»Nun will ich nur hoffen, daß du nicht aufrührerische Schriften bei dir hast,« sagte der Offizier. »Denn sonst kann es dir an Kopf und Kragen gehen.«

»Ich weiß nicht, was die Engländer aufrührerische Schriften nennen,« entgegnete Pieter Maritz. »Ich habe eine Anzahl von gedruckten Proklamationen bei mir, welche das Volk über die gerechten Forderungen der Südafrikanischen Republik aufklären. Hat unsere Regierung nicht das Recht, den Buern solche Aufklärungen zu geben? Wir verlangen nichts als die Anerkennung unseres mit England vor dreißig Jahren abgeschlossenen Vertrages.«

»Liefere du mir diese Schriften aus,« sagte der Offizier. »Es ist besser, du giebst sie mir, als daß du im Hauptquartier untersucht wirst.«

Pieter Maritz öffnete den Mantelsack und übergab dem Lord das Paket der Druckschriften, die er im Oranjefreistaat hatte verteilen sollen. Der Lord nahm es mit einem Seufzer in Empfang und sah den Freund mit traurigem, mitleidigem Blicke an.

»Ach, warum mußtest du so etwas thun?« sagte er vorwurfsvoll. »Hast du nicht unter britischer Fahne gefochten und das Viktoriakreuz erhalten? Und ein so kühner Kämpfer ließ sich auf eine Bauernrevolte ein! O, daß der Dienst mich zwingt, meinen Freund ins Unglück zu stürzen!«

»Ich kenne den Dienst und weiß, daß du gezwungen bist, mich gefangen zu nehmen,« entgegnete Pieter Maritz. »Aber ich bin stolz darauf, für die Sache meines Vaterlandes zu leiden. Ich bin darauf viel stolzer als auf das Viktoriakreuz. Denn das sollst du nur wissen, Adolphus, ich kämpfte in den Reihen der Engländer nicht für England, das uns unterdrückt, sondern nur, um den Krieg kennen zu lernen und zu sehen, wie englische Soldaten fechten. Was ich bei euch gelernt habe, das will ich im Dienste meines Vaterlandes anwenden. Als mein Vater in meinen Armen starb, da sagte er mir, daß England unser einziger Feind sei, und er hinterließ mir als sein Vermächtnis den Haß auf unsere Unterdrücker. Wir wollen ein freies Volk sein und bleiben, und wir wollen das englische Joch abschütteln. Du nennst das eine Bauernrevolte, aber du sollst sehen, Adolphus, daß es etwas ganz anderes ist, und ich beklage nur das eine, daß ich als Gefangener nicht teilnehmen kann an dem Kampfe, den wir gegen euch führen werden.«

»Welch eine Verblendung!« rief der Offizier. »Arme Buern, wie könnt ihr gegen uns kämpfen? Es thut mir leid um dich, Pieter Maritz, und es thut mir leid um das Buernland. Aber hat man denn in Pretoria nur gar kein Verständnis für die wahre Sachlage? Denkt ihr, weil jetzt nur wenige kleine Garnisonen im Lande liegen, unsere Macht wäre erschöpft, wenn ihr diese vielleicht besiegen solltet? Ich sage dir, Pieter Maritz, dies Unternehmen ist ein reiner Wahnsinn.«

»Du hast eine geringe Meinung von den Buern,« entgegnete Pieter Maritz.

»Ich bin jetzt fast drei Jahre in Südafrika,« sagte der Offizier, »und glaube manches gelernt zu haben. Als wir uns zuerst trafen, Pieter Maritz, da wußte ich noch nichts vom Lande und hatte wirklich eine sehr geringe Meinung von den Buern. Jetzt habe ich gesehen, was es für Leute sind, und ich müßte sehr wenig Nutzen aus der Freundschaft mit dir gezogen haben, wenn ich noch nicht wüßte, welche ausgezeichnete Reiter und Schützen sie sind. Habe ich doch im Feldzuge gegen die Zulus gesehen, welche vortreffliche Soldaten als Vorposten und in allem Sicherungsdienst die Buernreiter sind. Aber um Krieg gegen uns zu führen, dazu gehört denn doch noch mehr. Mache dir keine falschen Hoffnungen, mein bester Freund! Die Buern haben ja nicht einmal Artillerie. Ihr werdet anfangen, unsere Garnisonen zu belagern, aber könnt nicht einmal ein einziges Fort erobern. Währenddessen kommt General Colley heran und zieht mit seiner kleinen Armee quer durch euer Land, wo er nur will, und je tapferer ihr euch schlagt, desto größer sind eure Verluste. Aber selbst wenn ihr euch gegen ihn verteidigen könntet — was wollt ihr machen, wenn Verstärkungen von England kommen? Es ist ja ganz unmöglich, daß ein kleines Land mit vereinzelt wohnenden Farmern gegen England mit Erfolg Krieg führen könnte. Ich kann gar nicht beschreiben, wie leid mir das thut, daß es so hat kommen müssen, und daß ich dir, lieber Freund, die Waffen habe abfordern und dich gefangen nehmen müssen!«

Pieter Maritz reichte dem Engländer die Hand, welche dieser ergriff und herzlich drückte.