»Das ist der Fuchs des Prinzen!« rief Pieter Maritz, indem er es am Zügel ergriff. Leutnant Dubois betrachtete das Pferd. Es war gesattelt, in den Pistolenhalftern steckten ein Revolver, Karten und Papier, sowie ein Schreibzeug. Die Bügel hingen herunter, doch bemerkte Dubois, daß ein lederner Riemen, mit welchem der Mantelsack am hinteren Ende des Sattels befestigt wurde, zerrissen war und der Mantelsack fehlte. Das zerrissene Ende hing vom Sattelringe herab.
Dubois zeigte auf dies Ende. »Sieht es nicht aus,« fragte er, »als ob der Prinz beim Aufsteigen sich an dem Riemen gehalten hätte und als ob der Riemen dabei gerissen wäre?«
Sie ritten weiter und Pieter Maritz führte das Pferd am Zügel.
Nun kamen sie an eine Schlucht, in welcher ein wenig Wasser floß, und ein trauriger Anblick zeigte sich ihren Blicken. Ganz nackt lag ein weißer Leichnam in der Schlucht, und obwohl er von Blut bedeckt und auch das Gesicht schwer verletzt war, indem anstatt des rechten Auges nur eine fürchterliche Wunde sich zeigte, erkannten beide die blassen Züge des Kaiserlichen Prinzen. Er war von achtzehn Assagaiwunden durchlöchert. Zwei Stöße waren ihm von der Brust bis zum Rücken durch und durch gegangen, zwei Stöße hatten die Rippen von einer Seite bis zur andern durchbohrt. Alle Kleidung sowie das Schuhwerk war ihm genommen worden, nur ein schmales goldenes Kettchen hing ihm um den Hals, woran ein Medaillon und ein Skapulier mit dem Bildnis der Jungfrau Maria hingen. Die Zulus mußten vor diesen Gegenständen als vor Amuletten Scheu empfunden haben. Leutnant Dubois öffnete das Medaillon und fand darin die Bildnisse des Kaisers Napoleon III. und der Kaiserin Eugenie, sowie eine Locke von dem grauen Haar des Kaisers.
»O jammervolles Ende eines berühmten Geschlechts!« rief der Franzose in tiefster Bewegung, während Thränen, die seine Augen nie gekannt, über das kriegerische Gesicht hinliefen. »O du Hoffnung Frankreichs, mußtest du so kläglich sterben? In einem Winkel ermordet, von schwarzen Wilden mit Speeren abgeschlachtet, du Erbe des stolzesten Thrones der Welt! In deinen Adern floß das Blut des größten Siegers, dein Ahn erschütterte die Erde mit dem Nicken seines Hauptes, und du, armer Prinz, liegst hier nackt und bloß auf afrikanischer Erde, im Busche gefallen, in einem ruhmlosen Kriege!«
Während er in seinem Schmerze so rief und jammernd die Hände rang, erschienen die Lanzenspitzen der englischen Kavallerie über dem Rande der Schlucht, und General Marshall mit einigen Offizieren ritt heran.
»Durch eure Schuld ist er gefallen,« rief der Franzose den Engländern entgegen. »Konntet ihr ihn nicht besser beschützen? Er erwies euern Waffen eine Ehre, indem er sich zu ihnen gesellte, und ihr hättet wissen sollen, wie ihr einen Napoleoniden beschützen mußtet, der seine Jugend eurer Führung anvertraute. Uns trifft das Unglück, aber euch trifft der Tadel!«
Die englischen Offiziere stiegen von den Pferden und kamen betroffen zu der Stelle herab, wo die Leiche lag. Sie antworteten nichts auf die Anklage des französischen Kriegers und verziehen seinem Schmerze. Stumm und traurig, in tiefer Beschämung standen sie neben dem blutigen Körper.
Leutnant Dubois kniete nieder und küßte die Hand des toten Jünglings.
»Wie wird deine Mutter um dich klagen, unglücklicher Prinz!« rief er. »Nun hat sie alles verloren, was die Erde ihr noch Gutes bot. Der Kaiser ist dahin, mit ihm die Herrschaft und der Thron. Der Ruhm Frankreichs ist verloren! Du allein, armer Prinz, warest ihr und unser Trost, du schlossest in deiner Brust die Hoffnung und das Glück des kaiserlichen Frankreich, allen Stolz der Mutter ein. O welch ein klägliches Ende, welch ein Leid!«