Der General kehrte mit dem ganzen Gefolge zum Lager zurück, und es wurde eifrig gearbeitet, um es in guten Verteidigungsstand zu setzen. Das Lager bildete ein ungeheures Viereck, groß genug für die Truppen und die Tausende von Ochsen, welche Wagen und Geschütze hierher gezogen hatten. Die vier Seiten wurden aus Gräben und Wällen gebildet. An manchen Stellen wurden auch Mauern anstatt des Walles errichtet, indem die Soldaten Steine aus der Nähe zusammenschleppten und nach Art der Cyklopenmauern übereinander schichteten. Dazu wurden die Wagen ringsum in langer Linie aufgestellt, um innerhalb der Umwallung eine zweite feste Stellung zu bilden, und Dornengestrüpp wurde herbeigebracht, um alle Lücken damit auszufüllen und die Wälle zu bekleiden und ungangbar zu machen. Nur für die Geschütze wurden Öffnungen gelassen. Nicht allein Kanonen und Raketengeschütze, sondern auch die furchtbaren Mitrailleusen wurden herangefahren und mit den Mündungen durch die Scharten gesteckt. Diese Mitrailleusen, vom Gatlingsystem, hatten je fünfundzwanzig Läufe, welche bündelförmig vereinigt waren.

Außerdem wurde auf der vom Feinde abgekehrten Seite eine Stelle freigehalten, durch welche die Kavallerie vorbrechen konnte. Hier wurden nicht Wall und Graben gezogen, sondern nur schwere Wagen aufgestellt.

In der Mitte des Vierecks war ein großer freier Platz, und hier wurden die Zelte für den General und seinen Stab, für die Kavallerie und den Teil der Infanterie und Artillerie aufgeschlagen, welche nicht die Umwallung zu besetzen hatten. In der Front, nach Norden zu, hielt das 60. Regiment, Scharfschützen, die Verschanzung besetzt; in der rechten Flanke stand die Seebrigade, Matrosen in blauen Jacken, weiten blauen Beinkleidern, Leinwandschuhen und Strohhüten, denen die Namen ihrer Schiffe, Schah und Tenedos, auf die Hutbänder und in die Kragen gestickt waren. Es waren stämmige, wettererprobte, feste Männer. Das 57. Infanterieregiment unter Oberst Clarke schloß sich an die Matrosen an und stand ebenfalls in der rechten Flanke. Die Ecken waren mit Neunpfündern und Gatlings besetzt. In der rückwärtigen Linie standen die Hochländer hinter dem Walle, und die linke Flanke ward vom 3. Regiment, Buffs genannt, und dem 99. Infanterieregiment besetzt gehalten. Auch hier standen Feldgeschütze und Gatlings in den Winkeln der Verschanzung und nahe dem Walle die Raketenbatterie unter Leutnant Cane vom Kriegsschiff Schah. Zwei Bataillone Zulus, jedes achthundert Mann stark, unter Humbatis Führung, verstärkten die europäischen Truppen, und im ganzen waren 3400 Weiße und 2300 Schwarze unter Waffen im Lager von Gingilowo. Pieter Maritz traf, indem er quer durch den inneren Raum des großen Vierecks ritt, Lord Fitzherbert inmitten seiner Schwadron. Die Dragoner banden ihre Pferde in gleichmäßigen Reihen mit Kampierleinen an, und ein reges Treiben kriegerischer Art, das Klirren der Säbel und Sporen, das Stampfen und Wiehern der Rosse, erfüllte die Linien des stolzen Regimentes. Die Freunde hatten sich bis jetzt nur einigemal flüchtig auf dem Marsche gesehen, da ein jeder vollauf mit seinem Dienste beschäftigt gewesen war, und sie freuten sich, nun ein Stündchen der Lagerruhe gemeinsam genießen zu können. Pieter Maritz stieg ab und band Jager neben den Dragonerpferden an. Die Sonne ging unter, und in der Dunkelheit der Nacht loderten nun die Wachtfeuer innerhalb der Umwallung empor. Lord Fitzherbert mit mehreren andern Offizieren und Pieter Maritz ließen sich neben einem der Feuer nieder und besprachen sich über die Ereignisse des Feldzugs, während ihre Burschen ein Abendessen bereiteten. Die Dragoner hatten eine Menge von Blechbüchsen mit eingemachtem Fleisch aus England und Flaschen mit Getränken in ihren Schwadronswagen mitgebracht, und bald zischten die Kessel und Töpfe, an eisernen Gabeln und Ketten über der Flamme aufgehangen, und der Geruch von Fleischbrühe, Pasteten und Punsch verbreitete sich, während weißlicher Dampf zum afrikanischen Nachthimmel aufstieg. So lagen die Kriegskameraden auf ihren Mänteln am Feuer, schwatzten, aßen, tranken und rauchten und vergaßen im Genuß der flüchtigen Stunde die Mühen des Marsches und des Krieges.

Als es aber spät wurde und die Mitternacht herankam, stand Pieter Maritz auf. Er hatte Befehl, um Mitternacht mit vierundzwanzig Reitern aufzubrechen und einen bestimmten Platz vor der Front des Lagers, nahe dem Inyezanefluß, einzunehmen, der im weiten Bogen nördlich und östlich das englische Heer umgab und zwei Meilen von hier sich in den Ocean ergoß.

Die Buernreiter lagerten nahe den Dragonern und schliefen gleich diesen bei ihren Pferden am Feuer. Pieter Maritz weckte die bestimmten Leute, und bald war sein Trupp beritten, und die kleine Schar zog durch eine offen gelassene Stelle aus der Befestigung hinaus in die stille Nacht des Hügellandes. Nur Sternenglanz beleuchtete ihren Pfad. Sie begegneten unweit des Lagers dem Leutnant Dubois, der mit einer kleinen Patrouille die Kette seiner Vedetten abgeritten hatte und nun zurückkehrte. Er teilte Pieter Maritz mit, daß sich bis jetzt nichts Verdächtiges sehen lasse und daß die Posten am Flusse noch in der früheren Stellung wären. Pieter Maritz zog weiter und erreichte nach einer Viertelstunde das Ufer, löste eine lang ausgedehnte Reihe von Posten ab, schickte die Leute zum Lager zurück und stellte je zwei seiner Reiter an den Plätzen auf, wo jene gestanden hatten. Er selbst blieb bei einem der Posten gerade in der Mitte der Reihe und vor der Front des Lagers, dessen Wachtfeuer in der Ferne mit ihrem roten Schein ihm die Stellung des Heeres bezeichneten.

Es war ganz still, nur der leise Ruf der Posten, die sich einander benachrichtigten, indem sie hin und wider ritten und eine zusammenhängende Kette bildeten, war zu vernehmen. Selbst der Schritt der Pferde erstarb in dem hohen Grase. Fast lautlos spülten die Wellen des Inyezane am Ufer hin; der Fluß war niedrig und schmal. Ein blaugrauer Schimmer lag auf dem Wasser. Aber bald nach Mitternacht verdunkelte sich der Himmel, und der Donner grollte in der Ferne. Mit großer Schnelligkeit zogen gewaltige Wolken herauf und ein Sturmwind peitschte das Land. Blitz auf Blitz fuhr herab und fast ohne Unterbrechung krachten die Donnerschläge. Strömender Regen ergoß sich. Es war unmöglich, in diesem heftigen Gewitter irgend etwas anderes zu beobachten als das helle Licht der elektrischen Flammen, und die Posten hatten genug damit zu thun, ihre Pferde zu beruhigen und sich miteinander in Verbindung zu halten. Man konnte nicht zehn Schritte weit sehen, wenn nicht gerade der Blitz die Landschaft und die Gestalten der Nebenposten beleuchtete, und der heftige Regen machte Sehen und Hören fast unmöglich, während er zugleich Mantel, Rock und Hemd durchdrang und Roß und Reiter wie in einem Bade hielt. Dieses Unwetter hielt, bald schwächer, bald stärker in seinem Wüten, gegen drei Stunden an, dann zogen die schwarzen Wolken vorüber, und die Sterne blickten wieder vom dunkelblauen Himmel herab. Aber die Landschaft hatte sich in ihrem Aussehen verändert. Die Erde war durchnäßt, und das Gras lag danieder, der Inyezane brauste und schäumte und hatte seine Strömung erweitert, so daß er nicht mehr unten im sandigen Bette floß, sondern bis an den mit Schilf bewachsenen obersten Rand hinanspülte und mit trüben Wellen hinüberleckte in die Ebene, wo die Buern auf und nieder ritten.

Der Morgen war nahe, und Pieter Maritz spähte mit Auge und Ohr sorgsam in die Ferne, ob nicht etwa der Feind, der die nächtlichen Angriffe liebte, zu spüren sei. Aber alles war still. Währenddessen trieben neue, leichte Wolken herauf und hüllten den Himmel in Schatten, nur im Osten war jetzt dicht über dem Horizont eine Klarheit zu entdecken, und der helle Streifen unterhalb des Wolkenschleiers warf sein Licht über die Erde hin und beleuchtete den grau schimmernden Fluß. Der Morgenwind blies über das triefende Gras hin und ließ Pieter Maritz in seiner durchnäßten Kleidung frösteln.

Da schien es ihm plötzlich, während er vornüber gebeugt nach dem jenseitigen Ufer blickte, als treibe ein dunkler Gegenstand im Wasser. Doch spülte manches Stück losgerissenen Buschwerks im Flusse, so daß er nicht sicher war, ob dies wirklich ein Zulukopf oder etwa nur irgend ein Strunk, ein faules Holz, ein Klumpen Wurzelwerk sei. Er drückte Jager vor und ließ ihn durch das harte Schilf und Riedgras bis an den Saum der Wellen gehen, so daß das Wasser dem Pferde die Hufen bespülte. Durchdringenden Blickes, mit gesenktem Kopfe, erforschte er die im Zwielicht fast verschwimmenden Gegenstände. Plötzlich zuckte er zusammen, seine Augen erweiterten sich, und er legte die Büchse auf den linken Arm, der die Zügel hielt, während er die Mündung senkte und nach unten zielte. Vor ihm lag, noch halb im Wasser, die Ellbogen auf das flache Ufer gestützt, eine schwarze Gestalt, das krause Haar mit schmalem Stirnband umwunden, einen weißen Busch über dem linken Ohre, eine Kette von weißen Zähnen um den Hals, den Assagai in der Rechten, den Schild in der Linken. Aus dem wilden Gesicht blickten Augen gleich denen eines Raubtiers auf die Reiterfigur, die sich drohend vor ihnen erhob. Der Zulukrieger schien überrascht zu sein, er hatte wohl nicht erwartet, geradezu auf einen wachsamen Feind zu stoßen, und nun lag er bewegungslos da und starrte die auf ihn gerichtete Büchse an, indem er den tödlichen Schuß erwartete. Das Leben des Zulu lag in des Buernsohnes Hand, der Finger war am Drücker, und das Korn auf die schwarze niedrige Stirn gerichtet.

Auf Vorposten am Inyezane.