Die Knaben ließen sich los, starrten empor und waren ganz verdutzt und verlegen. Pieter Maritz sprang ab, gab dem ältesten von ihnen, der acht Jahre zählte, das Pferd zu halten und lief in die Hütte. Hier saß in dem vordersten der beiden Räume, welche das nach Kaffernart errichtete Gebäude enthielt, seine Mutter mit zwei Töchtern bei einer häuslichen Arbeit. Sie blickte erstaunt empor, als sie den Schritt und den Ruf des Eintretenden vernahm, und für einen Augenblick erbleichten ihre Wangen. Aber in der nächsten Sekunde lag Pieter Maritz zu ihren Füßen und umfaßte ihren Leib mit beiden Armen, ergriff ihre Hände und küßte sie — und die Mutter neigte ihren Kopf auf den des lange vermißten Sohnes hinab und weinte vor Freude mit ihm zusammen.
Sie hatte eine Zeit schwerer Arbeit und vielen Kummers hinter sich. Nach dem Tode ihres Mannes hatte sie allein dem Haushalte vorstehen müssen, und sie wäre der Sache wohl kaum Herr geworden, wenn sie nicht so stark und gesund gewesen wäre und nicht in der Vollkraft ihrer Jahre gestanden hätte. Sie hatte den Zug des Ochsenwagens geleitet und oft im Sattel gesessen, um die Herde zu überwachen. Nun hatte sie hier ihre eigene Hütte gegründet und führte Handel mit Vieh, wodurch sie ihrer Familie ein ausreichendes Einkommen verschaffte. Die ganze Gemeinde trieb jetzt lebhaften Handel mit Vieh, sowie mit Korn und Viehfutter nach den nördlichen Distrikten hin, wo die Goldgräber waren, und sie hatte sich dieses vorteilhaften Handels wegen hier angesiedelt.
Voll von Erstaunen und mütterlichem Stolze betrachtete Frau Buurman ihren ältesten Sohn vom Kopf bis zu den Füßen und konnte nicht satt werden, den schon für tot Gehaltenen und verloren Gegebenen zu küssen und nach seinen Erlebnissen zu fragen. Als er nun aber aus der inneren Tasche seines schönen blauen Rockes einen Beutel mit Goldstücken zog und ihr schenkte, als er dazu aus dem Mantelsack den roten Shawl nahm und ihr überreichte, da war sie sprachlos vor Freude und Glück.
Denselben Erfolg hatte Pieter Maritz mit seinen Geschenken bei den Schwestern und Brüdern. Zwar waren die beiden ältesten Jungen mit den Knechten draußen beim Vieh auf der Weide, und so konnte er den Matrosenrevolver und das Stoßmesser noch nicht überreichen, aber auch schon mit den kleineren Geschwistern gab es so viel Jubel und Entzücken, daß das Herz kaum groß genug zu sein schien, alles Gute zu fassen. Die Familie hatte schon zu Mittag gegessen, aber da Pieter Maritz noch nicht gespeist hatte, wurde schnell von neuem gekocht, und sie aßen alle gern noch einmal mit und tranken dazu eine gewaltige Kanne Kaffee. Gegen Abend kamen auch die ältesten Brüder vom Felde und von der Weide herein, und die Freude nahm einen neuen Anfang. Sie waren alle tüchtig gewachsen, die Geschwister; und eine stattliche, schöne, gesunde und starke Schar Blondköpfe und Blauaugen war es, die Mutter Buurmans Kniee umschwärmte. Auch Jager hatte es heute gut. Sie rechneten ihn alle zur Familie, küßten und streichelten ihn, gaben ihm die weichste Streu am besten Platze neben dem Wagen und hätten ihn sicherlich krank gefüttert, wenn er nicht als ein verständiges Tier seine ihm dienliche Futtermenge genau zu berechnen gewußt hätte.
Am Abend widerfuhr Pieter Maritz die Ehre, daß Baas van der Goot in Begleitung des Oheims Klaas persönlich in der Hütte der Frau Buurman vorsprach, um ihn zu besuchen und zum gemeinsamen Trunk der Ältesten einzuladen und abzuholen. Er ging mit ihnen und setzte sich in den Kreis der Würdigen am Lagerfeuer, wo der Bierkrug herumging und die Pfeifen dampften. Hier mußte Pieter Maritz der Reihe nach seine Erlebnisse erzählen, und es kam ihm nun schon selbst so vor, als ob sich diese in der Erinnerung nach so vielfältigem Bericht wunderbar schön zu runden, zu glätten und zu völlig imposanten Thaten zu gestalten anfingen. Nur die eine Thatsache, daß er jetzt als Reiter im englischen Solde stand, wollte den alten Herren nicht recht gefallen.
»Ich denke, Neffe,« sagte Baas van der Goot, »daß allerdings die Engländer Christen sind und daß sie ein gutes Werk unternehmen, indem sie die Schepsels drüben vertilgen wollen; aber daß du ihnen dabei hilfst, während wir Buern doch von ihnen mit Ungerechtigkeit bedrückt werden, das will mir nicht als etwas Schickliches für den Sohn von Andries Buurman einleuchten.«
»Oheim,« sagte Pieter Maritz nach einigem Überlegen, »ich habe über diese Sache mit dem Feldkorporal Joubert gesprochen, und er hat es gutgeheißen.«
Baas van der Goot that mehrere Züge bedächtig aus seiner Pfeife und erwog den Sinn dieser Worte.
»Wenn Joubert es gutgeheißen hat,« sagte er dann, »so muß es allerdings gut sein. Ich hoffe nur, daß du wieder bei uns sein wirst, wenn wir den Transvaalschen Vierklör[*] aufpflanzen und die Engländer aus unserm Lande hinauswerfen.«
[*] Viercouleur, die vier Farben der Transvaalrepublik: rot, weiß, blau und grün.