König Tschetschwajos Ergebung.
Einer der Dragoner trat auf ihn zu und wollte ihn am Arme fassen, aber der König warf den Kopf empor, maß den Mann mit verachtungsvollem Blick, machte mit der linken Hand eine abwehrende Bewegung und sagte: »Weißer Krieger, rühre mich nicht an!«
Alsdann wandte er sich zu Pieter Maritz und sagte mit völlig ruhigem Tone: »Sage den Kriegern der Königin von England, sie möchten mich erschießen.«
Pieter Maritz übersetzte dies dem Major Marter, und dieser ließ dem König antworten, daß die Engländer nicht daran dächten, ihm ein Leid zu thun, vielmehr nur verlangten, daß der König ihnen folge.
»Ist dieser Mann ein Induna? Welchen Rang hat der Befehlshaber dieser Truppen?« fragte der König.
Pieter Maritz gab ihm Auskunft.
Währenddessen waren nicht nur Major Marters Leute, sondern auch die andern englischen Abteilungen herangekommen, und Lord Gifford selbst erschien. Der Kral und der Hügel füllten sich mit Pferden und Soldaten. Der König ward aufgefordert, den Kral zu verlassen und sich in das englische Lager zu begeben. Sein Benehmen war so stolz, daß die Offiziere voll Verwunderung waren und daß sich gleichsam von selbst Ehrenbezeugungen für ihn bildeten. Als er mit seinem kleinen Gefolge von Indunas und Weibern den Kral verließ, standen die reitenden Schützen und Dragoner zu beiden Seiten in Linie aufmarschiert, und er ging mit sehr langsamem Schritte, den Kopf hoch, durch ihre Reihen hindurch, mit hartem, forschendem Blick die englischen Soldaten betrachtend, als ob er seine eigenen Krieger mustere. Er ragte mit seinem nackten, ganz schmucklosen Kopfe über alle hinweg und schritt an seinem elfenbeinernen Stabe mit der gelassenen Vornehmheit eines Herrschers dahin, dem von seinen Unterthanen die schuldigen Ehren erwiesen werden.
Seine ruhige Würde behielt er auf dem ganzen Wege. Er wurde nach Lord Giffords Lager geführt und von dort nach Ulundi. Am 31. August ward die ehemalige Hauptstadt des schwarzen Königs erreicht. Pieter Maritz war in der Begleitung, um als Dolmetscher zu dienen. Vor Ulundi war ein großes englisches Lager, und dort erblickte Pieter Maritz das kluge Gesicht des Oberbefehlshabers Sir Garnet Wolseley. Lord Chelmsford war nach England zurückgekehrt. General Wolseley war begleitet von seinem Stabschef, Sir George Pomeroy Colley, und ordnete mit diesem die Angelegenheiten des Zululandes. Er nahm die Huldigungen der Indunas entgegen und ließ alle Waffen europäischer Art im Lager abliefern. Er ging damit um, das Land in mehrere kleine Fürstentümer zu teilen.
Auf General Wolseleys Befehl ward Tschetschwajo in Begleitung eines Dutzends seiner Lieblingsfrauen und einiger Diener nach Port Durnford in Natal geschafft, um von dort zur See nach der Kapstadt gebracht zu werden. Die Indunas seiner Umgebung, auch Sirajo und Molihabantschi, blieben im Lande zurück.
Ein Wagen mit acht Maultieren ward zur Verfügung des Königs gestellt, dem lange Märsche zu Fuß zu beschwerlich waren und der auch nicht zu reiten liebte. Eine Eskorte von Dragonern begleitete diesen und zwei andere Wagen, auf welchen die Frauen und Diener fuhren. Pieter Maritz auf Jagers Rücken blieb bei dem Reisezuge bis Port Durnford. Dort, als die schwarze Figur des Königs das schwankende Brett betrat, welches vom Ufer in das Boot führte, sah er den einst so mächtigen Tyrannen zum letztenmal.