»Hat der Herr Dr. Risseck Sie schon zu seinem Balle eingeladen, Fräulein?« fragte er.
»Nein, das hat er noch nicht gethan, aber er wird es noch thun. Der Ball ist erst in etwa acht Tagen.«
»Mich hat er auch noch nicht eingeladen,« sagte Pieter Maritz, »aber ich würde nicht kommen können, selbst wenn er mich einlüde, und ich bitte Sie deshalb, mich entschuldigen zu wollen. Ich werde übermorgen abreisen, um meine Mutter und meine Geschwister aufzusuchen, welche ich seit einem Jahre nicht gesehen habe.«
»Das ist freilich ein triftiger Grund, und da muß ich mich wohl entschließen, Sie zu entschuldigen,« entgegnete sie. »Leben Sie wohl, Herr Buurman, ich werde Ihr Pferd nach Ihrem Hotel zurückschicken. Wie ich sehe, haben Sie ja vollständigen Ersatz für Ihren Jager gefunden.«
Es kam Pieter Maritz so vor, als werfe die junge Dame einen feindseligen Blick auf das schöne Hauptgestell und den Dragonersattel des Rappen und als sei sie überhaupt nicht mehr so freundlich wie früher.
»Ich wünsche Ihnen glückliche Reise, und ich danke Ihnen recht sehr für das schöne Pferd,« setzte sie hinzu; dann reichte sie Pieter Maritz die Hand, grüßte den Lord sehr ceremoniös und ritt zu ihrer Begleitung, ihrem Vater und den Damen, zurück.
»Da sehen Sie es, die Buern wollen nichts von uns wissen,« sagte der Lord. »Wir haben in keiner guten Familie in Pretoria Zutritt. Das ist die holländische Dickköpfigkeit.«
»Von dieser Dickköpfigkeit, lieber Adolphus, sollt ihr Herren Engländer noch viel mehr zu sehen bekommen,« sagte Pieter Maritz, dem die Unterhaltung mit dem Feldkorporal noch sehr frisch im Gedächtnis war.
»Oho!« rief Lord Fitzherbert. »Soll es so schlimm werden? Nun, wir beiden wenigstens wollen immer gute Freunde bleiben.«
Die jungen Leute ritten in Gesellschaft der englischen Offiziere weiter und sahen sich den Einzug der frischen Truppen an; dann kehrten sie in das Lager zurück. Pieter Maritz sah, daß an einer Seite des Lagers ein Fort gebaut worden war, mit Erdwällen, Gräben, vorspringenden Ecken und unterirdischem Pulvermagazin. Hinter den Wällen standen Geschütze, und als Pieter Maritz über das glänzende braune Rohr von zweien der Kanonen hinwegsah, erblickte er vor dem Korn den Marktplatz von Pretoria. Mit gutem Bedacht hatten die Engländer dieses Fort so angelegt, daß dessen Geschütze nicht nur die Zugänge zum Lager, sondern auch die Hauptstadt von Transvaal beherrschten.