Der Marsch ging zum Lager auf dem siegreich behaupteten Schlachtfelde zurück, dort wurde zwei Tage gerastet, um der früheren Besatzung von Ekowe Ruhe zu gönnen, und dann ging es weiter zurück in die festen Stellungen am Tugela, aus denen Lord Chelmsford aufgebrochen war, um Oberst Pearson zu entsetzen. Woche nach Woche verging, und keine neue Unternehmung ward gewagt. Doch auch die Zulus hielten sich still, kein Angriff erfolgte, nichts war von ihnen zu sehen.
In dieser Zeit der Ruhe, während Lord Chelmsford sich nach dem andern Flügel begab und den Oberst Wood besuchte, der sein Hauptquartier wieder nach Utrecht verlegt hatte, kamen immer neue Truppen von Port Natal und brachten viele Pferde und noch mehr Maultiere mit, die aus den fernsten Ecken der Erde zusammengeholt und auf Dampfern übers Meer gebracht worden waren. Pieter Maritz sah mit Erstaunen die großen Vorbereitungen des reichen Englands. Wunderschöne Regimenter kamen an und blieben teils in dem Lager am unteren Tugela, teils zogen sie nach dem linken Flügel in Transvaal. Ein prächtiges Regiment, die 17. Ulanen, erregte Pieter Maritz' Interesse. Sie trugen lange Lanzen, unter deren Spitzen kleine Fähnchen im Winde flatterten. Mit den Dragonern zusammen marschierten sie nach dem Norden, nach Transvaal, und es hieß, daß die Buern sich schwierig zeigten, so daß die englische Regierung es für gut halte, zahlreiche Kavallerie in deren Lande zu lassen. Mehrere Batterien Artillerie und zahlreiches Fußvolk verstärkten die Heeresabteilungen an den Grenzen des Zululandes. Oberst Wood wurde inzwischen zum Brigadiergeneral ernannt, seine an Kavallerie sehr starke Kolonne ward auf mehr als dreitausend Mann gebracht und eine fliegende Kolonne genannt, da sie zu weiten schnellen Unternehmungen bestimmt war. Eine andere Kolonne, unter Befehl des Generals Newdigate, deren Hauptquartier in Doornfontein war und welche die stark zusammengeschmolzene Abteilung des Obersten Glyn in sich aufnahm, erreichte eine Stärke von über zehntausend Mann, und die Kolonne am unteren Tugela, bei welcher Pieter Maritz sich befand und welche vom General Crealock befehligt wurde, zählte über neuntausend Mann. Lord Chelmsford weilte im Transvaallande, und es hieß, er wolle von dort aus in das Zululand einzudringen versuchen.
Doch verbreitete sich Mitte Mai im Lager am Tugela die Nachricht, die Königin sei unzufrieden mit der Regierung des Generalgouverneurs Sir Bartle Frere und der Kriegsführung des Lord Chelmsford, da er noch immer den König Tschetschwajo nicht zur Unterwerfung gebracht habe, und sie habe den glücklichsten General ihrer Armee, Sir Garnet Wolseley, abgesandt, um an höchster Stelle sowohl die Civilregierung als auch den Krieg in Südafrika zu leiten.
Zu dieser Zeit erhielten auch die Buernreiter Befehl, aufzubrechen und der Grenze von Natal entlang nach Transvaal zu marschieren. Sie waren in unablässigem Vorpostendienst gewesen, indem sie der Front entlang auf Meilen weit Patrouillen ausgeschickt und vor den festen Plätzen Fort Tenedos, Fort Pearson, Fort Williamson und Fort Chelmsford auf Posten gestanden hatten. Manchen Tag und manche Nacht hatte Pieter Maritz im Sattel gesessen und seine Wunde war inzwischen vollständig geheilt. Sein vieles Geld hatte er bei einem der Buern in Durban niedergelegt, an welche ihn Joubert empfohlen hatte. Die englische Armee war in beständiger Sorge eines Angriffs der Zulus und in Verwunderung darüber, daß der schnelle Feind, den kein Gepäck, kein Train in seinen Märschen hinderte, nicht längst schon auf irgend einem Punkte der langen Grenze in englisches oder Buerngebiet hereingebrochen sei.
Am 20. Mai traf die Reiterschar des Leutnants Dubois bei Rorkes Drift ein, wo das Land dem Buernsohn von früheren Ritten her wohlbekannt war, und hier vereinigten sich die Buern mit einer starken Abteilung, die unter dem Befehl des Generals Marshall eine Rekognoszierung in das Zululand hinein machen sollte. Hauptsächlich Kavallerie und reitende Artillerie bildeten diese Abteilung, und die Geschütze waren mit Pferden bespannt, um behende bewegt werden zu können. Es war das Dragonerregiment, die Hälfte des 17. Ulanenregiments, die reitenden Buern und dazu vier Kompanien vom 24. Regiment, welches bei Isandula so schwer gelitten hatte. General Marshall sollte erkunden, was die Zuluabteilungen im Schilde führten, welche sich in der Gegend gezeigt hatten, wo die schreckliche Niederlage am 22. Januar stattgefunden.
Als Pieter Maritz am Morgen des 21. Mai an der Seite des Leutnants Dubois vor der Buernschar ritt, während links die Fähnchen der Ulanen glänzten und hinten die rote Masse der Dragoner folgte, sah er den General, welcher von rückwärts herangesprengt kam, von mehreren Offizieren begleitet und bemerkte neben ihm eine Reitergestalt, welche seine Aufmerksamkeit fesselte. Es war ein junger Mann in der prächtigen Uniform der englischen Artillerie, auf einem Fuchs von der edelsten Rasse. Sein Gesicht war zart und blaß, und ein kleiner dunkler Schnurrbart beschattete die Oberlippe. Er trug den weißen Korkhelm mit einem weißen Schleier umwunden, wie die englischen Offiziere wohl zu thun pflegten, um die Glut der Sonnenstrahlen zu mildern.
Zugleich mit dem Buernsohn hatte auch Leutnant Dubois diesen Reiter erblickt, und in dem wettergebräunten Gesicht des alten Soldaten zeigte sich tiefe Bewegung. Als General Marshall mit seinem jugendlichen Begleiter an der Buernschar vorübertrabte, warf der Franzose sein Pferd zur Seite, um Front gegen die Vorbeikommenden zu machen, und nahm nach Art der Franzosen und entgegen der englischen Sitte zum Gruße den Helm vom Kopfe.
Ein freundliches Lächeln erschien auf dem Gesicht des jungen Mannes, welcher fröhlich mit dem General plauderte, und er tauschte einige Worte mit seinem Begleiter aus. General Marshall benahm sich gegen den jugendlichen Artillerieoffizier mit ehrerbietiger Höflichkeit. Dann kam der Fremde auf Leutnant Dubois zugeritten.
»Ein Landsmann, wie ich höre,« sagte er mit vornehmer Liebenswürdigkeit zu dem Leutnant. »Ich habe es mir gedacht, als ich Sie sah, daß dies Gesicht aus unserm alten lieben Frankreich stamme.«
Leutnant Dubois verneigte sich bis auf den Hals des Pferdes.