[Dreiundzwanzigstes Kapitel]
Prinz Ludwig Napoleon

Der Anblick des Schlachtfeldes hatte sich verändert. Nicht mehr der wilde Angriff der todesmutigen Zulus, nicht mehr der donnernde Gesang und das gellende Rufen der schwarzen Krieger erfüllten das wellenförmige Land, und aus den drohenden Wällen des englischen Lagers sprühte nicht mehr der bleierne Tod. Als die Dragoner den letzten Widerstand des weichenden Heeres niedergeworfen hatten, da waren nur noch flüchtige Scharen, traurige Überreste der stolzen Regimenter Tschetschwajos zu sehen. Sie flüchteten dem Flusse zu, viele waren schon hindurchgeschwommen, andere waren im Wasser, die letzten eilten, sich in die Wogen zu stürzen. Hinter ihnen ritten die Dragoner, und mancher Schwerthieb, von oben auf nackte Schultern und schön geputzte Köpfe niedersausend, warf noch Flüchtige nieder. Hinter ihnen ritten und liefen die Buern und sandten aus sicherer Ferne ihre unfehlbaren Schüsse. Am schrecklichsten aber hinter den fliehenden Massen waren Humbatis schwarze Bataillone. Sie streiften die Walstatt ab, soweit sie mit den Körpern der Gefallenen bedeckt war, und stießen allen, in denen noch Leben war, den Assagai durchs Herz. Kein Verwundeter kam davon. Engländer und Buern kannten die Schonung, und wo sie einen Mann am Boden sahen, da eilten sie vorbei und strebten, die noch Rüstigen zu erreichen; aber das schwarze Volk in seinem Blutdurste kannte nicht Mitleid, nicht Edelmut. Alle, alle wurden ermordet, die, von Kugeln getroffen, sich noch winden konnten, und den Toten wurden Waffen und Schmuck, die zierlichen Ketten und Ringe, schöne Federn und Amulette vom Leibe gerissen. So zeigten sich die eigenen Brüder grausamer gegen die Unterlegenen als der weiße europäische Feind.

Pieter Maritz ritt mit den Dragonern zurück, trug Dabulamanzis Kopfring in der rechten Hand und blickte von Zeit zu Zeit nach dem Blut, das ihm in seinem zerrissenen linken Ärmel herunterlief. Der schöne neue Rock dauerte den Buernsohn. Es war ihm fast wie in einem Traume. Der betäubende Wirbel des Kampfes hatte aufgehört und seine Erlebnisse zogen ihm schattenhaft durch die Erinnerung. Neben ihm ritten außer Lord Fitzherbert und dem Franzosen noch mehrere andere Offiziere und beglückwünschten ihn zu seinem Erfolge. So kamen sie bis nahe dem Lager zurück, wo Lord Chelmsford inmitten seines Stabes hielt und die Truppen aus dem Lager aufmarschierten.

Der Kommandant der Dragoner führte Pieter Maritz gerade auf den Oberbefehlshaber zu und stellte ihn vor, indem er Meldung über die ausgeführte Verfolgung machte.

»Ich empfehle Eurer Excellenz Beachtung insbesondere diesen jungen Mann,« sagte er, »der sich in hervorragender Weise tapfer und geschickt gezeigt hat. Durch seine Hand fiel der feindliche Heerführer, und der Ring hier ward von ihm im Handgemenge von des schwarzen Prinzen Kopf genommen.«

Lord Chelmsford heftete seinen Blick auf das errötende Gesicht des Buernsohnes und erkannte ihn wieder.

»Ist das nicht der junge Mensch, der Zeuge des Kampfes von Isandula war?« fragte er.

Pieter Maritz zog seinen Hut und verneigte sich.

»Aber Sie sind verwundet, ich sehe Ihren Rock voll Blut,« sagte der Lord.

Dann wandte er sich um. »Doktor Johnson,« rief er, »haben Sie die Güte, diesen jungen Mann zu verbinden.«