Ein kühner Offizier fand sich an Pieter Maritz' Seite und rief ihm in diesem Augenblicke Beifall zu. Es war Lord William Beresford, der mit seinem Säbel Bahn brach in dem schwarzen Haufen. Ein Zulu stand ihm gegenüber, ein riesiger Schwarzer mit weißem Schilde, der dem Angriff des Engländers trotzen wollte. Lord Beresford stieß ihm den Säbel mitten durch den Schild, so daß die Brust des Mannes mit durchbohrt wurde. Jetzt sah Pieter Maritz seinen Freund Lord Adolphus Fitzherbert in großer Bedrängnis. Er war von vier Zulus umringt, und er schien sich ihrer kaum erwehren zu können. Blut lief dem Rappen vom Halse herab, und der Helm war dem Reiter vom Kopfe gefallen. Pieter Maritz vergaß des eigenen Heils und sprengte dem Freunde zu Hilfe. Er ritt einen der Schwarzen um, der gerade nach dem Zügel griff und hieb mit schnellen Schlägen unter die geschmeidigen behenden Feinde, so daß er dem jungen Offizier Luft verschaffte.

»Ich danke, mein Freund!« rief Lord Fitzherbert, »ich sehe, ich habe die alte Klinge dem rechten Mann gegeben.«

Aber die Zulus wurden zu mächtig, die Kavallerie mußte weichen. Jetzt sah Pieter Maritz auch von der Seite her dichte Massen heranlaufen, eine ganze Armee, welche gleichsam aus der Erde aufgetaucht zu sein schien und den englischen Reitern den Rückzug abschneiden wollte. Auch Oberst Buller hatte die neue Gefahr entdeckt, und die Trompeten mahnten zum Rückzug. Fast hätte nun aber Pieter Maritz vergessen, daß es Zeit war zu fliehen, denn er erblickte an der Spitze der von fern her kommenden schwarzen Massen eine Reitergestalt, die ihm wie eine Erscheinung aus einer andern Welt vorkam. Er konnte sich nicht täuschen. Das war die gebieterische Haltung, das war die winkende Armbewegung Dabulamanzis. War denn der tapfere Heerführer nicht von seiner Hand bei Gingilowo gefallen? Pieter Maritz zog die Zügel an und starrte wie versteinert auf den goldenen Ring auf dem Haupte des schwarzen Reiters. Doch die Trompeten mahnten und die Reiter flohen. Auch Pieter Maritz warf Jager herum und floh im schnellsten Galopp. Es galt die größte Eile, denn fast so schnell wie die Pferde kamen die Zulus hinter ihnen her, und Dabulamanzi führte einen starken Haufen quer über das Feld, um früher als die Kavallerie an den Fluß zu kommen. Es war ein Glück für die Fliehenden, daß die Buern in großer Anzahl zurückgeblieben waren. Sie lagen jetzt seitwärts in guten Deckungen, und ihre unfehlbaren Büchsen verbreiteten den Tod in den Reihen der Verfolger und hemmten deren Eile. Auch Lord Chelmsford hatte die Not des Obersten Buller bemerkt, und die Geschosse seiner Batterien auf der jenseitigen Höhe krachten in rascher Folge in den Massen der Zulus auseinander und sprühten Eisensplitter und Kartätschenkugeln ringsum. Unter dem Schutze dieses Feuers kamen die Reiter glücklich über die Furt zurück. Lord William Beresford trug einen verwundeten Sergeanten auf dem Sattel mit sich hinüber. Doch blieb mancher Mann drüben auf dem Felde liegen, und zwischen den schwarzen Leibern lagen Rotröcke in dem langen Grase.

Dies war der Tag, an welchem Lord Chelmsford noch auf Tschetschwajos Unterwerfung hatte warten wollen. Der König der Zulus hatte durch die That bewiesen, daß er kein Knecht sein wollte. Lord Chelmsford befahl den allgemeinen Vormarsch für den folgenden Morgen.

In der Frühe des 4. Juli fuhren englische Geschütze an zwei Punkten am hohen Ufer des Weißen Umvolosi auf, um den Flußübergang durch ihr Feuer zu sichern, und das englische Heer brach zum Angriff auf. Als die Kolonnen heranmarschierten und zum seichten Wasser der Furt hinabstiegen, zeigte sich aber zur Verwunderung der Europäer kein Feind, der den Übergang hätte stören wollen. Zuerst gingen die Buern hinüber und setzten sich zu beiden Seiten jenseits, unterhalb der Artillerie, im Ufergebüsch fest, um mit ihren Büchsen zur Hand zu sein, wenn etwa ein unerwarteter Ansturm erfolgen sollte. Doch zeigte sich kein Zulu. Dann kamen die langen Züge der Infanterie, dann folgte Artillerie und nahm jenseits Stellung, dann wieder Infanterie, dann Kavallerie und nach und nach das ganze bunte und in Waffen blitzende Heer.

Drüben formierte Lord Chelmsford die gesamte Masse in einer besonderen Art. Er hatte ohne Verschanzungen im freien Felde zu kämpfen und vorzurücken, er wußte, daß ein Angriff kommen mußte, und er wollte vorsichtig sein. Nicht in Kolonnen wollte er vorrücken, sondern im Viereck, um jeden Augenblick gerüstet zu sein. Das 80. Infanterieregiment und eine Batterie Gatlinggeschütze bildeten die Front, das 90. und ein Teil des 93. Infanterieregiments die linke Flanke, das 13. und das 58. Infanterieregiment die rechte Flanke, das 21., Teile des 24. und der Rest des 94. bildeten die Rückseite. In jedem Winkel des großen, hohlen Parallelogramms fuhren Geschütze auf, wie sich das bei Gingilowo nützlich und gut gezeigt hatte. Die Infanterie stand vier Glieder tief. Im Innern des Karrees waren die schwarzen Bataillone, die Kavallerie ward vorläufig draußen gelassen. Vom Train wurden nur die Munitionswagen mitgenommen und ebenfalls im Karree eingeschlossen, die Hauptmasse blieb im Lager auf dem andern Ufer unter starker Bedeckung zurück. Nur etwa sechstausend Mann brachte Lord Chelmsford zur Entscheidungsschlacht.

Die Bewegung des gewaltigen Vierecks war schwierig, und der Oberbefehlshaber wählte deshalb den ebensten Boden, das offenste Terrain. In der Front und auf der Rückseite marschierte die Infanterie in Linie, in den Flanken aber in einer Kolonne von schmaler Front. Die Artillerie paßte ihre Bewegung dem Marschschritt der Infanterie an. Um nicht unversehens auf eine Schlucht, einen Bach oder sonst ein Hindernis zu stoßen, welches den Marsch hätte aufhalten und Unordnung hervorrufen können, ließ Lord Chelmsford das Terrain auf eine weite Strecke hin von der Kavallerie untersuchen. Wiederum schwärmten die Buern vorauf.

Pieter Maritz wunderte sich, daß nichts vom Feinde zu sehen war. Wo steckten die Zuluregimenter? Wo war der Prinz Dabulamanzi geblieben? Er brannte vor Begierde, zu erfahren, ob der tapfere Heerführer, den er doch mit dem Degen getroffen hatte und der vom Pferde gesunken war, wirklich wieder an der Spitze der Armee sei oder ob nur eine Ähnlichkeit seine Augen getäuscht habe. Bekannt mit der Umgegend von Ulundi, wagte er sich weit vor und streifte ganz allein wohl tausend Schritte weiter als die andern Buern an Ulundi hinan. Als er so durch die Ebene hinjagte, schien es ihm, als ob er eine Bewegung in der Ferne bemerke, nahe dem Krale Lickasi, wo, wie er wußte, ein Hügel sich erhob, der eine weite Umsicht gestattete. Der kleine Kral Lickasi war ein Lieblingsplatz Tschetschwajos, und dorthin zog sich der König wohl bei großer Hitze zurück, um die frischere Luft der Höhen zu genießen.

Pieter Maritz sah sich um. Das englische Viereck war nicht mehr zu sehen, die Reiter hinter ihm waren ganz kleine Figuren. Sollte er noch weiter gehen? Er vertraute auf Jager und sprengte vor. Da sah er nach wenigen Minuten, was er vermutet hatte: er sah den König Tschetschwajo. Eine Masse von Zulus, wohl zweitausend Mann, war am Fuße des Hügels von Lickasi aufgestellt, und er erkannte den Schmuck und die Waffen der Garde. Die Männer standen unbeweglich, den Schild am Arme, in einer langen Reihe, mehrere Glieder tief, als Wache da, oben auf dem Hügel aber war ein dichter Haufe versammelt, der am Glanz der Ringe als der königliche Hofstaat zu erkennen war. Eine einzelne Gestalt stand vorn, auf einen hellen Stab gestützt, und Pieter Maritz erkannte die mächtige Figur des Königs.

Aber kaum hatte der Buernsohn diesen Anblick gewonnen, so pfiffen auch schon Kugeln ihm um den Kopf, und er sah eine kleine Abteilung der Garde schnellfüßig heranlaufen. Eilig wandte er sein Pferd und jagte davon.