Ein Herr in der Uniform der englischen Stabsärzte kam herangeritten.
»Vorläufig will ich selbst ein Pflaster auf die Wunde legen,« sagte Lord Chelmsford dann. Mit diesen Worten nahm er von seiner mit Orden bedeckten Brust das Viktoriakreuz ab und heftete es auf Pieter Maritz' Bluse.
»Im Namen Ihrer Majestät der Königin,« sagte er, »überreiche ich Ihnen hier dieses Ehrenzeichen für militärische Auszeichnung. Den goldenen Ring bitte ich Sie, mir auszuliefern, damit ich ihn den Trophäen hinzufügen kann. Das dreifache Gewicht des Ringes soll Ihnen in Gold ausgezahlt werden.«
Pieter Maritz murmelte einige Worte des Dankes und war fast bewußtlos unter der Last der Ehre und Freude, die sich auf sein Haupt häufte. Alle Offiziere drängten sich um ihn, wünschten ihm Glück und schüttelten ihm die Hand. Dabulamanzis Ring ward von einem zum andern gereicht und neugierig betrachtet.
»Danken wir Gott,« sagte Lord Chelmsford, »daß der Mann, der ihn trug, am Boden liegt. Er war ein ausgezeichneter Feldherr, und niemals sah ich einen kühneren Krieger.«
Dann ritt er vorwärts und gab Befehle für die ferneren Maßregeln des Heeres. Die Zulus sollten die Leichen der Feinde in einiger Entfernung vom Lager zusammentragen und begraben. Die Armee sollte auf der Stelle bleiben, wo sie stand, und nach dem heißen Kampfe der Ruhe pflegen. Lord Chelmsford sah nach seiner Uhr, sie zeigte auf acht. Die Schlacht hatte drei Stunden gedauert. Der Morgen des 2. April war blutig gewesen im Zululande.
Pieter Maritz ließ seinen Arm von dem Arzt untersuchen. Es zeigte sich eine starke Fleischwunde im Oberarm, doch als sie ausgewaschen und verbunden worden war, folgte der abgehärtete Buernsohn dem Zahlmeister der Armee auf dessen Einladung zu dem Wagen im Lager, wo die Kriegskasse aufbewahrt wurde. Dort legte der Zahlmeister Dabulamanzis Ring auf eine Schale einer Goldwage und häufte Sovereigns in der andern Schale an. Der Ring war massiv und wog schwer, hundertundsechzig Sovereigns mußten übereinander gelegt werden, um sein Gewicht zu erreichen. Dann zahlte der Beamte dem glücklichen Knaben vierhundertundachtzig Pfund Sterling aus, und schwer mit Gold beladen ging Pieter Maritz davon. Er that den Beutel in den Mantelsack, und dann setzte er sich mit gutem Appetit bei den Dragonern zum Frühstück nieder und verzehrte gemeinsam mit Lord Fitzherbert eine Wildpastete, die in London eingemacht war, und ein großes Stück Schiffszwieback, das in Kapwein getunkt wurde. Hierauf schlief er im Schatten eines Zeltes ein und that einen festen Schlaf bis zum Anbruch des folgenden Morgens.
Die Trompeten weckten ihn, die Dragoner sattelten, Lord Chelmsford ließ eine fliegende Kolonne aufmarschieren, die Ekowe aufsuchen sollte.
Pieter Maritz fühlte sich frisch und stark, er ließ sich neu verbinden, zog den vom Assagai gerade an der rechten Stelle ausgeschnittenen Ärmel über den Verband und stieg zu Pferde.
Hundert Buern unter Befehl des Leutnants Dubois sollten die Kolonne begleiten, die aus den Hochländern, dem 60. und dem 57. Regiment und dem größten Teil der Kavallerie nebst vier Geschützen bestand. Die Seebrigade, das 99. Regiment und die Zulubataillone blieben mit der Hauptmasse der Artillerie zurück, um das feste Lager besetzt zu halten. Nach der Berechnung des Lord Chelmsford war der Angriff am vergangenen Tage nicht von der ganzen Macht der Zulus, sondern nur von zwölftausend Mann ausgeführt worden. Da Oberst Pearson die Nähe eines viel größeren Heeres signalisiert hatte, war es nicht unwahrscheinlich, daß noch fernere Kämpfe in der Nähe von Ekowe zu bestehen sein würden.