So ward denn beschlossen, diesen Tag überhaupt keinen Versuch zu machen, dem Krale näher zu kommen, sondern, wenn nicht etwa die andern Abteilungen anlangten, die Nacht zu erwarten und im Schleier der Dunkelheit den König zu überraschen. Posten wurden im Waldsaum aufgestellt und das ganze Land ward von verschiedenen Punkten aus beobachtet. Aber Major Marter ward ungeduldig. Er konnte es nicht ertragen, den ganzen Tag unthätig zu liegen. Nach einigen Stunden Wartens ließ er von neuem aufbrechen und weiter nach Nordosten marschieren, um wo möglich den Waldstreifen hinter Molihabantschis Kral zu erreichen. Auf diesem Marsche näherte sich der Trupp allmählich dem Hügel, so daß Pieter Maritz nun vom Walde aus die Hütten deutlich unterscheiden konnte. Endlich aber mußte die Abteilung eine Strecke weit über offenes Land ziehen, und nun bemerkte Pieter Maritz, daß sie vom Krale aus gesehen worden seien. Mehrere schwarze Gestalten zeigten sich, und er glaubte sogar den König selbst an der großen starken Figur zu erkennen. Eilig zogen die Truppen weiter und erreichten den unteren Teil des Waldstreifens, der sich die Höhe hinaufzog.

Major Marter ließ halten. Durch offenen Angriff und Schnelligkeit den König zu überrumpeln, war nicht gut möglich, da die Reiter bergan und über den sehr durchschnittenen Boden hin von keiner Seite schnell genug vorwärts kommen konnten. Es war nur möglich, wie es schien, durch Heimlichkeit und Stille den geplanten Angriff auszuführen. Major Marter ließ die Sättel abschnallen und die Säbel abgürten, damit nicht das Klirren der Bügel und eisernen Scheiden gehört würde. Die Reiter mußten auf nackten Pferden und allein mit der Klinge in der Hand weiter vordringen. Zulus eilten vorauf. So stieg der Zug von Nordosten her den Hügel hinan. Unter den ersten von den Reitern, welche aus dem Waldstreifen hervorbrachen und nun auf den nahen Kral zuritten, war Pieter Maritz. Er erblickte den König, der vor den Hütten stand und von einer kleinen Schar seiner Getreuen umgeben war.

Die Zulus, welche den Weißen vorauf waren, sprangen auf den König los und schrieen laut: »Der weiße Mann kommt! du bist gefangen!«

Tschetschwajo beachtete diese Leute so wenig, als ob sie eine Koppel Hunde gewesen wären, die ihn angekläfft hätten. Er blieb unbeweglich stehen, und mit ihm standen Sirajo und Molihabantschi, wie die andern Begleiter ruhig und schweigend da. Dann, als die Weißen näher kamen, drehte Tschetschwajo sich um und ging mit dem Gefolge in den Kreis der Hütten, wo er dem Blicke Pieter Maritz' entschwand.

Aber die Zulus folgten ihm, und als jetzt die Schar der Reiter versammelt und Major Marter selbst zugegen war, ging es in den Kral hinein. Die Zulus zeigten auf die größte der Hütten und bedeuteten die Verfolger, daß der König darin sei.

Major Marter stieg ab, mit ihm sprangen mehrere Dragoner vom Pferde, und dann trat der Major vor die Hütte und rief dem König zu, er möge herauskommen und sich ergeben. Pieter Maritz übersetzte diese Aufforderung in die Zulusprache.

Da ertönte aus dem Innern der Ruf des Königs: »Nein! kommt ihr herein!«

Aber Major Marter bestand auf seinem Verlangen, und nach mehrmaliger Weigerung entschloß sich endlich Tschetschwajo, Gehorsam zu leisten. Er kam hervor.

Als er aus der niedrigen Thür kam, mußte er auf Händen und Füßen kriechen, dann aber richtete er sich auf und stand in würdiger, stolzer Haltung und mit ruhiger Fassung da. Er trug einen roten Mantel, ein einfach viereckiges Stück Zeug, welches auf der linken Schulter mit einer Spange zusammengehalten wurde und der römischen Toga ähnlich den riesigen Körper umgab. Sein Blick weilte ruhig auf den Gestalten der englischen Krieger.