Der Kampf hatte kaum eine Minute gedauert, und zwischen den Weißen und Dabulamanzis Schar waren währenddessen Kugeln gewechselt worden. Die Zulus blickten auf ihren Führer und warteten den Ausgang seines Einzelkampfes ab, bevor sie sich mit dem Assagai auf die Engländer stürzten. Aber Dabulamanzi mochte ihre Anzahl für ungenügend halten, um den Angriff fortzusetzen. Als er Humbati tot zu seinen Füßen sah, rief und winkte er seiner Schar und verschwand mit ihr so schnell, wie er gekommen war, ohne nur einen Versuch zu machen, den Schatz des Königs zu hüten. Kugeln pfiffen hinter den Zulus her, aber ohne Erfolg, denn die schwarzen Krieger duckten sich in das Gras und tauchten sehr bald wieder hinter dem deckenden Höhenrücken unter.

Oberst Barrow aber fürchtete, daß sie in größerer Zahl wiederkehren möchten, und da er nur etwa fünfzig Mann bei sich hatte, wünschte er ein Gefecht in dieser abgelegenen Gegend zu vermeiden. Er ließ in Eile die wertvollsten Gegenstände aus der Felsenhöhle zusammenraffen und dann wieder die Pferde besteigen. Auf demselben Wege, den sie gekommen waren, zogen die Weißen zurück und erreichten glücklich wieder die Straße, auf welcher die Hauptmasse der Truppen marschierte.

Am Tage darauf bekamen sie Mainze-kanze zu Gesicht und betraten das hoch gelegene Ufer, von dem aus sie die hellen Ströme sich vereinigen sahen. Mainze-kanze war besetzt, die Offiziere erkannten durch ihre Gläser das Blitzen der Waffen in Dabulamanzis festen Plätzen. Schon fuhr die Artillerie auf, um die Krale zu beschießen, da zeigte sich eine weiße Fahne auf dem hohen Schornstein der Fabrik inmitten des größten Hüttenringes. Die Engländer warteten mit der Beschießung, und nach einiger Zeit kam ein Zug von Männern von unten herauf, an deren Spitze ein Induna in weißem Mantel schritt. Dabulamanzi selbst kam in Friedenstracht, um seine Unterwerfung anzuzeigen. Der ehrgeizige Mann setzte keine Hoffnung mehr auf das Glück seines königlichen Bruders und hoffte, wenn er Frieden schlösse, in seiner Herrschaft über Mainze-kanze und das umliegende Land anerkannt zu werden.

Der englische Befehlshaber, Lord Gifford, nahm die Unterwerfung an, und nun ergab sich der letzte Rest der Zuluarmee auf Gnade und Ungnade. In langen Zügen marschierten die Regimenter heran und legten die bei Isandula erbeuteten Gewehre, soweit sie noch vorhanden waren, vor den Zelten der Engländer nieder, fuhren auch mit vorgespannten Ochsen die Geschütze heran, welche sie damals erobert hatten und deren Gebrauch ihnen fremd geblieben war. Auch der Degen des kaiserlichen Prinzen kam jetzt zum Vorschein und wurde mit großer Freude von den Engländern in Empfang genommen. Er sollte nach England gesandt werden, wohin die Leiche des Prinzen schon zur feierlichen Bestattung unterwegs war.

Lord Gifford sandte Meldung von seinem Erfolge nach Ulundi zurück, wo inzwischen Sir Garnet Wolseley eingetroffen war, und erhielt den Befehl, mit einer geringen Macht die Verfolgung Tschetschwajos fortzusetzen, die übrigen Truppen unter Oberst Barrow aber zurückzusenden. Das englische Heer war wieder im Rückmarsch nach Port Natal und sollte zu Schiffe in die Heimat befördert werden. Nur mit sechshundert Mann Truppen: Dragonern, reitenden Schützen und Buern, dazu noch einigen hundert Schwarzen, setzte Lord Gifford den Marsch nach Nordosten fort. Es war gegen Ende des Monats Juli.

Aber noch gab es manchen heißen und schwierigen Marsch. Das Land wurde immer wilder und gebirgiger, je weiter die Truppen vordrangen. Die Krale lagen hier sehr vereinzelt, die Bevölkerung war sehr dünn, und wilde Tiere fanden sich hier noch in großer Menge. Nicht allein gegen Überraschungen von seiten der Zulus, sondern auch zum Schutze gegen Löwen und Leoparden mußten allnächtlich Wachen ausgestellt und Wachtfeuer unterhalten werden. Wochenlang streiften die Reiter im Gebirge hin und her, bald hierhin, bald dorthin durch wechselnde Nachrichten über den Aufenthalt des Königs gelockt. Vielfach kamen Zulus zu den Weißen, welche, um ihre Hütten und Herden zu retten, ihnen mitteilten, wo der gefürchtete Tyrann sich verborgen halte, aber wenn die Verfolger den bezeichneten Punkt erreichten, zeigte sich, daß Tschetschwajo schon wieder fort war. Das einsame, wüste, zerklüftete Land kam seiner Flucht sehr zu statten.

Pieter Maritz ritt oft mit Lord Fitzherbert zusammen, und sie erneuerten in dieser Zeit ihre alte Freundschaft. Manche Nacht lagen sie zusammen unter dem Sternenhimmel am Feuer, manche Jagd führten sie zusammen aus. Denn die Jagd vereinigte sich mit dem Kriege auf dieser langen Suche nach dem flüchtigen schwarzen Fürsten. Mehreremal fielen Löwen trotz aller Wachsamkeit in das Lager ein und raubten Pferde und Schlachtochsen. Major Marter allein, der die Dragoner kommandierte, verlor drei Pferde nacheinander durch Löwen, teils im Lager, teils auf der Jagd. Auf diesem Marsche bekamen Pieter Maritz und Lord Fitzherbert auch zum erstenmal in ihrem Leben Giraffen zu sehen.

Sie waren an einen Fluß gekommen, den die Zulus Umlanluwe nannten und der an der Stelle, wo sie ihn erreichten, breit und glänzend in einem weiten Thale strömte. Es war früh am Morgen, nur vier Dragoner und vier Buern befanden sich bei der Patrouille, welche bei Sonnenaufgang vom Lager ausgesandt worden war. Als die Reiter aus dem Walde herauskamen, sah Pieter Maritz in weiter Entfernung am jenseitigen Ufer eine Herde von zwölf der riesenhohen Tiere, zum Teil im Wasser stehend, zum Teil am sonnigen Ufer. Er zeigte sie dem Lord, und beide berieten, voll Jagdbegierde, wie sie an die scheuen Tiere herankommen könnten. Der Wind blies den Reitern entgegen, und dies war günstig, da er die Witterung des Menschen den Tieren nicht zutragen konnte. Sie ließen ihre Reiter zurück in das Versteck des Waldes treten und versuchten, den Fluß zu überschreiten. Der Engländer trug gleich dem Buernsohn eine Martini-Henry-Büchse. Glücklich fanden sie eine Stelle, wo das Wasser seicht war, so daß die Pferde hindurchgehen konnten, und sie gelangten an das jenseitige Ufer, ohne daß sie von den Giraffen bemerkt wurden. Dann ritten sie durch hohes Mimosengebüsch langsam und vorsichtig der Herde näher. Der Wind hatte sich ganz gelegt. So kamen sie bis auf etwa zweihundert Schritte an die Herde heran, hier aber mußten sie halten, denn das Gebüsch hörte auf, und die stachligen Sträucher, an denen die Giraffen weideten, standen nur noch vereinzelt. Sie sahen die Tiere deutlich vor sich. Einige grasten, andere rupften mit ihren harten Lippen und schwarzen Zungen an den Mimosen. Sie wedelten mit den Schweifen nach den Sirutfliegen, die sie belästigten, und verschiedene Vögel flatterten um ihre Köpfe, setzten sich sogar auf die kurzen Hörner oder auf die Nase der Tiere, um die Insekten wegzufangen, die den riesigen bunten Gestalten in die Nüstern stechen wollten. Es war ein prächtiges Schauspiel. Das orangefarbene, schwarzgefleckte Fell der Tiere glänzte im Sonnenschein und schillerte bei jeder Bewegung, bald glich es dem Atlas, bald der Goldbronze. Die großen schwarzen Augen waren von wunderbarer Schönheit, sanft wie die Augen der Antilopen, aber noch viel tiefer und glänzender, wie sie auch viel größer waren.

»Ich habe nie gewußt, was Giraffen sind,« flüsterte der Lord seinem Freunde zu. »Ich habe sie in den zoologischen Gärten in Paris und London gesehen, aber sie haben dort in dem kalten Klima und in der Gefangenschaft gar keine Ähnlichkeit mit diesen wunderschönen Tieren.«

Pieter Maritz nickte ihm zu. Sein Herz klopfte.