Die englischen Offiziere nahmen einen Schild von einem der Zulus, welche die Kavallerie begleitet hatten, und legten die Leiche hinein. Dann deckten sie sie mit einem Mantel zu und trugen sie aus der Schlucht empor. Darauf ließen sie eiligst Botschaft nach dem Lager zurückgelangen und einen Ambulanzwagen kommen. Sie umhüllten die Leiche mit weißen Tüchern, legten sie auf dem Schilde in den Wagen und fuhren sie zurück. Die Nachricht vom Tode des Kaiserlichen Prinzen hatte große Bestürzung verbreitet, und alle hohen Offiziere kamen dem Zuge entgegen. Als der Wagen sich dem Lager bei Landmans Drift näherte, traten die Truppen unters Gewehr, und zwischen langen Reihen von Säbeln und Bajonetten bewegte sich der Trauerzug unter militärischen Ehren durch die Zeltstraßen. Inmitten des Lagers hielt der Wagen, und der Schild ward herabgehoben. Generale trugen ihn, und Leutnant Dubois nahm seinen Platz zwischen ihnen ein. Das Pferd des Prinzen ward am Zügel hinter dem Schilde hergeführt. So ging es nach des Prinzen Zelte.
Stille und das Gefühl der Beschämung lasteten auf dem englischen Heere. Der Fall des Prinzen Ludwig Napoleon fügte den schon erlittenen Niederlagen und Verlusten den herbsten Schlag hinzu, denn er verband sich mit dem Bewußtsein, daß alle Völker der Erde ihren Blick auf den Tod des Prinzen richten und die Kriegsführung Englands mit Erstaunen betrachten würden.
[Vierundzwanzigstes Kapitel]
Die Schlacht von Ulundi
Lord Chelmsford rückte vor. Er wollte einen Sieg erringen, ehe noch Wolseley die Armee erreicht hätte. Nach halbjähriger Kriegsdauer, nach langen Vorbereitungen, nachdem eine ungeheure Menge von Lebensmitteln in Hunderten von schweren Ochsenwagen aufgestapelt worden war, nachdem noch mehrfach kleine Gefechte mit angreifenden Zulus stattgefunden hatten, wagte er es, die Armee mitten in das Land der Feinde, gerade auf Ulundi zu führen. Von Transvaal aus brachen General Newdigate und General Wood auf, zahlreiche Reitermassen vor der Front, und von Natal, von der Mündung des Tugela aus marschierte General Crealock auf Ulundi. Die starken Kolonnen trafen sich im Zululande, und die ganze Armee wälzte sich mit ihrem gewaltigen Train gleich einem breiten Strome durch das Hügelland. Doch bald veranlaßte vorsichtige Überlegung den englischen Oberbefehlshaber, eine neue Teilung einzuführen. Da er über den Aufenthalt der Zuluarmee im ungewissen war, und auch ihre große Beweglichkeit kannte, ließ er General Crealock zurück, um die Verbindung nach rückwärts zu sichern und einem etwaigen Einbruch der Zulus in Natal zu begegnen. Er selbst ging mit den Divisionen Newdigate und Wood südlich vom Weißen Umvolosi vorwärts.
Pieter Maritz war immer unter den vordersten Reitern der Vorhut, die behenden Buern suchten das Land ab, bevor die schweren schönen Regimenter der englischen Kavallerie und Infanterie es durchfurchten. Mehreremal sah Pieter Maritz die düstere Gestalt Humbatis in seiner Nähe auftauchen. An der Spitze mehrerer tausend Zulus von Natal that er Späher- und Vorpostendienste, und eine schwarze Wolke von Zulukriegern umgab schützend den festen Kern des Heeres, welches zum Entscheidungskampfe heranrückte.
Auf beiden Seiten wütete das Feuer. Die weichenden Zulus zündeten überall, wo die Dürre es gestattete, das Gras an und flüchteten mit ihren Rinderherden. Die Engländer aber schossen mit Raketen und Shrapnels in jeden Kral, den sie am Wege trafen. Flammen und Rauchsäulen bezeichneten den Weg nach Ulundi.
Eines Tages sah Pieter Maritz, als er über einen Hügel ritt, von fern einen Zug von schwarzen Männern dem Heere entgegenkommen. Schon wollte er Meldung zurückschicken, daß der Feind nahe, als er wahrnahm, daß mehrere der herankommenden Zulus in lange weiße Gewänder gehüllt waren, gleich als wollten sie ihren friedlichen Sinn und eine Botschaft ankündigen. Er ritt zurück und meldete dem Führer der Vorhut, daß eine Gesandtschaft komme.