Inzwischen ward es an der Tafel immer lebhafter und lustiger. Das Musikcorps der Dragoner saß draußen vor dem großen Zelte und machte Tafelmusik, das Zutrinken folgte sich immer häufiger, und die Köpfe wurden rot. Pieter Maritz war in einer seltsamen Stimmung, wie nie vorher. Er war unbeschreiblich froh und kam sich selbst so leicht vor, als könnte er fliegen. Er sah sich im Geiste mit dem spanischen Schwerte in der Hand vor einer Reiterschar zum Angriff jagen und dachte, er würde die Zulus wie eine Herde Ziegen vor sich hertreiben können. Dubois erzählte Geschichten aus der Krim und aus Mexiko und machte dazu ein so köstliches Gesicht, ließ seine Augen so furchtbar blitzen und rollen, daß Pieter Maritz vor Lachen fast vom Stuhle gefallen wäre.

Als das Essen beendigt war, wurde das weiße Tischtuch abgenommen, und eine grüne Decke kam darunter zum Vorschein. Nun wurden frische Gläser auf den Tisch gesetzt, und silberne Krüge voll Portwein gebracht. Mehrere Offiziere ließen Würfel bringen und spielten um Haufen von Goldstücken, die sie auf dem grünen Tuche ausstreuten. Aber Pieter Maritz spielte nicht mit. Er wollte sein Geld seiner Mutter mitbringen und war noch kaltblütig genug, um zu denken, daß das Würfeln ein gefährliches Vergnügen sei. Er wurde jetzt nachdenklich und wünschte, das Trinken möge aufhören. Der Wein schmeckte ihm nicht mehr. So war es ihm sehr angenehm, daß Lord Fitzherbert und der Franzose, welche ebenfalls nicht spielten, ihm den Vorschlag machten, spazieren zu fahren. Er erhob sich und ging mit ihnen hinaus. Doch kam ihm die Welt sehr sonderbar vor. Die Zelte ringsum schienen tanzen zu wollen, so daß er von neuem lachen mußte. Sie gingen zusammen nach den Ställen des Regiments, zu welchem der Franzose gehörte, und dieser ließ einen kleinen leichten Wagen anspannen. Vier junge Pferde aus Transvaal, kleine, aber kräftige Tiere wurden vorgespannt, und dann ergriff Dubois selber die Zügel, während der Lord und Pieter Maritz sich auf die Bank hinter dem Bocke setzten.

Daß auf dieser Fahrt kein Unglück geschah, war merkwürdig. Zwar verstand der Franzose zu fahren, aber der Weg, den er wählte, machte auch seine Fahrkunst sehr notwendig. Es ging im sausenden Galopp über Stock und Stein, und oft lag der Wagen so auf der Seite, daß er nur auf zwei Rädern rollte, während die auf der andern Seite in der Luft schwebten. Sie besuchten den »Wunderboom«, fünf Kilometer von Pretoria entfernt, einen höchst bemerkenswerten riesigen Baum, dessen Zweige zum Boden zurückkehren und dort neu wurzeln, so daß dieser einzige Baum ein ganzes Gehölz bildet. Auf der Rückkehr kamen sie über eine steile Höhe an einem jähen Abgrunde vorbeigesaust, und Pieter Maritz blickte mit dem Gefühl hinab, daß es sehr wahrscheinlich sei, Wagen und Pferde und Menschen würden im nächsten Augenblick dort unten liegen. Aber dies war für heute sein letzter Gedanke. Er wußte nichts mehr von dem, was nun noch geschah, bis er, in seinem Bette liegend, aufwachte und vergnügt, obwohl etwas erstaunt, die Morgensonne in das Café de l'Europe scheinen sah.

[Einundzwanzigstes Kapitel]
Daheim und in englischen Diensten

Pieter Maritz dachte darüber nach, wie er wohl nach Hause und in sein Bett gekommen sein möge, konnte aber zu seiner Beschämung keine Spur von Erinnerung in seinem Kopfe entdecken. Vermutlich hatte der Franzose ihn nach dem Hotel gefahren und hatten ihn die beiden Offiziere ins Bett gebracht. Wein trinken ist doch eine dumme Sache, sagte sich Pieter Maritz. Man nimmt einen Feind in sich auf, der einem die Besinnung raubt. Erst wird man vergnügt, und nachher weiß man nicht mehr, was man thut. Wenn der alte gute Missionar hier wäre, so würde er mir wohl sagen, es sei am sichersten, gar keinen Wein zu trinken; denn er meinte immer, man dürfe dem Teufel nicht den kleinen Finger geben. Es ist doch gut, daß er mich gestern abend nicht gesehen hat.

Er stand auf und fühlte sich etwas schwer im Kopfe und sehr durstig. Ein sonderbares Getränk ist doch der Wein, dachte er. Es scheint so, als ob er immer durstiger mache, je mehr man davon trinkt. Nun fiel ihm ein, was er wohl bemerkt, aber nicht weiter beachtet hatte: daß der Präsident, Herr Paul Krüger, in der Gesellschaft beim Schatzsekretär nur Wasser getrunken und auch beim Ausbringen des Wohls der Republik ein Glas Wasser in die Höhe gehoben hatte. Pieter Maritz ging in den Hof und ließ sich an dem Brunnen vor dem Stalle das Wasser über Kopf und Hals laufen. Dann ging er, sehr erfrischt, zu Jager und sattelte ihn. Umgürtet mit seinem schönen neuen Degen, den er auf dem Tische in seinem Zimmer gefunden hatte, ritt er hinaus ins Feld, und die Kühlung seiner nassen Locken im Winde sowie die Bewegung ließen bald jedes Unbehagen verschwinden. Dann ritt er fröhlich in das englische Lager und besuchte Lord Fitzherbert.

Der junge Offizier sah blaß aus und trank Sodawasser mit Kognak in seinem Zelte. Als er des Buernsohnes rote Backen und glänzende Augen sah, seufzte er. »Pieter Maritz, ihr Buern seid ein verwettertes Völkchen,« sagte er. »Wie können Sie sich unterstehen, heute morgen so frisch wie eine blühende Rose auszusehen?«