Der Präsident rief diese letzten Worte mit lauterer Stimme und hoch erhobener Hand, und brausender Beifallsruf folgte dem Schluß seiner Rede. Die Buern umdrängten ihn und seine Begleiter, und die Versicherungen ihres vollen Vertrauens in seine Leitung der Angelegenheiten mischten sich mit den Beteuerungen, im Kampfe ausharren zu wollen, bis das von allen ersehnte Ziel der Befreiung des Vaterlandes erreicht worden sei.

Nachdem diese Scene stürmischer Begeisterung vorüber war, trat der Präsident mit den angesehensten Führern in eine Beratung der etwa notwendig werdenden kriegerischen Maßregeln ein und rief alsdann Pieter Maritz zu sich, der unter den Ältesten seiner Gemeinde stand.

»Pieter Maritz,« sagte er zu dem jungen Mann, der alsbald vor ihn trat, »Sie haben der Republik gute Dienste geleistet, und ich spreche Ihnen für den Eifer und die Geschicklichkeit, die Sie bewiesen haben, meine volle Anerkennung aus. Ich höre von verschiedenen Seiten Ihren Namen lobend erwähnen, und es ist Ihren Bemühungen mit zu verdanken, daß überall im Lande die Politik der Regierung bekannt ist und alle Bürger der Republik sich rüsten, beim ersten Aufbruch bewaffnet herbeizueilen. Monatelang haben Sie das Gebiet des Transvaallandes durchritten und die Gemeinden auf den entscheidenden Schritt vorbereitet, den wir thun wollen. Aber noch ist das Werk nicht vollendet, und ich muß Ihre Thätigkeit in derselben Weise wie bisher in Anspruch nehmen. Es ist, wie Sie wissen, wichtig für Transvaal, daß auch die Landsleute in den andern Gebieten Südafrikas, namentlich im Oranjefreistaat, Partei nehmen. Unsere Bemühungen, den Präsidenten Brand zu einem Bündnis zu bewegen, sind freilich gescheitert, denn der Oranjefreistaat ist nicht gleich uns dem Drucke unterworfen, und der Präsident mag hoffen, auch in Zukunft seine Selbständigkeit behaupten zu können. Sicherlich sind die Sympathien der Buern im Oranjefreistaat für uns. Dies müssen wir benutzen. Wir müssen versuchen, die Bürger zu thätiger Teilnahme am Kriege zu bewegen. Schon sind mehrere Abgesandte von uns auf der Reise, um die Buern südlich des Vaalflusses über die Bedeutung des bevorstehenden Krieges zu belehren, und Sie, Pieter Maritz, sollen dieselbe Aufgabe vollführen. Der Weg, den Sie zu nehmen und die Gemeinden und Ortschaften, welche Sie zu besuchen haben, soll Ihnen schriftlich vorgezeichnet werden, und Sie werden eine Anzahl von Druckschriften erhalten, welche Sie verteilen sollen. Dieselben enthalten eine Darlegung der politischen Lage und der Ziele der Buern. Außerdem aber muß Ihre persönliche Überredung wirken. Sagen Sie den Buern im Oranjefreistaat, daß die Buern in Transvaal ihre Brüder sind und für die Freiheit des ganzen Stammes kämpfen. Sagen Sie ihnen, daß bei uns schon die bewaffneten Corps völlig bereit stehen, um zuzuschlagen. Sagen Sie ihnen, daß jeder Mann, der seine Büchse ergreift, um an unserer Seite zu stehen, für die Zukunft des eigenen Herdes kämpft. Denn die Engländer unterdrücken nach und nach jedes Volk, und sie kennen selbst nicht die Dankbarkeit gegen Bundesgenossen. So haben sie jetzt ihre Truppen im Basutolande liegen und führen einen schändlichen, ungerechten Krieg gegen die Basutos, welche ihnen im Zulukriege geholfen haben. Machen Sie unsere Landsleute drüben auf diesen Punkt besonders aufmerksam. Wo aber die Leute Bedenken haben und Ihnen etwa entgegnen, daß wir viel zu schwach wären, um gegen England Krieg zu führen, da seien Sie klug, mein junger Freund. Antworten Sie, daß England freilich ungeheuer mächtig ist, daß ihm der Preis des Sieges aber zu hoch ist, um ihn dafür zu erkaufen, und daß wir in unseren Bedingungen den Engländern schon die goldene Brücke des Rückzugs gebaut haben. Sollte aber diese Klugheit vergeblich sein — nun, so wisse der Buer für die Freiheit zu sterben!«

Pieter Maritz übernahm gehorsam den Auftrag, den ihm der Präsident gegeben, und tags darauf ritt er von Pretoria aus nach Süden, um in das Gebiet des Oranjefreistaats zu gelangen. Er ritt auf dem ihm wohlbekannten Wege nach Heidelberg, und er war voll Stolz auf das Vertrauen, welches die besten Männer seines Vaterlandes auf ihn setzten, und voll freudiger Hoffnung für die Zukunft seines Volkes.

Er war noch etwa eine Meile von Heidelberg entfernt, als er auf der Straße vor sich das Glänzen von Waffen bemerkte und bald darauf die Uniform der Dragoner erkannte. Einen Augenblick dachte er, es sei ratsam, der Patrouille nicht zu begegnen, sondern seitwärts die Flucht zu ergreifen. Denn er war sich bewußt, mit einer Sendung betraut zu sein, die den Engländern feindlich war. Aber dann sagte er sich, daß noch Frieden herrsche und daß er keinen Grund habe, seine Reise durch einen Umweg zu verzögern, auch wohl nicht klug handle, durch Flucht sich verdächtig zu machen und etwa eine Verfolgung hinter sich her zu locken. So ritt er denn ruhig weiter und ward, als er nahe an die Dragonerschar herankam, angenehm überrascht, indem er seinen Freund, Lord Adolphus Fitzherbert, erkannte, den er seit einem Jahre nicht gesehen hatte.

Aber der englische Offizier machte kein erfreutes Gesicht, als er Pieter Maritz sah und auf seinen Wink ritt sogleich ein Sergeant an Jagers Seite und ergriff die Zügel des Pferdes.

»Sie sind mein Gefangener!« rief der Lord. »Sergeant, lassen Sie sich die Waffen des Gefangenen geben!«

Pieter Maritz ward durch diese unerwartete Begrüßung sehr bestürzt, und im ersten Augenblick zog er unwillkürlich den Zügel an, um Jager herumzuwerfen, und wollte die Schenkel andrücken, um davonzujagen. Aber er sah, daß es schon zu spät war und wandte sich, während er Büchse und Schwert dem Unteroffizier überreichte, mit stolzer Gebärde an den englischen Offizier und fragte ihn, was dieser Überfall zu bedeuten habe.

»Wollen Sie mir Ihr Ehrenwort geben, keinen Fluchtversuch zu machen?« fragte der Lord. »Ich sage Ihnen vorher, daß ich Ihnen Ihr Pferd nehmen lassen muß, wenn Sie es verweigern.«

»Ich werde keinen Fluchtversuch machen, so lange ich bei Ihnen bin,« entgegnete Pieter Maritz, der eine besondere Bewegung in den Zügen seines Freundes las.