»Ich bin der Smaus Abraham ten Winkel,« sagte der schwarzbärtige Mann. »Gott der gerechte, welch ein Verlust!«
Damit fiel er über einen Salzsack her, der im Grase lag, hob ihn in die Höhe und sah mit großer Betrübnis, wie die Tropfen aus dem Sacke liefen. »Ist mir das halbe Salz ausgelaufen!«
Dann ergriff er einen Kasten, der mit Nägeln gefüllt war, und rüttelte ihn verzweiflungsvoll. »Werden mir alle verrosten!« rief er. »Und der feine Rollenkanaster!« hub er von neuem an, indem er von dem Kasten zu einer kleinen Tonne ging. »Hu, wie naß ist der Tabak! Wird ihn keiner mehr rauchen wollen, ist das ganze Aroma pleite gegangen!«
Doch nun ergriff der Smaus wirksame Maßregeln, seinen Schaden möglichst gering werden zu lassen. Er ließ alle seine durchnäßten Zeuge an dem Gebüsch zum Trocknen aufhängen, und es gewährte einen wunderlichen Anblick, das Ufer mit den bunten Stoffen und Blusen, Beinkleidern und Frauenkleidern behängt zu sehen. Tabak und Salz legte er in die Sonne und die Nägel trocknete er mit einem wollenen Tuche ab.
Bei alledem ließ er seine schwarzen Augen unaufhörlich hin und her rollen, von einem zum andern, um zu sehen, ob ihm keiner der Fremden etwas entwendete. Besonders hatte er die Schepsels in Obacht.
»Wartet nur, ihr sollt kriegen,« rief er. »Ihr habt mir geholfen, und ich will es euch lohnen, aber wartet nur, Geduld müßt ihr haben.«
Aber die Schepsels waren listig. Kobus hatte mit scharfem Blicke ein Fäßchen entdeckt, welches der Smaus vorsichtig mit dem Fuße verstohlenerweise hinter einen Kaktusbusch gerollt hatte, und kam mit dem Fäßchen angeschleppt, gleich als wollte er es retten. Während der schwer geprüfte Jude sich eben die Schweißtropfen von der Stirne wischte und seufzend dem Missionar erzählte, er habe schon seit vorgestern mittag hier am Flusse gewartet, weil derselbe vom Regen so sehr angeschwollen sei, daß er mit dem Wagen nicht durchgekonnt habe, machte sich Kobus in sonderbarer Weise mit dem Fäßchen zu thun, und plötzlich zeigte es sich, daß es nicht mehr dicht hielt. Kobus hielt ein Blechgefäß darunter und fing alsbald an zu trinken. Kaum hatten dies die andern Diener bemerkt, als sie alle Arbeit stehen und liegen ließen und sich auf das Fäßchen stürzten.
»Zoopje, Zoopje!« schrieen sie und hielten die Hände unter, um den stark duftenden Schnaps aufzufangen, der aus dem leck gewordenen Fasse lief.
Vergeblich rannte der bestürzte Jude auf sie zu und bat sie ihm den Schnaps nicht auszutrinken, vergeblich schalt er. Auch der Missionar erhob umsonst seine Stimme, um die Farbigen vom Trunke wegzuscheuchen. Die Schepsels ließen ihn reden, aber tranken weiter. Nur die Gesandten des Zulukönigs standen vornehm beiseite und blickten voll Verachtung auf die Scene. Da ergriff der Jude den Sjambock und ließ ihn auf die Rücken seiner Diener und der Diener des Missionars niedersausen. Die Schepsels zuckten und wanden sich, aber sie hörten nicht auf zu trinken. Das betäubende Getränk half ihnen über die Schmerzen der Rhinozerospeitsche hinweg, und sie standen erst auf, als sie satt waren. Nun waren sie überaus lustig, lachten laut und sangen, wandten sich mit tausend Bitten um Verzeihung an ihre Herren, beteuerten mit lallenden Zungen, daß sie nur hätten retten wollen, weil das Faß ja doch entzwei gewesen sei, und tanzten mit ungeheuerlichen Sprüngen umher. Nach und nach aber wurden sie müde, und einer nach dem andern sank im Grase nieder, um zu schlafen.
Währenddessen war es spät am Nachmittage geworden. Die Hilfe, welche der Zug des Missionars dem Handelsmann gebracht, hatte viel Zeit gekostet. Es wäre unmöglich gewesen, die Furt zu passieren, bevor nicht der Wagen des Smaus aus derselben entfernt worden wäre, und der gute Wille, dem Nächsten in der Not zu helfen, ging hier mit der Notwendigkeit, den Weg frei zu machen, Hand in Hand. Aber mehrere Stunden waren darüber verflossen, und es war nun nicht mehr an Fortsetzung der Reise zu denken, weil die Diener unfähig waren, ihren Dienst zu thun. Der Missionar beschloß, sich den Umständen zu fügen, und auch dem Smaus blieb nichts anderes übrig, als sich in das Schicksal zu finden. Die Herren selbst mußten sich unter Beistand des Knaben und der beiden Zulus dazu bequemen, die Ochsen auszuspannen und das Abendessen zu bereiten.