Pieter Maritz ritt mitten im Getümmel, und links von ihm war Lord Fitzherbert, rechts der Leutnant Dubois, der sich die Ehre des Einhauens in der ersten Linie nicht wollte nehmen lassen, obwohl seine Buernreiter weit dort hinten waren und, klug im Grase vorwärts gehend, Schuß auf Schuß hinter den Fliehenden hersandten. Alle drei strebten um die Wette vorwärts und hatten den Mittelpunkt der starken Zuluschar, den Prinzen Dabulamanzi, ins Auge gefaßt. Wilder Taumel hatte sich der Empfindungen des Buernsohnes bemächtigt, und er dachte mitten im Blutvergießen nur noch an Kampf. Dennoch leitete kühle Besonnenheit seine Handlungen, soweit sie sich auf sein Ziel bezogen, und gleichsam ein neuer Sinn, die Geistesgegenwart im Handgemenge, lenkte ihm Auge und Arm. Wie in einem instinktmäßigen Ahnen, ohne darüber nachzudenken, vermied er die Assagaien und parierte die Schläge der Kirris. Ein riesiger Zulu sprang ihm entgegen und streckte seine Hand nach Jagers Zügel aus. Aber Pieter Maritz warf das Pferd zur Seite und hieb blitzschnell zu, so daß die gute Klinge, Lord Fitzherberts Gastgeschenk, den Streifen von Leopardenfell und die schwarzen Federn auf des Zulu Stirn durchschnitt und der nackte Krieger in die Kniee fiel, während Schild und Speer seiner Faust entsanken. Ein Induna vom »Regiment des Königs« zielte auf ihn mit dem Wurfassagai, aber indem der leichte Speer heranflog, duckte sich der Buernsohn, und die scharfe Spitze streifte nur den Hutrand. Vorwärts trieb er Jager in das dickste Getümmel hinein, denn neben ihm brachen sich auch der Lord und der Franzose mit schweren Hieben eine Bahn, und trotzig hielt noch immer inmitten einer auserwählten Truppe Prinz Dabulamanzi im Hintergrunde.
Das Schilf ward von Rosseshufen und den Füßen vieler Männer niedergetreten und schwarze Gestalten lagen zwischen den harten scharfen Halmen neben den Körpern von Dragonern und Pferden. Rücksichtslos traten die Hufe der nachdringenden Reiter auf die Leiber der Toten und Verwundeten. Allen voran kamen die drei um die Wette kämpfenden Streiter. Jetzt war Leutnant Dubois am weitesten vor. Der zähe, kriegsgewohnte Mann hatte sich einen blutigen Pfad gebahnt. In der Linken hielt er den Revolver, in der Rechten einen langen Stoßdegen, den er schon in manchem Kampfe geführt hatte, und den Zügel hielt er mit den Zähnen. Aber zu seiner Verwunderung erblickte er den Buernsohn ganz in seiner Nähe im Gewühl. Zwanzig Schritte weiter links hieb Lord Fitzherbert, weit ausholend, nach beiden Seiten von seinem großen Rappen herunter.
Nun war die letzte Reihe der Zulus durchbrochen, und die Reiter sahen Dabulamanzi selbst, von wenigen Kriegern umgeben vor sich. Als Pieter Maritz gegen ihn ansprengte, begegnete sein Blick dem kriegerischen Auge des schwarzen Prinzen, und ein Blitz des Wiedererkennens flog zu ihm herüber. In stolzer Haltung hielt Dabulamanzi den Speer empor, und mit vornehmer Anmut saß die schlanke, glänzend schwarze Gestalt auf dem bunt gefleckten Fell, welches den Rücken des Fuchses bedeckte. Trotzig standen die treuen Begleiter um ihn her, und während die Trauer über ihre Niederlage und die Ahnung vom Untergange des Zulureiches sich in ihren düsteren Gesichtern malte, zeigte ihre Stellung an, daß sie zugleich mit dem Siege auch ihr Leben aufgaben.
Ein Assagai, von einem der Fußgänger geschleudert, sauste dem Buernsohne entgegen und fuhr ihm zwischen Brust und linkem Arm hindurch. Pieter Maritz fühlte einen schneidenden Schmerz an der Innenseite des Arms, doch ließ er die Zügel nicht los. Jetzt kamen Lord Fitzherbert und der Franzose zu beiden Seiten an ihn heran und griffen alsbald neben ihm die finstere Gruppe der letzten Verteidiger des Schlachtfeldes an. Pieter Maritz rief Jager eine Ermunterung zu und schwang sein Schwert, ohne auf die Streiter zu Fuß zu achten, allein gegen Dabulamanzi.
Der Sieg von Gingilowo.
Der Prinz holte zum Stoße aus und schwang den Speer gerade gegen die Brust des Buernsohnes. Aber Pieter Maritz traf den Assagai mit einem schnellen Hiebe hinter der Spitze, und die vortreffliche Klinge zerschnitt den starken Rohrschaft, so daß das spitzige Eisen zu Boden fiel. Nun war Jager mit einem Satze neben dem Fuchs, und in demselben Augenblick traf des Buernsohnes Degenstoß den schwarzen Heerführer in die nackte Brust. Dabulamanzi breitete die Arme aus und sank rückwärts, ein Wehgeheul drang von den Lippen der umgebenden Zulus empor. Pieter Maritz aber griff mit starker schneller Hand, während er den Degen mit den Zähnen hielt, nach dem Goldreif auf dem sinkenden Haupte, riß ihn ab und schwang ihn triumphierend in die Höhe.