[Sechsundzwanzigstes Kapitel]
Von Pretoria nach Kimberley

Ein kleiner Reitertrupp zog den Weg entlang, der unweit der Stadt Pretoria nordwärts über die Höhenzüge führt. Die Männer waren als Buern zu erkennen, sie trugen den breitkrempigen Hut, die Bluse, die hohen Reiterstiefel und die Büchse nebst Patronengurt. Pieter Maritz befand sich unter ihnen, nun als schlanker, kräftiger Jüngling, denn seit der Beendigung des Zulukrieges waren ein Jahr und zwei Monate vergangen, und der Buernsohn stand in seinem achtzehnten Lebensjahre.

Es war ein afrikanischer Dezembermorgen, die Luft klar und warm. Als die Reiter die Höhe erreichten, hielt der vorderste von ihnen sein braunes Pferd an und blickte sich nach allen Seiten um, während auch seine Begleiter Halt machten. Hinter ihnen lag die Stadt mit ihren hellen Gebäuden inmitten tiefdunkler Baumschatten, daneben dehnten sich unübersehbare grüne Weiden aus, welche mit großen Herden bedeckt waren. Im klaren Sonnenschein erschien das Bild ungemein lebhaft und farbreich und es war ein Bild tiefen Friedens. Gemächlich lag das schwere Vieh auf dem saftig grünen Teppich, freundlich sah die Stadt aus, und im herrlichsten Blau spannte sich die weite Himmelsdecke über die Erde aus.

Der Reiter, welcher zuerst sein Pferd angehalten hatte, betrachtete schweigend und gedankenvoll die Landschaft und wies dann mit der Hand seitwärts nach einem länglichen Viereck von Zelten, die weiß schimmernd dalagen, sowie nach einem regelmäßig geschnittenen dunklen Stern, der neben dem Zeltlager zu sehen war. Diese Sternfigur, aus deren Mitte eine Fahne an hoher Stange wehte, die in solcher Entfernung nicht größer als eine Briefmarke zu sein schien, zeigte nebst den Zelten die Gegenwart von etwas Fremdem an, das mit dem friedlichen Anblick des schönen Landes nicht in Einklang stand.

»Seht dort,« sagte der Reiter mit finsterem Gesicht, »seht das Fort und die Zelte! Ist nicht ihre Gegenwart eine fortdauernde Beleidigung und Drohung für die Republik? Sie mißachten unsere Vorstellungen, sie verhöhnen unsere gerechten Ansprüche. Laßt uns nicht uns selbst täuschen: der Bitte wird das harte englische Herz sich stets verschließen. Wir müssen Gewalt der Gewalt entgegensetzen, erst dann wird man Achtung vor der Gerechtigkeit unserer Sache bekommen.«

Beifallsgemurmel war zu vernehmen, und dann antwortete ein anderer der Reiter: »Alle Bürger stimmen Ihnen zu, Herr Krüger, und wir sehen alle ein, daß die Zeit der Verhandlungen vorüber und die Zeit der Thaten gekommen ist. Die Engländer werden mit jedem Tage übermütiger, und seitdem sie die Zulus besiegt haben, betrachten sie ganz Südafrika als ihr Kolonialgebiet. Der Augenblick ist da, wo wir ihnen zeigen müssen, daß wir freie Männer sind. Jetzt haben sie nur eine kleine Truppenzahl im Lande, und wenn sie sich nun unseren Forderungen nicht fügen wollen, so treiben wir sie hinaus.«

Der Reitertrupp setzte seinen Weg fort und traf nach einstündigem Ritte auf zwei Männer, die zu Pferde in einem Engpasse hielten. Sie ritten Pferde von kleiner kräftiger Figur und waren in voller kriegerischer Ausrüstung, hatten die Büchse vor sich auf dem Sattel und überwachten, wie es schien, das Land, welches sich vor ihnen ausdehnte. Sie begrüßten ehrfurchtsvoll den kleinen Reitertrupp, der sich ihnen näherte, tauschten einige Worte mit dem Präsidenten Krüger aus und blieben dann auf ihrem Posten, während dieser mit seiner Begleitung weiterritt.