Aber diese Erwartung erfüllte sich nicht. Ohne Störung ging der Marsch vor sich. Der Inyezane ward in einer Furt durchschritten, und der Übergang machte keine Schwierigkeit, da der Fluß, nachdem die Gewitterflut sich verlaufen hatte, wieder niedrig in seinem Bette floß, und die durch Wagen nicht gehemmte Kolonne kam am Nachmittage vor dem Fort an, ohne mehr als vereinzelte Zulutrupps gesehen zu haben. Der Schrecken der Niederlage und des Falles ihres Führers hatte die Zulus verscheucht, sie mochten sich nach Norden zurückgezogen haben, und nur die Spuren ihres Lagers rings um Ekowe waren noch zu bemerken.

Oberst Pearson kam mit einer kleinen Schar dem Lord Chelmsford entgegen, als dieser nahe dem Fort war. Die Freude unter den Belagerten war groß. Seit dem 22. Januar waren sie, ringsum von Feinden umgeben, in dem festen Platze eingeschlossen gewesen und nun waren sie beinahe verhungert. An jenem 22. Januar, der die Niederlage von Isandula gebracht hatte, war ein starkes Zuluheer auch auf Oberst Pearson gefallen, hatte heftig mit ihm gekämpft, seine Truppen völlig in das Fort zurückgeworfen und ihn dann bis heute belagert. Schrecklicher Jammer hatte in Ekowe geherrscht. Fleisch und Brot waren zu Ende gegangen, die elendesten Nahrungsmittel waren nur in geringen Mengen noch zu haben gewesen, und nur noch der Sieg bei Gingilowo rettete die ganze Kolonne des Obersten Pearson vom Tode. Etwa zwölfhundert Mann waren in dem hochgelegenen, mit festen Wällen umgebenen Platze. Die Engländer, an reichliche Kost gewöhnt, glichen wandelnden Leichen und waren zum großen Teil so krank, daß sie kaum noch gehen konnten. Blaß und hohläugig lagen sie umher. Nur die Schwarzen waren noch einigermaßen munter. Sie hatten gegessen, was die Europäer weder beißen noch verdauen konnten, hatten zuletzt die großen Reiterstiefel ihrer weißen Befehlshaber in Öl gesotten und verzehrt und dazu ihren Gürtel enger geschnallt. So waren sie ziemlich frisch geblieben und tanzten vor Lust, als die Mannschaften des Lord Chelmsford ihre Brotbeutel öffneten und ihre Flaschen umherreichten.

Fort Ekowe, ehedem Missionsstation mit einer Kirche und mehreren Häusern, lag auf einem hochragenden Hügel, und von hier aus konnte das Land weithin überblickt werden. So war es dem Obersten Pearson auch möglich geworden, sich auf die Entfernung von fünf deutschen Meilen hin, bis zu den festen Plätzen am Tugela durch den Heliographen mit dem Oberbefehlshaber in Verbindung zu setzen. Ringsum war hier die Landschaft von wildem Charakter, stark durchschnitten, voller Hügel und Thäler und dicht bewachsen.

Pieter Maritz sah den Oberbefehlshaber mit dem Oberst Pearson und mehreren andern hohen Offizieren auf dem Walle stehen und bemerkte, daß Lord Chelmsford lange Zeit schweigend durch sein Fernrohr blickte und dann sich mit den andern Offizieren beriet. Der General erblickte den Buernsohn, winkte ihm und gab ihm den Auftrag, Leutnant Dubois herbeizuholen.

»Ich gewahrte dort im Norden einen starken Rauch,« sagte Lord Chelmsford zu dem Franzosen, als dieser, von Pieter Maritz begleitet, herangekommen war. »Reiten Sie doch mit einer starken Patrouille aus, um zu sehen, was dieser Rauch bedeutet. Die Buern sind mir von dem größten Nutzen,« fügte er, zu Oberst Pearson gewandt, hinzu, »und ich wüßte nicht, was ich ohne sie anfangen sollte. Weder Roß und Reiter sind jemals müde, sie thun den Vorpostendienst fast allein.«

Leutnant Dubois entfernte sich, um den Befehl auszuführen, und mit ihm stiegen Pieter Maritz und fünfzig Buern zu Pferde. Sie ritten gerade nach Norden.

»Ich weiß wohl, was der Rauch bedeutet,« sagte Pieter Maritz zu dem Leutnant, als sie sich von dem Fort entfernten. »Sehen Sie, wie trocken das Gras ist. Die Zulus stecken es an, um uns den Vormarsch zu erschweren. Ich kenne ihre Manier. Sie brennen das Land ringsum ab, so daß die Pferde und Ochsen des Feindes kein Futter finden.«

Leutnant Dubois ritt weiter, um sich zu überzeugen, und sie fanden den Rauch, je mehr sie nach Norden kamen, dichter und dichter. Der Wind trieb ihnen den Geruch und feine Asche verbrannter Gräser und Sträucher entgegen. Sie kamen an einen Kral, der verlassen war und in Flammen stand, und endlich kehrte die Patrouille um.

Lord Chelmsford stand, als sie zurückkehrten, wieder auf dem Walle, umgeben von Offizieren. Es war Nacht geworden, und ein Flammenmeer breitete sich in der Ferne aus.

»Ich dachte es mir,« sagte der General, als Leutnant Dubois seine Meldung abgestattet hatte. »Ah, diese Zulus! Wir können Ekowe nicht halten, es ist ein verlorener Posten. Wir können nicht weitermarschieren, denn wir sind zu schwach, um auf Ulundi vorzurücken. Ich bedarf noch großer Verstärkungen, ehe ich den Krieg zu Ende führen kann. Ich muß fünfundzwanzigtausend Mann haben. Im Lager von Gingilowo habe ich nur noch für eine Woche Lebensmittel, wie kann ich dort bleiben? Dies ist ein schrecklicher Krieg! Wir haben schon mehr als hundert Offiziere verloren. Um mit einer Armee vorzugehen, die den Zulus im freien Felde überlegen ist, bedarf ich eines ungeheuren Trains, und wie komme ich mit einem solchen Train durch dies Land? Oberst Pearson,« schloß der General, »lassen Sie alle Vorkehrungen treffen, um morgen früh abmarschieren zu können. Die Ingenieure sollen die Wälle sprengen. Wir gehen morgen auf Gingilowo zurück.«