Da ritt Lord Chelmsford vor die Reihen der Ulanen und zeigte mit der Hand auf Dabulamanzis Flügel, der noch immer standhielt. Hatten in der letzten Schlacht die Dragoner Lorbeeren errungen, so sollten heute die Ulanen den Sieg vollenden. Das Viereck öffnete sich, das stolze Regiment trabte hinaus, das Feuer verstummte auf der rechten Flanke, und die Schwadronen ritten zu staffelförmiger Attacke auf. Dann legte die vorderste Schwadron die Lanzen ein und jagte, die blinkenden Spitzen mit den flatternden Fähnchen gesenkt, gerade auf die Zulus los.

Aber die Zulus hatten von ihren Feinden gelernt, und Dabulamanzi war in ihrer Mitte. Sie schlossen sich eng zu einem Knäuel zusammen, streckten die Schilde vor und feuerten. Viele der Reiter mußten den Sattel räumen. Eine zweite Schwadron stürmte heran und griff über den Flügel der ersten hinaus mit der Lanze an, die dritte und vierte folgten, immer die vorderen überflügelnd, und ritten in die Feinde ein. Die Zulus erlagen unter dem wilden Ansturm. Vergeblich waren ihre Speere und Schilde, die langen Lanzen der Engländer, mit der Wucht von Roß und Mann vorwärts getrieben, durchbohrten Schild und Brust, und einer der tapferen Verteidiger nach dem andern sank zu Boden. Verzweiflungsvoll flüchtete Dabulamanzi mit einer kleinen Schar. Doch nahe an hundert Mann ließ das Ulanenregiment auf dem Platze zurück.

Jetzt brachen auch die Buern auf des Oberbefehlshabers Wink aus dem Karree hervor, und Humbatis Truppen wurden auf die Fliehenden losgelassen. Weithin bedeckte sich die Ebene mit flüchtigen Scharen, hinter denen die Kavallerie herjagte, und Schwerthieb und Lanzenstich räumten unter den Zulus und den Amatongas auf, welche heute das Zuluheer verstärkt hatten. Langsam rückte das schwere Viereck vor, das Hurrarufen der Sieger donnerte über das Schlachtfeld hin, und die Klänge des »Rule Britannia« spielten dazwischen.

Pieter Maritz ritt an der Spitze der Buern einher, das Schwert in der Rechten, doch brauchte er es nicht mehr, denn die Feinde leisteten keinen Widerstand. Er lenkte nach dem Lickasikrale hin, aber der Hügel war leer, der König war verschwunden. Er ritt nach Ulundi zu und sah, daß die englischen Reiter schon in der Hauptstadt waren. Er kam an die äußersten Hütten hinan, sie waren leer. Als er aber bis zur Wohnung des Königs kam, da sah er den schönen Rasenplatz, auf dem einst die Frauen getanzt hatten, von den Ulanen angefüllt, und aus der Veranda leckten die Flammen empor.

Er ritt langsam zurück, Traurigkeit beschlich sein Herz beim Anblick der Verwüstung und des Todes auf den Stätten, wo er einst ein fröhliches Volk gesehen hatte.

Noch einmal blickte er sich um: Ulundi brannte an allen Ecken und Enden, die leichten Hütten flackerten wie Fackeln auf, düsterer schwarzer Rauch stieg zum Himmel empor. Tschetschwajos Macht war gebrochen, und zum Falle seines Reiches, zum Brande seiner Hauptstadt spielte die englische Musik das »Rule Britannia«.

[Fünfundzwanzigstes Kapitel]
König Tschetschwajos Gefangennahme