Da winkte Lord Chelmsford. Die Wagen auf der Ausfallsseite wurden beiseite geschoben, und Humbati mit seinen schwarzen Bataillonen stürzte aus der Lücke hervor. Dann erschollen die Trompeten, und die Dragoner schwangen sich in den Sattel. Major Walker zog sein Schwert und befehligte die Buern zu ihren Pferden. Es galt den weichenden Feind völlig zu verjagen. Nach rechts hin, auf den linken Flügel der Zulus, warfen sich Humbatis wilde Krieger, nach links hin trabten die Dragoner. Ihnen folgten die Buern.
Pieter Maritz ritt neben dem Leutnant Dubois vor den Reihen der Buern, und Major Walkers mächtige Reiterfigur wies ihnen den Weg. Er wandte sein rotes Gesicht, sich im Sattel drehend, den Reitern zu, schwang den Pallasch und rief, indem er nach den Dragonern zeigte, die etwas voraus waren: »Vorwärts, ihr braven holländischen Dickköpfe! In eine Linie mit den Dragonern! Ihr sollt mir eine Frikassee aus den Niggern machen!«
Aber den Buern gefiel der Reiterangriff nicht. Sie trabten zwar eine Strecke weit vor, als sie aber merkten, daß die Zulus sich wieder setzten und dicke Haufen bildeten, als Kugeln ihnen entgegenflogen, da siegte bei ihnen die alte Gewohnheit. Sie hielten an, ohne auf den drohenden Ruf des Majors und des Leutnants Dubois zu achten, stiegen von den Pferden, warfen sich in das Gras und begannen zu feuern. Pieter Maritz allein blieb bei den Offizieren, und indem er Jager vorwärts trieb, sah er sich in wenigen Minuten neben der vordersten Schwadron der Dragoner, an deren Flügel Lord Fitzherbert ritt. Gleich darauf schloß sich Leutnant Dubois an, und dann erschien fluchend und tobend Major Walker auf seinem großen Schlachtroß.
Die Zulus waren auf der Flucht, aber ein Teil von ihnen hatte sich doch in Klumpen zusammengeballt und wandte dem verfolgenden Feinde das Gesicht zu. Ihre Kriegskunst war nur auf den Angriff berechnet und sie verstanden wenig von der Verteidigung. Der Mut mußte bei ihnen die Kunst ersetzen. Doch hatte Dabulamanzi mit dem glücklichen Blick des geschickten Heerführers während des Rückzuges einen Platz ausersehen, der durch Busch und Schilf nahe dem Flusse einen Vorteil für die Gegenwehr bot, und dorthin einige Tausende aus den besten Regimentern geleitet.
Pieter Maritz sah, als er mit den Dragonern gegen die dunkle Masse dieses letzten geschlossenen Restes der Zuluarmee anritt, des Prinzen Gestalt zu Pferde über das Fußvolk hinwegragen und zeigte sie seinem englischen Freunde. Ein wildes, jubelndes Gefühl der Kriegslust erfüllte seine Brust, als er den Feind vor sich sah und das Stampfen der Rosse, das Klirren der Waffen um sich her vernahm. Er warf die Büchse auf den Rücken und riß laut jauchzend die spanische Klinge aus der Scheide. »Adolphus!« rief er dem Lord zu, »dort Dabulamanzis goldener Stirnreif! Um die Wette, wer ihn erobert!«
»Drauf los, es gilt!« antwortete der Engländer.
Er ritt heute den prächtigen Rappen, mit dem er einst den Wettritt mit dem Buernsohn gemacht hatte, und wieder lief Jager mit dem schönen Tiere um den Preis des Sieges.
Die Zulus steckten in Schilf und Gebüsch und zeigten eine drohende Miene. Sie glichen dem Raubtier, das in die Enge getrieben ist und die Zähne zeigt. Sie waren still und ingrimmig, sie schlossen sich um ihre Indunas und des Königs Bruder zusammen, sie bildeten einen Zaun aus ihren Schilden und streckten die Stoßassagaien als Dornhecke vor. Dazu schossen sie aus den Gewehren, und manche Kugel flog in die Dragonerschwadronen, so daß hier und da Mann und Pferd rasselnd zusammenstürzten.
Doch in voller Karriere stürmten die Reiter heran, die Pallasche hoch geschwungen, und jetzt waren sie so nahe am Feinde, daß sie deren düstere Gesichter erkennen konnten. Ein Schauer von Assagaien sauste ihnen entgegen, und er war gut gezielt. Major Walker ward von einer scharfen Spitze in den Hals getroffen, die ihm für immer den Geschmack an schweren Getränken verdarb. Wie ein gefällter Baum stürzte er krachend zu Boden. Viele Pferde bäumten sich auf und sanken in die Kniee. Im nächsten Augenblick aber waren die Reiter im Dickicht und zwischen den nackten Gestalten; ein wildes Handgemenge entbrannte.
Den Zulus war der Kampf mit Kavallerie ungewohnt, und da sie nur ihre vornehmsten Indunas zu Pferde kannten, hatten die Tiere etwas Schreckenerregendes für sie. Doch fanden sie sich in ihrem verzweiflungsvollen Mut sehr bald in die neue Lage. Während die Dragoner in vollem Rosseslauf auf sie einsprengten und mit ihren schweren Pallaschen von oben herab hieben, versuchten die Zulus teils mit vorgehaltenen Speeren die Attacke aufzuhalten, teils an die Zügel zu springen und mit ihren Kirris die Reiter herunterzuschlagen. Als die Dragoner inmitten des hohen Schilfes und der Büsche, inmitten der schwarzen Haufen von Männern waren, kam es auf die Kraft und Geschicklichkeit der einzelnen an, und während die berittenen Soldaten der Königin ihre Pferde ringsum tummelten und hieben und stachen, entspann sich mancher Zweikampf zwischen einem Rotrock und einem nackten Schwarzen. Die Zulus glitten gleich Schlangen zwischen die Reiter, nestelten sich, geschmeidig dem Schwert und den Hufen ausweichend, an Sattelzeug und Zügel an, und stachen mit den Assagaien oder hieben mit dem Kirri. Mancher Ochsenschild ward von den englischen Klingen durchhauen und mancher künstliche Kopfputz von scharfen Hieben durchschnitten.