sich einander betroffen an. Pieter Maritz eilte hinaus, ergriff seine Büchse und kam wieder zurück. Er hielt es nicht für unmöglich, daß die Zulus kämen, da er ihre Schnelligkeit kannte, obwohl er nicht glaubte, daß sie wirklich so weit vorgedrungen wären. Er wollte nur für alle Fälle gerüstet sein.

»Es ist ganz unmöglich, daß die Zulus hier sind,« versicherte Joubert. »Meine Posten hätten es mir gemeldet. Beruhigen Sie sich, meine Herrschaften, es ist ein blinder Lärm. Ich will mich erkundigen, was er bedeutet.«

Die Festigkeit seines Wesens beruhigte die Gesellschaft in der That, obgleich das Lärmen draußen fortdauerte. »Zulu! Zulu!« schrie es auf den Straßen in vielerlei Ausdrucksweisen und aus dem Munde von Engländern, Holländern, Franzosen, Portugiesen und Kaffern. Trommeln und Hörner klangen aus dem englischen Lager herüber, und mehrere Schüsse krachten in der Ferne.

Der Feldkorporal, der Major Serpa Pinto und Pieter Maritz gingen jetzt hinaus und in der Richtung auf das englische Lager zu, während ihnen viele Soldaten in roten Röcken entgegenkamen. Vergeblich waren alle Fragen. Die Antwort lautete immer, die Zulus kämen. Endlich erschienen englische Offiziere mit gezogenen Säbeln, welche schalten und fluchten und die Soldaten nach dem Lager zurücktrieben, und es gewann mehr und mehr den Anschein, daß es so war, wie die drei vermuteten: daß nämlich nur ein panischer Schrecken über das Lager und die Stadt gekommen war. Die Niederlage von Isandula spukte in den Köpfen.

Einen der englischen Offiziere zu Pferde glaubte Pieter Maritz trotz der schwachen Beleuchtung zu erkennen. Das war die befehlshaberische Stimme, welche einen so hochmütigen Ton annehmen konnte, das war die schlanke Figur des Lord Adolphus Fitzherbert.