Er stand auf, besuchte Jager im Stalle und ließ sich dann Frühstück geben. Ein Mann von sonderbarer Erscheinung brachte ihm eine silberplattierte Schüssel voll Maisbrei mit Butter. Pieter Maritz hatte die verschiedenartigsten Hautfärbungen, von Gelbbraun durch die Farbe des dunklen Kaffers hindurch bis zum Ebenholzschwarz gesehen, aber dieser Mann erschien ihm doch wunderbar. Hier war die Haut bronzefarben, und dazu das schwarze Haar lang und fein, nicht rauh und lockig wie bei den Kaffern. Augen vom tiefsten Schwarz, groß und schwermütig, blickten aus dem goldgelben Gesicht, und die Nase war fein, mit schmalem Rücken, der Mund klein und fein, nicht mit wulstigen Lippen, wie dies bei den Farbigen in Südafrika die Regel ist. Pieter Maritz fragte ihn, woher er stamme, und er erwiderte, er sei ein Kuli aus Indien, der als Diener eines Engländers herübergekommen sei und nun in der Küche des Gasthauses helfe.

Nach dem Frühstück machte Pieter Maritz sich auf, um den Feldkorporal zu besuchen und sich wegen der Reise nach dem Norden zu erkundigen. Er fand Joubert in einem Gemache, dessen grüne Fenstergitter geöffnet waren, um die frische Morgenluft hereinzulassen, mit Karten auf dem Tische vor sich ausgebreitet. Der Feldkorporal trug eine leichte blauleinene Bluse mit einem weit offenen Hemdkragen; Pieter Maritz sah heute noch deutlicher wie am Tage vorher, welche Ähnlichkeit mit einem Löwen der berühmte Krieger mit seiner breiten hohen Stirn, dem dicken sträubenden Kopfhaar und dem wallenden Barte hatte.

»Sagen Sie mir doch, mein Junge,« sagte Joubert, sobald Pieter Maritz eingetreten war, »können denn die Engländer schießen?«

»Nein, Mynheer, sie können nicht schießen,« antwortete er. »Besser als die Zulus verstehen sie mit dem Gewehr umzugehen, aber richtig schießen können sie nicht.«

»Das habe ich mir wohl gedacht,« sagte der Feldkorporal. »Beschreiben Sie mir das Gefecht doch noch einmal recht deutlich. Wie kam es denn nur, daß Oberstleutnant Pulleine die schwarzen Teufel nicht früher bemerkte?«

Pieter Maritz gab eine genaue Darstellung alles dessen, was er am Tage von Isandula gesehen und gehört hatte, und der Feldkorporal hörte mit großer Aufmerksamkeit und sichtlichem Vergnügen zu. Er lachte auf und strich sich den Bart, als Pieter Maritz berichtete, daß er die Zulus schon lange vor ihrem Angriff hätte am Wege lauern sehen, während die Engländer nichts gemerkt hätten, und als er berichtete, wie der Kommandant des Lagers seinen Rat, die Wagen ineinander zu schieben, mißachtet hätte. Endlich, nachdem er alles erzählt hatte, fragte Pieter Maritz, wie er denn nun wohl seine Gemeinde fände? Er wollte so bald als möglich seine Familie aufsuchen und dann nach seiner Rückkehr sich dem englischen Heere anschließen.

»Ja, mein Junge, genau läßt sich das nicht sagen,« entgegnete der Feldkorporal. »Die Treckbuern sind ja sehr beweglich. Doch habe ich gehört, daß mehrere Gemeinden, unter denen auch die von Baas van der Goot, sich neuerdings nach der Gegend von Lydenburg gewandt hätten. Sie handeln dort mit Goldgräbern und Diamantwäschern und verdienen wahrscheinlich mehr als jene. Also reiten Sie einmal dorthin. Übermorgen geht eine Gesellschaft von hier nach Lydenburg ab, welcher Sie sich anschließen können.«

Pieter Maritz entfernte sich, nachdem der Feldkorporal ihn verabschiedet hatte, und ging nach dem Gasthause zurück, als er ein starkes Treiben von Menschen, Pferden und Wagen in den Straßen bemerkte. Er fragte einen Landsmann, was es zu bedeuten habe, daß so viele Leute nach einer und derselben Richtung zögen, und erfuhr von diesem, daß ein neues englisches Regiment in das Lager einrücken werde. Die Leute zögen dem Regiment aus Neugierde entgegen.

Pieter Maritz ging weiter und sah aus dem Hofe eines hübschen freundlichen Hauses zwei Herren und zwei Damen herausreiten. Sie bogen in derselben Richtung um die Ecke, in welcher alle andern Leute zogen, und wollten wohl auch das fremde Regiment sehen. Pieter Maritz glaubte in dem einen der Herren den Vater der jungen Dame von gestern abend wiedererkannt zu haben, und seine Vermutung ward zur Gewißheit, als er jetzt die junge Dame selbst am Fenster des Hauses erscheinen und den Fortreitenden nachblicken sah. Sie hatte kein so vergnügtes Gesicht wie gestern abend. Pieter Maritz war jetzt vor dem Hause angelangt. Er zog höflich seinen Hut und wünschte dem Fräulein einen guten Morgen.

»Sie sehen aber recht betrübt aus,« sagte er erschrocken.