Im Zelte des Lord Fitzherbert sah es sehr reich und bequem aus. Der junge Offizier hatte eine eiserne Bettstelle, welche zwar auf der bloßen Erde stand, aber mit prächtigen warmen Fellen bedeckt war, so daß er auch in den kalten Nächten, welche häufig auf sehr warme Tage folgten, hinreichenden Schutz fand. Seine Koffer waren groß und stark und reichlich ausgestattet. Pieter Maritz betrachtete mit verwundertem Lächeln einen ledernen Kasten, der voll von Krystallbüchsen mit goldenen Deckeln war. In diesen Büchsen befanden sich Dinge, die für den Buernsohn neu und fremd waren: wohlriechende Seifen, Puder, Parfüms, Waschessig und allerhand Pomaden und Öle; daneben lagen mehrere Bürsten mit Elfenbeingriffen, Kämme und allerhand kleine Instrumente für die Nägel, lauter Dinge, über welche er gelacht haben würde, wenn er nicht selbst am Tage vorher schon dergleichen bei dem Haarkünstler in Pretoria gesehen hätte. Es hatte ihm, dessen Kamm und Bürste seine zehn Finger waren und der sich am Bache zu waschen pflegte, doch sehr wohl gethan, als der Friseur sein Haar so schön bearbeitet hatte.
Jetzt nahm Lord Fitzherbert von dem Mittelpfosten seines Zeltes, der mit Waffen behangen war, ein langes Schwert von fremdartiger Arbeit. Der Griff war ein Kreuz von grauem Stahl, mit goldenen Zieraten eingelegt, die Scheide war von schwarzem Leder mit goldglänzendem Ortband und hing an einem schwarzen Ledergurt. Er zog die Klinge heraus, eine zweischneidige spitze Klinge, und sagte: »Dies ist ein dauerhafter, feiner Stahl, eine alte Arbeit von einem Waffenschmied aus Toledo, und ich glaube, man könnte einen Zuluschild leicht damit durchbohren. Wenn Ihre eigentliche Waffe auch die Büchse ist, lieber Freund, so könnten Sie doch solch ein Ding gut daneben gebrauchen. Kein Gefühl in der ganzen Welt ist so schön wie das, mit einer guten Klinge in der Hand auf einem edlen Pferd zu reiten. Nehmen Sie diesen alten spanischen Degen als Gastgeschenk von mir an, Pieter Maritz!«
Pieter Maritz errötete vor Freude. Dann zog er seinen Ring hervor, den er von Tschetschwajo erhalten hatte, und überreichte ihn dem Lord. »Ich nehme den Degen mit Dank an,« sagte er, »und gebe Ihnen diesen Ring als Gegengeschenk.«
»O nein,« sagte Lord Fitzherbert, »das hieße, einen schönen Vorteil von Ihnen nehmen. Dieser Ring ist ein Schatz, und wenn Sie ihn in London verkaufen wollten, könnten Sie sehr viele Degen dafür bekommen. Aber damit Sie nicht denken, ich verschmähte ein Geschenk von Ihnen, so bitte ich um Ihren Hirschfänger. Er wird mir immer ein wertes Andenken an den treuen Kameraden unter den Zulus und den braven Räubern des alten wackeren Titus Afrikaner sein.«
Pieter Maritz gürtete den Hirschfänger ab, überreichte ihn dem Lord und nahm voll Entzücken den spanischen Degen. Dann gingen beide zusammen zu dem Zelte, wo die Dragoneroffiziere speisten. Es war ein langes Zelt mit gedieltem Fußboden, und die Leinenwände waren inwendig mit weißen und roten Zeugstreifen gedoppelt, so daß der lange breite Raum ein sehr freundliches Ansehen hatte. Eine lange Tafel für etwa vierzig Personen war gedeckt und sah noch glänzender aus als die Abendtafel beim Schatzsekretär in Pretoria. Sie war mit Silbergeschirr, feinem Porzellan und Krystall überaus reich besetzt. Glänzend war auch die Gesellschaft, lauter Offiziere in reichen Uniformen, teils von dem Dragonerregiment, teils von andern Truppengattungen, da auch die Kameraden des Lord Fitzherbert Gäste eingeladen hatten.
Lord Fitzherbert stellte den Buernsohn, der in seinem einfachen Anzuge sehr gegen die mit Gold, Silber, Sammet und prächtigen Farben bedeckten Uniformen abstach, den übrigen Offizieren vor, indem er sagte, dies sei der Jüngling, von dem er ihnen so oft erzählt habe, ein unvergleichlicher Reiter und das wackerste Herz. Sie schüttelten ihm darauf alle die Hand, und es war Pieter Maritz ganz wunderbar zu Mute, sich unter den strahlenden Offizieren, diesen vornehmen Leuten, so freundlich empfangen zu sehen. Auch der Franzose, der Leutnant Dubois, war zugegen. Er hatte die Einladung des Lord angenommen und schüttelte ebenfalls Pieter Maritz freundschaftlich die Hand, indem er sagte, es sei ein Glück, daß Lord Fitzherbert vorhin dazugekommen sei, denn er würde in der nächsten Minute wirklich geschossen haben.
Dann setzten sich alle zu Tisch, und Pieter Maritz zur Rechten seines Freundes. Eine bunte Gesellschaft von Dienern, teils Engländer, teils Schwarze und teils Indier mit Turbanen auf dem Kopfe, trug ausgesuchte Speisen auf, und es ward fröhlich getafelt. Allerhand Nachrichten über die Zulus schwirrten hin und her. Einer der Offiziere erzählte, daß das Zuluheer bei Isandula den fünften Teil seiner Mannschaften verloren habe und daß Tschetschwajo im Schrecken über so große Verluste sich an den Bischof Schröder von der norwegischen Mission gewandt habe, damit dieser den Frieden vermittele. Er wolle die Bedingungen des Gouvernements annehmen und habe bereits zum Zeichen seiner friedlichen Gesinnung tausend Ochsen an die Grenze gesandt, welche er dem Lord Chelmsford als Geschenk anbiete. Ein anderer Offizier sagte, man werde nach der Niederlage von Isandula keinen Frieden schließen, sondern die ganze Zulumacht zur Strafe in die Pfanne hauen. Lord Fitzherbert aber rief laut: »Ich habe Tschetschwajo und seine Armee kennen gelernt. Ihr kennt ihn schlecht, wenn ihr meint, er bäte um Frieden. Wie? Er hat uns jetzt beinahe ganz im Sacke, und ihr denkt, er kröche zu Kreuz? Er hat den dritten Teil von der Kolonne des Obersten Glyn aufgerieben; Oberst Wood muß sich ganz still bei Lüneburg halten und denkt nicht daran, über die Grenze zu gehen. Endlich die dritte Kolonne unter Oberst Pearson ist in Ekowe völlig eingeschlossen, so daß nicht eine Ratte aus dem Fort heraus kann, ohne von Assagaien aufgespießt zu werden. Wenn Tschetschwajo wüßte, wie es bei uns steht, so ginge er mit seiner Armee über den Buffalo, und er könnte durch ganz Natal marschieren, ohne daß wir ihn daran verhindern könnten.«
»Lord Fitzherbert hat recht,« sagte ein älterer Offizier. »Bis die Verstärkungen aus England kommen, müssen wir uns ganz still halten.«
Pieter Maritz hörte zu und ließ es sich gut schmecken. Aber er mußte viel dazu trinken, die englischen Offiziere hatten eine eigentümliche Sitte. Jeder der Anwesenden schickte der Reihe nach einen Diener an Lord Fitzherbert und ließ um die Ehre bitten, mit ihm und seinen Gästen ein Glas Wein zu trinken. Dann füllte Lord Fitzherbert dem Buernsohn, dem Franzosen und sich selbst das Glas, sie erhoben die Gläser, nickten dem Herrn zu, der geschickt hatte, und tranken mit jenem zusammen aus. Da dies die Reihe um ging, so war Pieter Maritz schon beim dritten Gange sehr vergnügt. Der Champagner, der ihm zu Anfang sehr stark vorgekommen war, floß jetzt wie Wasser durch seine Kehle. Doch verlor er dabei seine Überlegung nicht. Er dachte an die Aufgabe, welche ihm der Feldkorporal gestellt hatte, und hörte aufmerksam einem Gespräche zu, welches Lord Fitzherbert mit dem Franzosen führte. Dieser Franzose gefiel ihm gut. Etwas Kriegerisches und Abenteuerlustiges sprach aus den schwarzen Augen und dem runden braunen Gesicht. Die riesige Schmarre stand diesen Zügen gut; denn wenn sie auch nicht deren Schönheit erhöhte, so lieferte sie doch einen beständig sichtbaren Beleg für die Kriegserfahrung dieses alten Soldaten. Dubois erzählte, daß er den Auftrag erhalten habe, eine Abteilung leichter Reiter zu bilden. Im Kriege mit den Zulus zeige es sich als eine große Schwäche der englischen Armee, daß sie nicht genug Kavallerie habe.
»Ah, ihr Engländer!« rief der lebhafte Franzose, indem er mit den Händen gestikulierte, »ihr seid ein sonderbares Volk. Ihr schlagt euch famos. Alle Achtung! Aber ihr wißt nicht Krieg zu führen. Bei jedem neuen Kriege fangt ihr von vorn an zu lernen. Ihr geht in den Krieg wie zu einem Feste, und erst wenn der Feind eure ersten Truppen niedergemacht hat, fangt ihr an, Ernst zu zeigen. Ihr kennt gar keinen Sicherungsdienst, ihr legt euch in Feindesland ganz bequem ins Gras und eßt euer Beefsteak.«