Der Marsch ging weiter. Die Buernreiter, dazu La Trobe Lonsdales Swazitruppen, Cooks leichte Kavallerie, die berittenen Basutos und Humbatis Zulutruppen waren immer voraus. Eine bunt zusammengesetzte Armee war es, die gegen Ulundi vorrückte. Die Swazis, Basutos und Zulus waren in ihrem Stolz auf die europäische Kameradschaft zum Teil in europäischem Kostüm. Viele marschierten in abgelegten Uniformen von Ulanen, Dragonern, Husaren und Infanteristen, aber mit nackten Beinen und Füßen, da Beinkleider und Schuhwerk sie zu sehr belästigten. Auf den schwarzen Köpfen saßen Helme, Tschakos und Feldmützen, auch wohl Bauernhüte oder schwarze Cylinderhüte mit Schleiern. Schilde und Speere zeigten sich neben Gewehren und Patrontaschen. Das Gebrüll vieler tausend Ochsen, das Klatschen der langen Peitschen mischten sich in den melancholischen Gesang der Hochländer und der schottischen Gardefüsiliere, deren Uniformen seltsam zu der afrikanischen Landschaft paßten. Maultiere aus Südamerika und Pferde aus Deutschland, Ungarn und Rußland weideten unter Palmen und Euphorbien. Der Lärm der Kolonnen scheuchte Löwen, Leoparden und Hyänen gleich den Antilopen aus der Nähe des Lagers hinweg.
Pieter Maritz war immer unter den vordersten Reitern, er erblickte Ulundi und die Krale in der Nähe der Hauptstadt zuerst. Es war am 2. Juli. Er kam einen Fußpfad daher geritten, zwei Buern hinter sich und ein Dutzend Zulus zu beiden Seiten, welche den dichten Wald durchspähten. Sie vermuteten die Nähe von Truppen Tschetschwajos. Vorsichtig untersuchten sie den Boden nach Fußspuren, und oft legten sie sich nieder und horchten, das Ohr ins Gras gedrückt, auf Erschütterungen, die sich etwa in der Ferne hören ließen. Es war Abend, und der Wald bot einen phantastischen Anblick. Die mächtigen Wurzeln der Bäume, hoch über die Erde emporragend, wirrten sich zu wunderlichen Gebilden ineinander, die afrikanische Eiche, der Seidenwollenbaum und lignum vitae bildeten ein schattiges Dach und eine nur schwer zu durchdringende Wildnis. Jetzt stieg Jager bergab, und ein helles Wasser schimmerte im Thale. Es fiel über Felsen herab und plätscherte, während weißer Schaum erquickend glänzte. Mit Wonne stürzten sich die schwarzen Krieger in das Wasser, und auch Pieter Maritz empfand die Kälte des Flüßchens mit Vergnügen, als er hindurchritt. Dann stieg der Pfad wieder an, und nach kurzer Zeit lichtete sich der Wald. Pieter Maritz hielt auf der Höhe sein Pferd an und blieb zwischen den Bäumen verborgen, gleich ihm blieben die begleitenden Zulus im Schatten zurück. Sie spähten in die Ebene hinaus.
Pieter Maritz sah die Landschaft wieder, welche er vor einem Jahre in Begleitung des Missionars gesehen hatte, die weite, von Höhen eingefaßte Thalsenkung, in der die schwarzen Ringe der Militärkrale und der Hauptstadt Ulundi gleich Kränzen auf grünem Teppich lagen. Nur bot sich ihm der Anblick heute etwas anders, da er auf einer andern Stelle, nahe dem Umvolosi, herangekommen war. Und auch in anderer Weise hatte sich das Bild verändert. Heute waren am Flusse hin und weiter zurück in der Ebene eine Menge von Zuluposten aufgestellt, und sie erschienen, von hier oben gesehen, wie kleine schwarze Flecken und in der Größe von Ameisen. Es wurde Pieter Maritz klar, daß der Zulukönig dicht vor seiner Hauptstadt und vor den Kralen, welche seine Vorfahren bewohnt hatten, eine entscheidende Schlacht schlagen wollte.
Nachdem er sich das Bild deutlich eingeprägt hatte, wandte er Jager und ritt zur Vorhut zurück, um zu melden, was er gesehen hatte, und von der Vorhut ging die Meldung an das rückwärtige Hauptcorps.
Die Engländer schlugen ihr Lager auf, um erst am folgenden Morgen bis an den Höhenzug diesseits des Umvolosi vorzurücken und dort zu erwarten, ob etwa, dem Verlangen des Lord Chelmsford gemäß, die vom Feinde erbeuteten Geschütze und Gewehre als Zeichen der Unterwerfung abgeliefert werden würden.
Als die Armee in der Frühe des 3. Juli heranmarschierte, zeigte sich schon diesseits des Flusses, daß die Zulus schwerlich an Unterwerfung dachten. In den Wäldern und Schluchten steckten zahlreiche kleine Abteilungen, und den ganzen Morgen hindurch knatterten die Gewehrschüsse um die Vorhut herum, indem die Buern, die reitenden Basutos und die Leute Humbatis sich mit einzelnen kecken Zuluschützen herumschossen. Gegen Mittag erreichte die Vorhut den letzten Höhenrücken vor dem Flusse und konnte den Fluß und die jenseitige Ebene übersehen. Starke Haufen standen jenseits auf den Höhen und feuerten aus ihren Büchsen herüber. Lord Chelmsford selbst war an der Spitze der Vorhut, ließ sie außer Schußweite halten und ein Lager aufschlagen, befahl aber dem Oberst Buller, mit seinen Reitern vorzugehen. Zugleich ließ er eine Batterie auf günstigem Platze auffahren und die Höhen, auf denen sich Feinde zeigten, mit Shrapnels beschießen.
Oberst Buller ging mit seiner starken Reiterabteilung, bei der sich auch außer den Engländern zweihundert Buern, und unter diesen Pieter Maritz, befanden, vorwärts, wandte sich nach der linken Seite, wo eine Furt im Flusse erkundet worden war, und ging durch den Umvolosi, während das Artilleriefeuer die Reiter schützte. Dann gingen die Reiter, rechts Dragoner, links Buern, von der Seite gegen die Höhen vor, auf denen die Zulus sich noch hielten. Die Zulus schossen, einige Leute stürzten von den Pferden, auch die Buern schossen, indem sie absprangen und dann wieder in den Sattel stiegen, und bald waren die Zulus verschwunden.
Oberst Buller folgte. Es war zu sehen, daß die Zulus in einen nahen Kral geflohen waren und von den Hütten und Dornenhecken aus feuerten. Oberst Buller ließ die Hälfte der Buern zurück, um den Übergang des Flusses zu sichern, und schwenkte mit seiner übrigen Kavallerie links, um den Kral anzugreifen. Hier bewährte sich die Fechtart der Buern. Sie warfen sich in das Gras, während ihre Pferde zurückblieben, und ihre sicheren wohlgezielten Schüsse machten den feindlichen Zulus den Aufenthalt in dem Kral und das Feuergefecht bald unleidlich. Sie verließen die Hütten und flüchteten von neuem, während nun die Dragoner hinter ihnen her jagten. Pieter Maritz, der unter den Schützen war, schwang sich gleichfalls in den Sattel und folgte neben dem Leutnant Dubois den Dragonern.
Schon glaubte Oberst Buller einen leichten Sieg erfochten zu haben, denn Ulundi selbst tauchte vor seinen Blicken auf, als die verfolgende Kavallerie vor eine lange tiefe Schlucht kam und plötzlich wohl zweitausend Zulus, die darin versteckt gelegen hatten, zum Angriff hervorbrachen. Die kleine Abteilung, welche geflohen war, zeigte sich nun als eine schwache Vorhut, welche die Bestimmung gehabt hatte, die Kavallerie in eine Falle zu locken. Aber das heiße Blut und die Gewohnheit des Angriffs ließen die Zulus den eigenen Plan nicht recht durchführen, und sie vereitelten selbst den Erfolg ihrer Kriegslist. Anstatt in der Schlucht liegen zu bleiben und zu feuern, warfen sie die Büchsen auf den Rücken und griffen mit Schild und Assagai an. Ein heftiges Handgemenge entspann sich. Assagaien flogen dicht wie Hagel durch die Luft und Speer und Säbel klirrten aneinander.
Pieter Maritz war mitten zwischen den Dragonern. Er hatte die Büchse über die Schulter gehängt und focht mit dem zweischneidigen Schwerte. Mit kluger Besonnenheit hielt er die offenen Augen ringsum auf der Wacht und vermied die fliegenden leichten Speere. Jetzt ward er von zwei Kriegern zugleich angegriffen. Der eine sprang nach dem Zügel, der andere kam mit dem Stoßassagai von der Seite. Aber Jager bäumte sich hoch empor, so daß der Griff des Zulu den Zügel verfehlte, und Pieter Maritz, zur Seite gewandt, hieb aus voller Kraft nach dem Manne, der ihn durchbohren wollte. Der Zulu hielt den Schild empor, aber die gute Klinge des alten Waffenschmiedes von Toledo schnitt tief in den Rand ein, spaltete die Ochsenhaut und fuhr mit der Spitze dem Zulu in die Stirn, so daß er niederstürzte. Dann warf sich der gewandte Buernsohn mit einem schnellen Sprunge seines Pferdes gegen den andern Mann, und Jagers Hufe warfen den Feind zu Boden.